Blitz und Feuer im Münster

Bern

Mit dem Sommer beginnen auch die Abendmusiken im Münster. Zur Eröffnung des Festivals spielte Münsterorganist ­Daniel Glaus Kontrastreiches.

<b>Daniel Glaus.</b>

Daniel Glaus.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Etwas bedrohlich klingt das Motto «...und aus dem Feuer gingen Blitze», unter dem die Programme der Abendmusiken im Berner Münster zusammengefasst sind. Doch das Thema, das auf Ezechiels Vision im Alten Testament ­zurückgeht, erfährt in den 14 Programmen des diesjährigen Konzertzyklus eine kreative Auslegung.

Sinnbild dafür war das erste Konzert am Dienstag mit Daniel Glaus, Münsterorganist und künstlerischem Leiter der Abendmusiken. Es begann mit «Feuerzungen», so die wörtliche Übersetzung von «Les langues de feu» aus der «Messe de la Pentecôte» von Olivier Messiaen. Sie loderten nur zart, dafür verlieh Glaus den hohen Klängen reizvolle Registerfarben.

Das einleitende Stück liess der Münsterorganist nahtlos in das anschliessende Hauptwerk münden. Die Orgelsonate des Romantikers Julius Reubke nahm ihren Anfang dabei in tiefen, abgedunkelten Registern, entfaltete daraufhin aber ein äusserst breites dynamisches Ausdrucksspektrum, das vom fast unhörbar ­Zurückgenommenen bis zu mächtigen Klangkaskaden reichte.

Daniel Glaus wurde den hohen technischen Ansprüchen gerecht. Eindrücklich, allerdings auf ganz andere Art, auch die ­abschliessende 10. Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor. Es ist der Schwanengesang des grossen französischen Orgelmeisters, die Stimmung daher gedämpft, bisweilen wehmütig.

Namhafte Organisten

Orgelmusik bildet naturgemäss einen Schwerpunkt in den Abendmusiken im Berner Münster, die jeden Dienstagabend bis Anfang September stattfinden. Dem Untertitel «Das internationale Sommerfestival» genügen allein die namhaften Organistinnen und Organisten, die Daniel Glaus dieses Jahr aus England, Frankreich, Deutschland, und aus der Schweiz nach Bern eingeladen hat. Bespielt wird dabei nicht nur die Hauptorgel. Mehrfach kommt auch die Schwalbennestorgel zum Zug.

Weiter bietet das diesjährige Festival Chormusik mit Bern­vocal sowie der Berner Kantorei und der Zürcher Kantorei zu Predigern. Im Angebot stehen zudem kammermusikalische Programme mit Cello oder Posaune. Einen Fokus auf Schweizer Komponisten des letzten Jahrhunderts legt das Konzert mit dem Organisten Jürg Brunner sowie den Flötisten Ana Ioana Oltean und Kaspar Zehnder.

Der Auftritt eines britischen Jugendblasorchesters dürfte im diesjährigen Sommerfestival überdies für ­besonders eindrückliche Blitze sorgen.

Konzerte: immer dienstags, Münster, Bern, www.abendmusiken.ch.

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