Einfach Frau sein

Schlagerette

Für Schlagerstars Texte schreiben lohnt sich für Frauen offenbar nicht. Was vielleicht erklärt, dass auf einer CD voller weiblicher Interpretinnen gerade mal fünf Songs auch von Frauen (mit)geschrieben wurden.

Patricia Larrass singt selbst geschriebene Songs. Foto: PD

Patricia Larrass singt selbst geschriebene Songs. Foto: PD

Kurz vor Neujahr habe ich mir im Drogerienmarkt für 3.90 Franken die CD «Frauenpower – 20 grosse Schlagerhits» gekauft. Im ersten Moment, weil ich das schreckliche Wort «Frauenpower» aus dem Wühlkorb entfernen wollte. Später, um diesen Titel einer kleinen Kontrolle zu unterziehen. Man tut über die Tage ja sonst nichts.

Alle Nummern werden von Interpretinnen gesungen, so weit, so weiblich. Doch an gerade mal fünf von zwanzig Liedern haben Frauen auch mitgeschrieben. Marianne Cathomen gehört zu dem Vierer-Songwriterteam von Beatrice Eglis «Für immer ist nicht lang genug». Eine gewisse Natascha Arnold hat für die deutsche Sängerin Liane – ebenfalls mit einer Handvoll Männern – den Song «100'000 Lügen» geschrieben, und Patricia Stauber war an der Entstehung von Moniques «Liebe aus tiefem Herzen» beteiligt.

Einzig Patricia Larrass («Nebenan der Himmel») und Astrid Harzbecker («Darling, küss mich doch mal») singen Songs, die sie selber (mit)geschrieben haben. Das erklärt dann vielleicht auch, warum Sandra Diano in «Hier kommt die Nacht» Zeilen wie «Hier kommt die Nacht, vor unseren Augen, ich werde schweigen, tu mit mir, was du willst» singt.


Auch Sandra Dianos «Hier kommt die Nacht» wurde nicht von einer Frau geschrieben. Quelle: Youtube/Melodie TV

Nicht falsch verstehen: Seit ich vor einiger Zeit gelesen habe, dass sich die (anonym bleibende) Komponistin einiger Hits von Beatrice Egli und Helene Fischer von 100'000 Streams gerade mal «ein Frühstück» kaufen kann, wie sie zu Protokoll gab, versteh ich jede Frau, die keine Texte oder Melodien für Schlagerstars schreibt. Und das Feld den Powermännern überlässt, die das Wort offenbar gern übernehmen.

Schade ist dann aber, wenn die Frauen im Nachhinein auf Twitter (es gibt seit einiger Zeit den unterhaltsamen Hashtag #FeministischeSchlager) wieder sehr viel Kraft in das Umformulieren sexistischer Texte investieren müssen – und dafür nicht einmal ein Zmorge verdienen.

Unter dem #FeministischeSchlager finden sich Textalternativen wie «17 Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir, und ich ging vorüber, denn sie war noch minderjährig».

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