Die Bamboo-Bar als Sprungbrett

In der Bamboo-Bar auf dem Gurten spielen zumeist unbekannte lokale Bands. Im besten Fall empfehlen sie sich so fürs richtige Festival so wie einstmals Lo & Leduc oder Nemo.

Sein Tag, seine Bühne, seine Show: Nacnecc tritt in der Bamboo-Bar auf.

Sein Tag, seine Bühne, seine Show: Nacnecc tritt in der Bamboo-Bar auf.

(Bild: Raphael Moser)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Vielleicht sucht man nur mal Schatten im Zelt – und wird überrascht. Da steht leicht verdeckt vom grünen Gewächs, das mitten im Raum thront, ein unscheinbarer Typ mit Hip-Hop-Cap auf Sturm. Es ist sein Tag, seine Bühne, seine Show. Er spielt Gitarre, bedient Schalter, es erklingen mal Technosounds, mal Hip-Hop-Beats. Er singt Berndeutsch mit seiner rauen Stimme. Nacnecc nennt sich der junge Mann, er tritt als One-Man-Show in der Bamboo-Bar auf. Und mindestens eine Handvoll kreischender Fans hat er gleich selbst mitgebracht.

Lo & Leduc, Yokko, Nemo

Nacnecc ist einer von acht Acts, die dieses Jahr auf der inoffiziellen Talentbühne des Gurtenfestivals auftreten dürfen. Ein Empfehlungsspielen könnte man die Auftritte nennen. Im besten Fall nutzen die Musiker die Bamboo-Bar als Sprungbrett so wie vor ihnen schon einige andere lokale Acts. Die Berner Rapper Lo & Leduc? Haben ihre Gurtenkarriere in der Bamboo-Bar gestartet, dieses Jahr lauschte ihnen der ganze Berg auf der Hauptbühne.

Die Schweizer Poprockband Yokko? In der Bamboo-Bar absolvierten sie ihren allerersten Auftritt, letztes Jahr folgte die Waldbühne, zwei Jahre zuvor waren sie auf der Zeltbühne. Und der junge Bieler Rapper Nemo, der in diesem Jahr auf der Waldbühne spielte, sorgte noch letztes Jahr für eine platschvolle Bamboo-Bar. Auch Pedestrians haben den Sprung vom inoffiziellen Act auf die Waldbühne geschafft.

Gratis ans Festival

Wenn es ein Auswahlkriterium für die Bamboo-Bar gibt, dann folgendes: «Die Band muss das Potenzial haben, im nächsten Jahr auf der Waldbühne aufzutreten», sagt Phibe Cornu. Er und Pascal Rötheli führen zusammen die Agentur Wildpony, die fürs gesamte Booking des Gurtenfestivals zuständig ist. «Es gibt so viele geile lokale Bands, und auf der Waldbühne haben wir nur beschränkt Platz.»

So treten seit fünfzehn Jahren Bands in der Bamboo-Bar auf, die noch zu wenig bekannt sind für eine grössere Bühne. Oder Singer-Songwriter, die sich auf einer intimeren Bühne besser präsentieren können. Die Bands erscheinen nicht auf dem offiziellen Programm des Festivals, bekommen nur eine kleine Gage, dafür können sie mit Begleitung vier Tage den Gurten besuchen. Und sie können sich präsentieren.

Crimer spielt heute

Und manchmal wird selbst die Bamboo-Bar vom Erfolg eines Künstlers überrollt. So wie letztes Jahr bei Nemo. Und in diesem Jahr bei Crimer, dessen Song «Brotherlove» mittlerweile am Radio gespielt wird. Er spielt heute in der Bamboo-Bar, dabei wäre er mittlerweile ein veritabler Act für die Waldbühne. Doch als er gebucht wurde, stand dies noch in den Sternen. «Ich finde es cool, dass er sich nicht zu schade ist, dennoch in der Bamboo-Bar aufzutreten», sagt Phibe Cornu.

Die Bamboo-Bar hat auch Nachteile. Wer hier spielt, tritt gleichzeitig mit der Band auf der Hauptbühne auf. Gestern etwa spielte Melker, als Züri West auf der Bühne stand – eine grosse Hypothek. Doch: «Es verliert niemand, weder die Band noch das Booking», sagt Cornu, «beide können nur gewinnen.»

Nacnecc hat inzwischen ein ruhiges Lied angestimmt. Immer mehr Leute haben sich in lockerer Runde vor ihm versammelt. «Wer ist zum ersten Mal an einem Konzert von mir?», fragt er. Ein paar Hände gehen in die Höhe. Nacnecc lacht und dreht jetzt wieder auf. Im Hintergrund machen drei junge Frauen Seifenblasen. Hier kann man nur gewinnen.

Berner Zeitung

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