«Die kindliche Langeweile hat mich zu diesem Instrument geführt»

Fragebogen BSO

Bevor das Berner Symphonieorchester am 5. September zurück an seinen Stammplatz im Casino zieht, rücken wir die Musiker ins Zentrum. Heute: Klarinettist Nils Kohler.

Sehen Sie im Video, wie Nils Kohler auf seiner Klarinette improvisiert. Video: Christian Häderli
Marina Bolzli@Zimlisberg

Welches Instrument spielen Sie, und warum wählten Sie gerade dieses?
Ich spiele Klarinette und Bassklarinette. Die kindliche Langeweile hat mich zu diesem Instrument geführt: An einem heissen Sommernachmittag, in einer Zeit, als man das Internet als Zeittotschlaginstrument nur vom Hörensagen kannte, habe ich einen Freund zu seiner Klarinettenstunde begleitet. An diesem Nachmittag habe ich mich in dieses Instrument und seinen warmen Klang verliebt.

Wie lange spielen Sie schon im BSO?
Seit anderthalb Jahren, es ist eine noch sehr junge Liebe.

Was macht Sie im Orchester unverwechselbar?
Die Bassklarinette hebt oft in besonders tragischen oder dramatischen Momenten zu ihren Soli an. So gesehen gehöre ich – zumindest musikalisch – zur dramatischen Fraktion des Orchesters. Ansonsten würde ich mich als ruhige Person bezeichnen, die eher durch exzentrische Hemden als durch dramatisch-cholerische Gefühlsausbrüche auffällt.

Was war Ihr peinlichstes Erlebnis bei einem Auftritt?
Bis jetzt sind mir grössere Peinlichkeiten erspart geblieben. Die Klassiker habe ich jedoch schon alle vor meiner Zeit im BSO durchexerziert: fliegender Wechsel am Klarinettenpult, weil ich zu spät kam, falsch gestimmte Klarinette bei einem eigentlich ganz schön komponierten Klarinettensolo etc.

Und was war das Schönste?
Wagners «Tristan und Isolde» letzte Saison war ein Höhepunkt für mich. Wagner räumt in diesem Stück der Bassklarinette viel Raum für solistische Einlagen ein, die Musik ist farben- und abwechslungsreich, sie reisst einen mit.

Worauf freuen Sie sich besonders bei der Rückkehr ins Casino?
Auf den hellen Saal. Viele ältere Konzertsäle sind eher dunkel, nicht so das Casino Bern. Der Saal hat etwas sehr Freundliches und Einladendes. Ich wünsche mir, dass auch viele junge Menschen den Weg zum neuen Saal finden werden. Und: Mein Arbeitsweg wird auf rekordverdächtige 5 Minuten verkürzt.

Wo trifft man Sie an, wenn Sie gerade nicht Dienst haben beim BSO?
Entweder beim Rennen oder Fahrradfahren in der Natur oder aber bei einer kleinen Teezeremonie zu Hause.

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