Zum Hauptinhalt springen

Aus dem Hinterhalt

Während fünf Tagen treffen sich an der 10. Berner Jazzwerkstatt Musiker, um zu experimentieren und dem Publikum neue Ideen vorzustellen. Neben alten Bekannten gibt es auch junge Namen, etwa die Kontrabassistin Lisa Hoppe.

In Bern fühlte sie sich rasch heimisch: Die Jazzbassistin und Kontrabassistin Lisa Hoppe in der Turnhalle des Progr.
In Bern fühlte sie sich rasch heimisch: Die Jazzbassistin und Kontrabassistin Lisa Hoppe in der Turnhalle des Progr.
Stefan Anderegg

Ein Jubiläum kann man feiern, indem man mit nostalgisch-verklärtem Blick zurückschaut – oder indem man neugierig in die Zukunft blickt. Die Berner Jazzwerkstatt, die heuer ihre zehnte Ausgabe feiert, tut Letzteres.

Deshalb haben die beiden Gründer Benedikt Reising und Marc Stucki für die Jubiläumsausgabe eine Gastkuratorin an Bord geholt: die 28-jährige Kontrabassistin und Komponistin Lisa Hoppe. Sie hat für die Jazzwerkstatt drei Konzerte – darunter eines mit ihrer eigenen Band – programmiert, bei denen vor allem jüngere Musikerinnen und Musiker zu hören sind, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen: die israelisch-amerikanische Band Kadawa (23. 2.) und Krassport – Alice aus Deutschland (26. 2.). Lisa Hoppe selber ist mit ihrem Quintett Ambush 24. 2. zu hören.

Vom Rock zum Jazz

Aufgewachsen ist Lisa Hoppe in der norddeutschen Provinz. Sie spielte zuerst Gitarre in einer Rockband. «Ich wollte so werden wie die Punkgitarristin Avril Lavigne», erinnert sie sich an ihre wilden Jahre. Dort, wo Hoppe herkommt, war musikalisch sonst nicht viel los. Einzig an ihrer Schule gab es eine Big Band. Der Job an der Gitarre war allerdings bereits vergeben.

Dafür suchte der Musiklehrer eine Bassistin. «Na gut, warum nicht Bass?», sagte sich Hoppe – und war begeistert vom neuen Instrument. «Der Bass hat etwas Melodisches, das hat mir gefallen», erklärt sie. Nach der Schule machte sie zuerst ein Praktikum auf einer Zeitungsredaktion und kam nach wenigen Wochen zum Schluss: «Journalismus? Auf keinen Fall!» Also beschloss sie, Ernst zu machen mit der Musik, und zog nach Hamburg, wo sie sich während eines Jahres intensiv dem Bassspiel widmete.

«Der Bass hat etwas Melodisches, das hat mir gefallen.»

Lisa Hoppe

«Da bin ich so richtig auf die Welt gekommen und realisierte, dass ich eigentlich noch gar nichts konnte», sagt sie rückblickend. Nachdem die Musikerin zuerst in Bremen studiert hatte, landete sie schliesslich in Bern, wo sie 2015 ihr Studium bei Patrice Moret abschloss.

In Bern fühlte sich Hoppe rasch heimisch. «Im Gegensatz zu Hamburg, wo jazzmässig nun wirklich nicht viel los ist, und Bremen, das doch sehr provinziell ist, läuft hier in Bern extrem viel», schwärmt sie von der hiesigen Jazzszene. Auch international ist Hoppe bestens vernetzt: Die Mitmusikerinnen und Mitmusiker ihrer Bands kommen aus Grossbritannien, Deutschland, der Schweiz, Israel und den USA.

Mit brandneuem Projekt

An der diesjährigen Jubiläumsausgabe der Jazzwerkstatt stellt Lisa Hoppe nun ein eigenes, brandneues Projekt vor. Und diese Band illustriert sehr schön den Geist der Jazzwerkstatt: Ausgehend von ihrem «normalen» Trio mit dem Schlagzeuger Phelan Burgoyne und dem Pianisten Tom Millar hat Lisa Hoppe die Band um die Sängerin Yumi Ito und den Saxofonisten Yehonatan Cohen ergänzt.

Das ergibt ein international besetztes Quintett, dem die Bassistin den Namen Ambush (Hinterhalt) verpasst hat. Die Band wird in dieser Besetzung und mit ihrem Programm zum ersten Mal öffentlich auftreten und die Zuhörer mit Hoppes Kompositionen über­raschen.

Was das Publikum erwartet? Konkretes lässt sich Lisa Hoppe nicht entlocken. Recht hat sie. Schliesslich lebt ein Hinterhalt von seinem Überraschungsmoment. Genau wie die ganze Jazzwerkstatt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch