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Die neuen Popstars sind «Soft Boys»

Lewis Capaldi, Ed Sheeran und andere kokettieren mit ihrem Normalsein – und sind damit enorm erfolgreich. Hat der Bad Boy ausgedient?

Tim Wirth
Lewis Capaldi hat Lieder produziert, die hundertmillionenfach gestreamt wurden. Er selbst sagt: «Ich bin kein guter Sänger.» (Foto: Reuters)
Lewis Capaldi hat Lieder produziert, die hundertmillionenfach gestreamt wurden. Er selbst sagt: «Ich bin kein guter Sänger.» (Foto: Reuters)

Er sei «just another chubby boy from Scotland», sagt Lewis Capaldi von sich selbst, doch natürlich stimmt das überhaupt nicht: Der pummelige «boy» hat Lieder produziert, die hundertmillionenfach gestreamt wurden. Seine Trennungs-Ballade «Someone you loved» gar fast eine Milliarde mal.

In der Zürcher Halle 662 spart er sich seinen Hit am Mittwochabend bis zum Schluss auf. Bevor der erste Akkord erklingt, verkündet er, dass er eigentlich gerade pinkeln muss. Dann singt er trotzdem von roten Wolken, schlurft mit schwarzem Hoodie über die Bühne. Jedes zweite Smartphone blinkt. Die Zuschauer filmen einen Star, der vorgibt, keiner zu sein. Fast krampfhaft pflegt der 23-Jährige sein Image als Normalo. Er sei kein guter Sänger, hat Capaldi in einem Interview gesagt. Sein Debütalbum benannte er «Divinely Uninspired To A Hellish Extent». Soll heissen: Er, Capaldi, ist göttlich uninspiriert, hat eine schlechte Stimme, schafft es aber auf Platz eins der Charts. Maximales Understatement.

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