Das Spiel der bösen Buben mit dem Feuer

Interlaken

Erneut liessen es Rammstein mächtig Krachen: Mitsingende Fans, Feuer, Rauch und Explosionen und eingängige Songs brachten die Fanmassen in Wallung.

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Erneut liessen es die Deutschen mächtig Krachen: Mitsingende Fans, Feuer, Rauch und Explosionen und eingängige Songs brachten die Fanmassen in Wallung. Erschreckend an der Band ist hingegen, dass sie immer wieder gesellschaftliche Abgründe zum Thema macht. «Ich tu dir weh», war der Auftaktsong der schwarzen Messe auf dem Flugplatz Interlaken, die Rammstein donnerstags zelebrierten. Eine Bühne im Indust-rielook, düster, dunkel, dazwischen schmutzige Körper, die mitunter viel Haut zeigten. Sänger Till Lindemann erlöste die wartenden Fans von ihren «Schmerzen» und sprach ihnen Absolution aus, in dem er sie immer wieder ins Mikro skandieren liess. Keine Fangemeinde besser mit den Texten ihrer Idole vertraut, Songs wie «Du hast» oder «Asche zu Asche» sind zu Hymnen verkommen, die mit Inbrunst mitgesungen werden. Eine Retrospektive

«Made in Germany 1995−2011», hiess das letzte Album von Rammstein. Das Programm von Donnerstagabend entsprach vielfach der Retrospektive, ein Best of der Band, die mit Tabubrüchen und Songs wie «Du riechst so gut», «Engel» oder «Bück dich» Weltruhm erlangt hat – mitunter zweifelhaften. 16 Millionen verkaufte Tonträger und etliche Musikawards sind die Ausbeute: «Rammstein ist Rammstein», lautete denn auch ein Bonmot der Band, der gerne zum Besten gegeben wird.

Ein Gesamtkunstwerk

Spätestens als Lindemann blut-überströmt mit einem Flammenwerfer seinen Keyboarder zu grillen versuchte, der in einem überdimensionalen Kochtopf sass, erreichte das Konzert seinen Siedepunkt. Einmal mehr wurden die Massen nicht enttäuscht, Rammstein lieferte eine Rockshow in Perfektion ab. Kein Song zu viel, die Bewegungen genauestens choreografiert, Flammen, Rauch und Feuerwerk optimal eingebunden. Rammstein sind mittlerweile ein Gesamtkunstwerk, niemand mobilisiert die Massen so gekonnt wie die Deutschen.

Wirklich erschreckend an der Band ist, die 1994 gegründet wurde, dass sie der Gesellschaft unerbittlich den Spiegel vorhält. Die sechs Mannen lassen immer wieder mit ihren zweitdeutigen Songs in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz blicken: Sodomie (Laichzeit), Kannibalismus (Mein Teil), Nekrophilie (Heirate mich), Sadomasochismus (Ich tu dir weh) sind nur einige Themen, die in den Liedtexten thematisiert werden.

Berner Oberländer

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