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Dicke weisse Rapperin

Geremy Jasper erzählt in seinem schmerzhaft schönen Regiedebüt «Patti Cake$» von einer unwahrscheinlichen Musikkarriere als Sinnbild für den amerikanischen Traum.

Hat extra für die Rolle rappen gelernt: Danielle Macdonald.
Hat extra für die Rolle rappen gelernt: Danielle Macdonald.
Jeong Park / zvg

Von ganz, ganz unten muss sich Patricia (Danielle Macdonald) auf ihrem Weg zum weissen, weiblichen Rap-Star nach oben battlen. Und immer dann, wenn die junge Frau ein wenig Morgenluft schnuppert, gibt ihr Regisseur und Drehbuchautor Geremy Jasper noch mal einen mit.

Gemeinsam mit Mutter Barb (Bridget Everett), der schwer kranken Grossmutter und einem dauerflimmernden Fernseher haust Patricia in einer engen, verrauchten Mietwohnung. Weil sie fettleibig ist, bekommt sie andauernd blöde Sprüche zu hören. Ihre Oma raunt vom Sterben. Und die einst selbst als Musikerin gescheiterte Mutter lässt keine Gelegenheit aus, die Tochter zu entmutigen. Trotzdem lässt sich Patricia nicht unterkriegen. Unterstützt von ihren Kumpels Jheri und Basterds mischt sie als Patti Cake$ die regionale Hip-Hop-Szene von New Jersey auf.

Kein weiblicher Eminem

Bei einem solchen Szenario nicht an «8 Mile» und Eminem zu denken, ist etwa so aussichtsreich, wie sich ein Rapvideo ohne knapp bekleidete Tänzerinnen vorzustellen. Beides geht, theoretisch. Der Vergleich mit Curtis Hansons «8 Mile» führt dennoch in die Irre. Und das gleich zwei­fach. Zum einen ist «Patti Cake$» kein Drama, sondern eher eine Tragikomödie mit einem kräftigen Schuss «Misfits»-Feelgood-Charme, also im Grunde so was wie die Hard-boiled-Variante von «Little Miss Sunshine». Und dann ist Danielle Macdonald natürlich auch kein Eminem.

Wenn sie anfängt zu singen, gehen die eingängigen Rhythmen und Reime zwar direkt ins Blut. Aber im Herzen kommen sie nur zögerlich an. Macdonald hat sich extra für die Dreharbeiten das Rappen beibringen lassen. Die Gesangseinlagen bleiben aber flüchtige Intermezzi, während sie in «8 Mile» ein vibrierendes Gravitationszentrum bilden.

Austauschbares Motiv

Für «Patti Cake$» stellt Mac­donald mit ihrer intensiven, bit­terkomischen, pulsierenden Performance einen Glücksfall dar. Gemeinsam mit Bridget Everett bildet sie eines der eindringlichsten Mutter-Tochter-Gespanne der letzten Kinojahre.

Letztlich erweist sich der Hip-Hop in «Patti Cake$» als austauschbares Motiv für den hartnäckigen Kampf einer Aussenseiterin um Anerkennung und Respekt. Der schöne alte American Dream – nur diesmal gerappt. «Patti Cake$»: ab Donnerstag im ­Kino.

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