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Alte Schule, altersloser Blues

Mit Duke Robillard gastiert ein Bluesgitarrist in Marians Jazzroom, der schon mit Bob Dylan und Tom Waits gespielt hat.

Samuel Mumenthaler
Duke Robillard und Band. Foto: Samuel Mumenthaler
Duke Robillard und Band. Foto: Samuel Mumenthaler

Man hatte ihn jugendlicher in Erinnerung. Doch ein Blick auf seine Biografie zeigt, dass Duke Robillard auch schon 71 ist. Kein Problem für einen Bluesmusiker. Ein «alter weisser Mann» zu sein, darf man hier durchaus als Kompliment verstehen. Denn es waren meist ältere Herren, welche den Sound des US-Südens vor bald sechzig Jahren an den American Folk Blues Festivals bei uns bekannt gemacht haben. Oft hatten sie schlechte Zähne, trugen dicke Brillen und spielten auf verwitterten Gitarren. Doch das war es gerade, was ihre Musik umso authentischer wirken liess.

Okay, der Blues ist definitiv die Musik der Afroamerikaner. Der Spruch «White boys can’t play the Blues» hat aber schon länger ausgedient. Schliesslich waren es einst bleiche Jüngelchen wie die Rolling Stones, die den Sound des unterprivilegierten Amerika für ein weisses, europäisches Publikum zurechtstutzten und so etwas Geld in die Portemonnaies der originalen Bluesmänner spülten.

Das alles muss man Duke Robillard nicht erzählen. Er ist ein wandelndes Musiklexikon und ein exzellenter Gitarrist. Sein Stil war schon «old school», als er noch jung war. Seine traditionsbewusste Arbeit mit der Band Roomful of Blues bescherte ihm viele Fans – auch prominente. Bob Dylan und Tom Waits engagierten den Duke wegen seines authentischen Bluesstils als Gitarristen. Solche Abstecher ins Big Business waren aber meist schnell wieder vorbei: Zu eigenwillig ist Duke Robillard. Er ist ein Bandleader, kein Begleiter.

In Marians Jazzroom, wo er noch bis zum kommenden Samstag gastiert und jeden Abend zwei Konzerte gibt, zeigt Duke Robillard, warum er in der Bluesszene immer noch gefragt ist. Er legt los mit einem lockeren Shuffle, die Gitarre messerscharf und unverzerrt, der Groove treibend und swingend. So geht es weiter: Mit einer gut eingespielten Band im Rücken spielt sich Robillard durch ein Repertoire, das Eigenkompositionen mit ausgesuchten Coverversionen zusammenbringt.

Je älter und jazziger die Musik, die sie spielen, desto mehr wissen Robillard und seine Begleiter zu überzeugen: Mit «If I Had You» intoniert der Gitarrist ganz ohne Worte eine hundertjährige Ballade, dann zollt er der grossen Jazzsängerin Billie Holiday Tribut. Robillards Rückblenden neigen nicht zur Verklärung, er spielt präzis und schnörkellos.

Als Sänger ist er keine grosse Nummer, meist überlässt er das Singen ohnehin seiner Gitarre. Das Marians-Publikum weiss es ihm zu danken. Immer wieder gibt es Applaus für die Soloeinlagen der Musiker. Der Seniorchef nimmt ihn gelassen entgegen, murmelt «Appreciate it» und sagt die nächste Nummer an. Musik ist seine Arbeit, und die will er einfach gut machen.

Der Blues ist eine alte Musik, aber vor allem eine alterslose.

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Weitere Konzerte: bis Samstag, jeweils 19.30 und 21.30 Uhr, Marians Jazzroom, Bern.

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