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Den Led-Zeppelin-Kollegen weit voraus

Robert Plants neue Platte ist nicht so gut geraten wie seine beiden letzten. Der frühere Led-Zeppelin-Sänger scheitert aber auf sehr hohem Niveau. Wir haben Hörproben.

Unerschrockener Veteran: Robert Plant.
Unerschrockener Veteran: Robert Plant.
Gregg Delman

Zu Beginn stand das Scheitern nach dem Erfolg. Robert Plant gehört zu den seltenen Musikern, die lieber neue Fehler machen, als das Bewährte zu wiederholen, weil ihn das nämlich langweilt. Schon deshalb hat der Sänger dem Druck seiner Kollegen und den Gagen der Veranstalter standgehalten, mit Led Zeppelin, seiner alten Band, nach dreissig Jahren wieder auf Tournee zu gehen. Dabei waren für das eine gemeinsame Konzert, am 10. Dezember 2007 in London, über zwanzig Millionen flehende Bestellungen eingegangen.

Doch Robert Plant liess sich nicht umstimmen. Das fiel ihm insofern leicht, als ihm zu dieser Zeit der grösste Karriereerfolg seit dreissig Jahren gelungen war. Der britische Rocksänger hatte mit der amerikanischen Bluegrass-Sängerin Alison Krauss und dem Produzenten T-Bone Burnett eine schimmernd schöne, melancholische Platte mit Coverversionen aufgenommen. Die drei waren vermutlich selber überrascht, dass «Raising Sand» nicht nur mit Lob und Preisen dekoriert wurde, sondern sich weit über zwei Millionen Mal verkaufte.

Beseeltes Singen

Worauf Krauss und Plant ins Studio zurückkehrten, dort aber merkten, dass die neuen Aufnahmen nicht überzeugten, gerade weil sie den Erfolg der alten wiederholten.

«Band of Joy», Robert Plants neue Platte, liefert somit den Plan B. Wieder eine Platte aus Nashville, auf der er vergessene oder übersehene Songs nachsingt, von Los Lobos über Richard Thompson bis zu Townes van Zandt. Wieder diese sinnliche Mélange aus Rock'n’Roll, Country und Folk, diese Sehnsucht nach dem amerikanischen Süden. Wieder diese betörende Kombination von akustischen Instrumenten mit verschleppten E-Gitarren und getupften Bässen. Wieder diese Schwermut in der Stimme eines Sängers, der nicht mehr so singen kann wie früher, dessen zerschossene Stimme aber gerade deshalb berührt.

Stilsichere Vergangenheit

Das hört man alles sehr gerne, und je öfter man es hört, desto besser gefällt es, vor allem die Balladen. Dass Robert Plants neue Platte trotzdem nicht ganz überzeugt, hat zunächst mit der hohen Qualität seiner beiden letzten zu tun. Auf diesen hatte der heute 62-jährige Sänger, nach weitläufigen Verirrungen, zu einer entspannten Stilsicherheit gefunden. Er inspirierte sich an der Herkunft seiner Musik, ohne ihr nostalgisch zu verfallen.

Was einigen neuen Stücken zusätzlich abgeht, ist die Leichtigkeit der Arrangements. «Band of Joy», Plants neues Album, verweist auf den Namen seiner allerersten Gruppe aus den Sechzigern. Etwas von der psychedelischen Schwere jener Zeit hört man manchen Interpretationen an, es fehlt ihnen die Klarheit und die nötige Zurückhaltung, vor allem beim Gitarrenspiel.

Schwer statt tief

Für Klangbild und Arrangements ist auch der Produzent zuständig; soll man also Buddy Miller für das Resultat mitverantwortlich machen? Anders als T-Bone Burnett, der die ungleichen Stimmen von Plant und Krauss schwerelos über die karge Instrumentierung hatte schweben lassen, tendiert Miller zum Erdigeren, Schweren. Nur hat er als Musiker und Sänger auf seinen eigenen letzten Platten gezeigt, dass dieser erdige Klang die Musik nicht beschwert, sondern vertieft.

Somit klingt Plants neue Platte so, weil er sie genau so haben wollte. Wären seine beiden letzten Werke nicht gewesen, hätte man sie hoch gefeiert. Dennoch muss man seine Unerschrockenheit bewundern. Wer auf so hohem Niveau knapp scheitert, bleibt jenen Kollegen der Sechziger noch immer weit voraus, die ihre Alterskarriere mit der Wiederholung ihrer jungen verlängern.

Und da Robert Plant in den letzten Jahren nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne brillierte, werden seine neuen alten Stücke noch besser klingen, wenn er sie mit auf Tournee nimmt.

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