Die Erregungsmaschine

Andreas Gabalier, der Schlagerstar in Lederhosen, sieht sich als Opfer von linker Zensur und Faschismus.

Andreas Gabalier will nicht in die rechte Ecke gestellt werden. Foto: WireImage

Andreas Gabalier will nicht in die rechte Ecke gestellt werden. Foto: WireImage

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Er ist empört. Sehr empört. Nicht nur von Zensur sieht sich der volkstümelnde Sänger Andreas Gabalier bedroht. Nein, er fühlt sich als Opfer von «Faschismus in seiner reinsten Form». Wenn der gebürtige Kärntner so starke Ausdrücke verwendet, muss etwas Schreckliches passiert sein. Oder doch nicht?

Am 1. Mai sang jedenfalls nicht Gabalier selbst, sondern eine Coverband beim Maifest der Sozialdemokraten im steirischen Graz den Gabalier-Hit «Hulapalu». Die Veranstalter wollten das verhindern, ob durch eine Abmachung vor dem Konzert oder direkt auf der Bühne, bleibt umstritten. In jedem Fall kam die Erkenntnis reichlich spät, dass Gabaliers Lieder, in denen die Heimat rein und Frauen vollbusig sind, nicht zum linken Fest passen.

Die erste Empörungswelle über das angebliche Liederverbot rollte durch die österreichischen Boulevardmedien. Erst vier Tage später meldete sich der selbst ernannte «Volks-Rock-’n’-Roller»: Im Video auf seiner Facebook-Seite klagt Andreas Gabalier über die Intoleranz der Roten. Im nächsten Atemzug lobt er seinen «ganz, ganz wichtigen» Beitrag zum Erhalt des Sozialsystems sowie zur Rettung der Trachtenindustrie und erinnert seine Fans an den baldigen Beginn seiner Tournee durch Deutschland und «die schöne Schweiz». Als ob der Mann, der so gerne in Lederhosen auftritt und in ein Hirschgeweih singt, überhaupt noch Werbung notwendig hätte.

Sogar der Kanzler greift in die Debatte ein

Vor gut zehn Jahren trat der heute 34-Jährige zum ersten Mal in einer TV-Show auf, heute gehört er zu den Grössten der deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie, er räumt Preise ab und füllt Fussballstadien. Immer wieder setzte Gabalier dabei Provokation ein, die ihm garantiert Schlagzeilen und Klicks in den sozialen Medien brachte: etwa, wenn er den falschen Text zur Hymne sang, wenn er das Ende des «Gender-Wahnsinns» forderte oder mit Andeutungen an die Nazizeit spielte. Einen «Empörungsgenerator» nannte ihn die Tageszeitung «Kurier».

Den Vorwurf, er biedere sich in seinen Liedern und seinen Wortspenden den rechten Populisten in der Politik an, dementierte Gabalier stets empört. Aber es sind eben vor allem der Boulevard und Publikationen am rechten Rand, die seine politischen Statements lobend aufgreifen und sich schützend vor ihn werfen, wenn er vom sogenannten linken Mainstream kritisiert wird.

Auch jetzt läuft die Erregungsmaschine des Andreas Gabalier wieder wie geschmiert. Aus einer lokalen Lappalie in der Steiermark wurde eine nationale Affäre, zuletzt fühlte sich sogar der Bundeskanzler zu einem Kommentar auf Twitter berufen, in dem er die Freiheit der Kunst von allen Seiten einmahnte. Von Gabalier bekam er dafür ein herzliches «Danke».

Dass es allerdings auch eine Freiheit gibt, seine Auftritte abzulehnen, kann Gabalier offenbar nicht akzeptieren. Gegen den Chef des Wiener Konzerthauses klagte er, weil dieser in einem Interview feststellte, er würde den Sänger in seinem Haus nicht auftreten lassen. Gabalier fühlte sich dadurch «ins rechte Eck gedrängt und im wirtschaftlichen Fortkommen geschädigt». Die Klage wurde abgewiesen, das oberste Gericht entschiedzugunsten der Meinungsfreiheit.

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