«Die Künstler schätzen, dass es exklusiv um Hip-Hop geht»

Was vor 20 Jahren mit einem Mini-Hip-Hop-Open-Air unter Bieler Freunden begann, hat sich zum international beachteten Old-School-Rap-Festival gemausert. Eric Schmid ist als Organisator seit Beginn beim Royal Arena Festival mit dabei.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Das Royal Arena Festival feiert das 20-Jahr-Jubiläum. Sie sind als Einziger aus dem Organisationskomitee seit der ersten Ausgabe dabei. Was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie an die Anfänge, damals noch in Täuffelen, zurückdenken?
Eric Schmid: (lacht) Chaos und Freestyle. Wir haben unter Kollegen aus der Lehre ein Open Air auf die Beine gestellt. So nach dem Motto: Es laufen keine Events und Partys, die uns gefallen. Die Hauptbühne bestand aus ein paar Brettern und war gerade mal so gross wie die kleinste Bühne heute.

Wie ist die Idee entstanden, ein Hip-Hop-Festival, in dieser Zeit noch eine Musiknische, zu machen?
Ein Festival konnte man das nicht nennen. Weil wir alle Hip-Hop hörten, organisierten wir draussen ein Fest, wo Rapper, DJs und Breakdancer aus unserem Freundeskreis auftraten. Und nannten es Open Air.

Damit waren bereits drei der vier Elemente des Hip-Hops vertreten. Wann kam das Graffiti-Sprayen dazu?
Das ist aus der Not entstanden, weil wir bei der ersten Ausgabe überrannt wurden. Anstatt der erwarteten 200 Leute kamen 500. Im darauf folgenden Jahr mussten wir entlang des Schiffsstegs einen Absperrzaun aufstellen. Irgendwann entstand die Idee, die weissen Wände in eine Graffiti-Galerie umzufunktio­nieren.

Die Hip-Hop-Kultur war in Biel schon immer gross, und unser Festival ist im Sog dessen gross geworden.

Biel gilt als Hip-Hop-Hauptstadt der Schweiz. Hat das Royal Arena Festival mass­gebend dazu beigetragen?
Das würde ich so nicht behaupten. Aber die Hip-Hop-Kultur war in Biel schon immer gross, und unser Festival ist im Sog dessen gross geworden.

2003 konnten Sie zum ersten Mal grosse Namen aus dem Ausland wie etwa Grand Agent aus den USA oder Torch aus Deutschland verpflichten.Wie kam es zum Wandel vom lokalen zum internationalen Festival?
Weil die Besucherzahl von Jahr zu Jahr stieg, entschieden wir 2002, das Festival zweitägig zu machen. Am Freitag setzten wir anfangs auf Funk, Jazz und Soul und am Samstag weiterhin auf Rap.

Und wie sind Sie an die namhaften Künstler gelangt?
Wir stammen alle aus dem Umfeld des Gaskessels in Biel und hatten dort für das Autonome Jugendzentrum schon einige Veranstaltungen organisiert und so Kontakte zu den Agenturen und Künstlern knüpfen können.

Was führte 2007 zum Zusammenschluss des Royal Open Air in Täuffelen und des Arena Festival in Orpund?
Mit dem Erfolg 2005 waren wir von der Infrastruktur her auf diesem Gelände am See an unsere Grenzen gestossen. Die Organisatoren des Arena Festival, die von unserem Konzept inspiriert wurden und das Open Air parallel aufgebaut hatten, verfügten über das passende Areal und wir über die guten Kontakte in der Szene.

Am Anfang waren wir die Einzigen, die ausschliesslich auf Hip-Hop setzten.

Seither hat das Festival vor allem auf Old-School-Hip-Hop gesetzt. Warum?
Am Anfang waren wir die Einzigen, die ausschliesslich auf Hip-Hop setzten. Das hat sicher zum Erfolg beigetragen, weil an den grossen Open Airs wie dem Gur­tenfestival kaum Rap lief. Klar, das war damals noch eine Nische, aber wir haben stets Künstlerinnen und Künstler gebucht, die wir auch selber mochten. Und offenbar gab es immer ein Publikum, das unseren Musikgeschmack teilte.

2006 gab es Konkurrenz aus der Ostschweiz, als das Frauenfeld-Open-Air immer stärker auf Hip-Hop setzte. Wie konnten Sie daneben bestehen?
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits viel Know-how und sicherlich auch einen guten Riecher. Etwa mit La Coka Nostra aus den USA, den die grossen Festivals noch nicht auf dem Schirm hatten, der aber bereits total gehypt wurde. Und mit dem Frauenfeld haben wir mehr zusammengearbeitet als konkurriert. Die hatten sowieso stets ein grösseres Budget.

Womit holt man den Wu Tang Clan oder The Roots nach Orpund?
Die Künstler schätzen, dass es exklusiv um Hip-Hop geht und man seinesgleichen trifft. So sind auch spontan diverse Features auf der Bühne entstanden. Wir haben einen guten Ruf, und die Künstler spüren, dass wir mit Herzblut dabei sind, und kommen gerne wieder.

Welches Zielpublikum hat das Festival eigentlich? Ist der klassische Royal-Arena-Gänger mit den Stars alt geworden?
Das Durchschnittsalter liegt wie bei anderen Festivals bei 22. Wir haben uns dem Wandel im Rap angepasst und holen Künstler, die bei Jungen beliebt sind. Klar, einige Besucher sind auch zwischen 30- und 40-jährig. Deshalb wollen wir ein breitgefächertes Publikum ansprechen, das sich an Rap und urbanem Sound orientiert, das Alter ist egal.

Was war Ihr persönliches Highlight in den letzten20 Jahren?
Jurassic 5, die zweimal am Festival spielten. Diese Jungs sind extrem sympathisch, und man hat gemerkt, dass sie noch immer lieben, was sie tun. Der Frontmann Chali 2na hat sogar spontan ein Graffiti gesprayt.

Und in diesem Jahr?
Natürlich A$AP Rocky, der nach den Schlagzeilen um die Untersuchungshaft in Schweden und dem Einmischen von Trump via Twitter nun doch nach Orpund kommt. Das wird eine riesige Show, wir sind ziemlich aufgeregt.

Was macht das Line-up der Jubiläumsausgabe sonst aus?
Ich denke, uns ist der Spagat zwischen New- und Old-School-Rap ganz gut gelungen. Das war uns wichtig. Mit Acts wie Suprême NTM oder Masta Ace & Marco Polo konnten wir Legenden verpflichten, aber mit Künstlern wie Dave East oder eben A$AP Rocky auch neuere Acts holen, die das jüngere Publikum ansprechen.

Wie sieht das Programm in10 Jahren aus?
(lacht) So weit planen wir nicht. Wir wollen mit der Zeit gehen und nicht diejenigen sein, die stur auf Old-School-Hip-Hop setzen. Aber solange die Nachfrage da ist, wird er Teil des Line-up bleiben.

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