Dieser Lärm tut unwahrscheinlich gut

Die US-Band Deerhunter spielte im Zürcher Bogen F ein umwerfendes Konzert.

Zentrum der Band Deerhunter: Bradford Cox auf der laufenden Tour. Foto: Getty Images

Zentrum der Band Deerhunter: Bradford Cox auf der laufenden Tour. Foto: Getty Images

Man könnte jetzt noch die Ohrenstöpsel montieren, in dem Moment, in dem der Sänger im ersten Song des Konzerts behauptet: «There was no sound.» Doch man ist der Band Deerhunter an diesem Mittwochabend im sehr heissen und sehr vollen Zürcher Bogen F ja dann schon ausgeliefert, bevor der Noise, der süss-brutale Gitarrenlärm, über einen hereinbricht. Ausgeliefert ist das Publikum auch dem Sänger Bradford Cox, der sich bald schon einen Aperol Spritz nach dem anderen gönnt, und doch brillant weitersingt.

Deerhunter können eine fantastische Liveband sein, aber sie sind auch eine sehr launische Band, die immer auf der Kippe spielt. Seit über 15 Jahren ist das nun schon so, eine unwahrscheinlich lange Zeit, wenn man bedenkt, wie kurzlebig die Popmusik ist – und wie rasch Trends kommen und gehen.

Aber sie haben überlebt und veröffentlichten im Frühjahr ihr elegisches, genau komponiertes Album «Why Hasn’t Everything Already Disappeared?», das sich auf die Suche nach dem macht, was alles verloren gegangen ist den Jahren der Digitalisierung und dem Wiederauftauchen der Populisten.

Dank einem grossen Konzert wie jenem in Zürich, in dem sie so viele Bereiche der Musikgeschichte streifen – den Glampop, die Clubmusik, den sehr lauten Rock ’n’ Roll, den nicht minder lauten Noise, den süssen Popsong –, werden sie so schnell nicht verloren gehen. Es ist ja auch spürbar, wie gern sie nach einem langen Sommer auf den Festivalbühnen wieder in den kleineren Lokalen spielen. Wie gern die fünf auch zusammenspielen, weil sie sich musikalisch in- und auswendig kennen, aber immer noch keine dröge Routine spürbar ist.

Am Schluss grüssen Deerhunter im langen und weit offenen «He Would Have Laughed» ihren einstigen Weggefährten Jay Reatard, jenen Garagerocker, der vor neun Jahren verstorben ist. Sie beginnen leise, und man weiss, es wird jetzt dann grad sehr laut. Müsste man jetzt nicht doch noch die Ohrenstöpsel reinstecken, weil das Hörorgan ja nur einmal intakt ist? Ach, der Lärm, er tut an diesem Abend schlicht unwahrscheinlich gut.

Weiteres Konzert: Donnerstag, 29.8., Festival Nox Orae, La Tour-de-Peilz. Infos: www.noxorae.ch

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