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Genozid mit Gitarrensolo

Das Schnellgericht gegen den rumänischen Diktator. Ein Rock-’n’-Roll-Radio, das den Völkermord in Ruanda beschallt: Theatermacher Milo Rau bringt Weltgeschichte auf die Bühne.

Das Schnellgericht gegen den rumänischen Diktator. Ein Rock-’n’-Roll-Radio, das den Völkermord in Ruanda beschallt: Der Schweizer Theatermacher Milo Rau bringt in seinen Stücken die Weltgeschichte auf die Bühne. Von Christoph Fellmann, Bregenz

Auf der ganzen Welt hören die jungen Leute die Songs von «In Utero», dem neuen Album von Nirvana. Auch in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, wo im kleinen Studio der Radiostation RTLM die junge, hübsche Valérie Bemeriki am Mikrofon sitzt und «Rape Me» ansagt. Es ist ein Tag im Frühling 1994. Es regnet. Die Moderatorin trägt eine lässige, dunkelgrüne Trainingsjacke und spricht mit sanfter, angenehmer Stimme. Die Tutsi, sagt sie, würden sogar den Teufel vergewaltigen, wenn sie könnten. Es gebe nur einen Weg, ihre Grausamkeit zu beenden: «Ihre vollständige Auslöschung.» Während sie es sagt, gehen in Ruanda die Milizen der Hutu um, um jeden Tutsi abzuschlachten, den sie finden.

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