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«Ich musste besser sein als ein Kerl»

Die schottische Band ­Texas landet seit fast 30 Jahren regelmässig in den Hitparaden und kommt nun für ein Konzert in die Schweiz. Im Vorfeld sprach Frontfrau Sharleen ­Spiteri über Franzosen, Fussballer und Frisuren.

«Meine Freiheit bedeutet mir alles», sagt Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri (50).
«Meine Freiheit bedeutet mir alles», sagt Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri (50).
zvg

Frau Spiteri, können wir unser Interview auf Deutsch führen?Sharleen Spiteri: «Das ist gut. Scheiss im Kopf. Ich liebe dich, mein Liebling. Dankeschön. Bitteschön.» Das war mein ganzes Deutsch! Ich kann nur wenig, und besser wird es nicht . . . (lacht)

Aber Sie haben deutsche ­Wurzeln? Mütterlicherseits. Meine Mutter Wilma hat blonde Haare und blaue Augen. Meine sind dunkel. Aber alle Enkel sind blond und blauäugig. Ihre Gene sind stark, aber sie übersprangen mich und meine Schwester. Sie wären geschockt, wenn Sie meine Tochter sähen, und würden mich fragen, ob das wirklich mein Kind ist, da auch ihr Vater weder blonde Haare noch blaue Augen hat.

Das erste Lied Ihres aktuellen Albums heisst «Let’s Work It Out». Können Sie gut Kompromisse schliessen? Es ist sehr wichtig, zu reden, zu diskutieren und Lösungen zu finden. Wenn einer allein sagt, wos langgeht, ist es eine Diktatur. Wenn man die Meinung und die Gefühle des anderen kennt, fällt es einem viel leichter, seine Haltung zu respektieren.

Wie schwierig ist es, die Liebe und den Rock ’n’ Roll unter einen Hut zu bringen? Ich glaube nicht, dass es für mich schwieriger ist als für jemand ­anders. Wahrscheinlich hielten meine Beziehungen sogar länger, weil ich viel unterwegs bin. Wenn man nicht dauernd zusammen ist und einander auch mal vermisst, kann das die Gefühle wachsen lassen.

Wie würden Sie sich charakterisieren? Ich kann sehr locker und gelassen sein. Wenn ich unglücklich bin, aber auch wirklich schwierig.

Ist das Songschreiben Ihr Ventil? Ja, für mich ist es ein Weg, Dinge auszudrücken, die ich nicht aussprechen kann. Oft empfinde ich es als einfacher, etwas niederzuschreiben, als eine Konversation darüber zu führen.

Ist «For Everything» ein solches Lied? Stimmt. Es handelt davon, dass man seine Fehler und Schwächen zu verstecken versucht, wenn man jung ist, und später sogar ein wenig stolz auf sie ist, weil man realisiert hat, dass niemand ohne sie ist. Wenn du älter bist, kümmert es dich weniger, wer dich mag und wer nicht. Passt es nicht, ziehst du die Konsequenzen und verabschiedest dich, anstatt zu betteln: «Bitte mag mich!».

War es eine bestimmte Person, die Sie zu diesem Song inspiriert hat? Darüber verrate ich nichts. Es interessiert mich auch bei anderen Künstlern nicht. Wenn ich ein Lied höre, das mir gefällt, ist das mein Song. Alles, was der Text und die Melodie erzählen, beziehe ich auf mein Leben, meine Umgebung, Dinge, die ich kenne. Trotzdem lässt die Musik die Herzen des Publikums im gleichen Rhythmus schlagen. Das macht sie zu einer der universellsten Kunstformen.

Sie können sich also gar nie missverstanden fühlen? Das würde ich nicht sagen. Manche Leute haben unseren ersten Hit «I Don’t Want a Lover» wörtlich genommen und dachten, dass ich keinen Liebhaber will, doch da haben sie sich getäuscht.

Was verbindet Sie mit Ex-Fussballer Thierry Henry, der in einem Video von Texas vorkommt? Wir sind schon befreundet, seitdem er nach London kam, um für Arsenal, meinen Lieblingsklub in England, zu spielen. Thierry ist zwar zehn Jahre jünger als ich, doch wir verstehen uns blendend und lachen viel zusammen. 2002 hat er meiner frisch geborenen Tochter sogar ein Tor gewidmet.

Wie erklären Sie sich, dass Sie bei den Franzosen so gut ­ankommen? Meine Grossmutter väterlicherseits war Französin, aber vor allem verstehen und respektieren die Franzosen meine Attitüde. Ich war nie süss, in diesem Sinne auch nicht besonders gut aussehend, sondern immer androgyn und habe das, was ich kann, gut gemacht.

Und wie kam es dazu, dass Henry im «Let’s Work It Out»-Video einen Chauffeur spielt? Wir sassen in seiner Küche, und er fragte, ob wir mit dem Album fertig seien. Ich spielte ihm die Aufnahmen vor. Als ihm der Song extrem gefiel, schlug ich vor, dass er im Video mitspielt, und er sagte spontan zu.

Ist das Ihr oder sein Porsche 911? Er gehört unserem Bassisten, meinem Songwriting-Partner Johnny McElhone. Ein toller ­Wagen in einer ungewöhnlichen Farbe. Alt, aber nicht zu alt – ein Klassiker!

Welchen Luxus haben Sie sich von den 40 Millionen verkauften Texas-Alben geleistet? Meine Freiheit. Freiheit bedeutet mir alles. Die Freiheit, abends ins Bett zu gehen, meinen Kopf aufs Kissen zu legen und mich nicht darum sorgen zu müssen, wie ich meine Familie ernähren kann. Ich muss beinahe lachen, wenn ich das Musikmachen als Beruf bezeichne, weil damit für mich ein Traum in Erfüllung gegangen ist.

«Ich muss beinahe lachen, wenn ich das Musikmachen als Beruf bezeichne, weil damit für mich ein Traum in ­Erfüllung gegangen ist.»

Sharleen Spiteri

Sie haben Coiffeuse gelernt. Schneiden Sie die Haare Ihrer Tochter selbst? Ja, auch mein Mann muss dran glauben! (lacht)

Mögen Sie verrückte Haarschnitte? Nein, ich mag es, den Leuten das zu geben, womit sie sich besser fühlen, wenn sie in den Spiegel schauen.

Wie fühlen Sie als einzige Frau in der Band? Die Jungs sind wie Brüder für mich. Daher war es in den bald 30 Jahren nie ein Problem. Aber bei allem, was ich tat, musste ich besser sein als ein Kerl, weil ich eine Frau bin. So ist das Leben in einer sexistischen Welt. Der einzige Weg, etwas daran zu ändern, ist als Frau trotzdem das tun, was ich will und wie ich es will.

Texas: «Jump on Board» (TBA). Live:19. 11., Zürich, Volkshaus. ­Tickets: www.ticketcorner.ch.

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