Kompromisslose Bernerin

Zarte 23 war sie und ein weiteres Fräuleinwunder an der Gitarre: 2011 wurde Pamela Méndez mit ihrem ersten Album hochgejubelt. Seither hat die Bernerin radikal neue Wege eingeschlagen. Nun erscheint endlich Neues von ihr.

«Jetzt bin ich da, wo ich sein will»: Die Berner Musikerin Pamela Méndez tauft heute ihre neuste EP. Fast sechs Jahre sind seit ihrer letzten Veröffentlichung vergangen.

«Jetzt bin ich da, wo ich sein will»: Die Berner Musikerin Pamela Méndez tauft heute ihre neuste EP. Fast sechs Jahre sind seit ihrer letzten Veröffentlichung vergangen. Bild: Christian Pfander

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Man könnte sie naiv nennen. Oder einfach kompromisslos. Pamela Méndez war 2011 in aller Munde, ihr erstes Album «I Will Be Loved» wurde herumgereicht, besprochen, geliebt. Wie die Jungfrau zum Kinde war sie dazu gekommen: Eine Freundin hatte das Demotape Luk Zimmermann zugespielt, der Lunik-Mann war so begeistert, dass er ihr Album produzierte. Unversehens rutschte Pamela Méndez ins Musikgeschäft und konnte ihr Glück kaum fassen.

Die Songs hatte sie als Teenager geschrieben, in der Zeit zwischen 14 und 20, die sie in einem Internat in Hasliberg und im Gymnasium in Bern verbrachte. Ein weiteres Mädchen mit Gitarre, noch formbar. Sie passte zum Zeitgeist, man war gerade sehr in junge Singer-Songwriterinnen vernarrt. Pamela Méndez arbeitete mit Wunderschlagzeuger Julian Sartorius zusammen, mit Anti-Rapper Kutti MC. Alles schien wunderbar.

«Lunik und Kutti MC gibt es nicht mehr», sagt Pamela Méndez, «und ich war nie eine Singer-Songwriterin, auch wenn ich als das verkauft wurde.» Sie setzt sich an diesem warmen Herbsttag in ein Berner Café, «lieber drinnen, ich darf mich nicht erkälten». Sie muss die Stimme schonen. Die Taufe ihrer EP steht an, vier Songs, auf die Fans fast sechs Jahre lang warten mussten.

Technikkurse und Labelsuche

Vielleicht werden sie enttäuscht sein. Die 29-Jährige klingt nicht mehr gleich wie die 23-Jährige. Ihre Stimme ist noch da, warm, tief, einnehmend und zuweilen trotzig, doch statt von der akustischen Gitarre wird sie von sphärischem Syntipop begleitet, von einem melancholischen Piano. Die Songs haben Tiefe. Gerade das als Single ausgekoppelte «World of Nothing» entwickelt einen Sog, dem man sich fast nicht entziehen kann. Vergleiche sind schwer, am ehesten fühlt man sich vielleicht an Tori Amos erinnert.

Als Pamela Méndez die geschriebenen Songs vor drei Jahren ihrem Produzenten Luk Zimmermann vorspielte, fand der, sie passten nicht auf sein Label. Pamela Méndez widersprach nicht. Doch sie fand: «Für mich stimmen die Songs genau so.» Als logische Konsequenz ging sie ihren eigenen Weg, machte von A bis Z alles selbst, musste vieles erst lernen. Zum Beispiel die Technik.

Sie brachte sich bei, Songs selbst aufzunehmen, kniete sich ins Programmieren und merkte, dass Frauen in diesem Bereich ein Manko haben. Sie brachte die Idee von Technikkursen für Musikerinnen bei Helvetiarockt ein, der Koordinationsstelle für Musikerinnen. Dort war man begeistert. Méndez baute ein Kursprogramm auf, das seit über zwei Jahren erfolgreich läuft. Auch das brauchte Zeit.

Neu für Méndez war die Selbstvermarktung. «Beim ersten Album war ich Antikapitalistin, das Wort ‹Business› durfte man in meinem Beisein gar nicht in den Mund nehmen», sagt sie. Nun war sie dazu gezwungen, ihre Musik zu verkaufen. Und nicht nur das: Weil die Aufnahmen teurer kamen als geplant, musste sie ein Crowdfunding machen.

Es sei ihr schwergefallen, auf die Leute zuzugehen und um Geld zu fragen. Im Nachhinein finde sie aber, sie sei daran gewachsen. Dann die Labelsuche, unzählige Male hörte sie dasselbe: «Hey, deine Musik gefällt uns, aber sie lässt sich nicht verkaufen.» Als sie endlich ein Label in Hamburg gefunden hatte, stellte sich dieses als Mogelpackung heraus. Wieder war wertvolle Zeit verstrichen. Und irgendwann kam es nicht mehr darauf an, ob das Album ein halbes Jahr früher oder später erscheinen würde.

Eine breite Nische besetzen

Nächsten Frühling wird es so weit sein, falls nichts mehr dazwischenkommt. Sie hofft, das Album gleichzeitig auch in England und Deutschland lan­cieren zu können. «So könnte es funktionieren», sagt Méndez, «wenn ich mit meiner Musik international eine breite Nische besetze.» Sie überlegt kurz, dann sagt sie: «Ich gebe dieses Album raus, weil ich es gut finde.» Jetzt wirkt sie fast trotzig.

«Ich wurde erwachsen. Während ich früher über meine privaten Liebesdramen gesungen hatte, will ich jetzt über die Gesellschaft singen. Doch dazu musste ich erst mehr wissen. Mein erstes Album war wie ein Lehrjahr, jetzt bin ich da, wo ich sein will.»

Pamela Méndez: «World of Nothing», EP. Taufe: Freitag, 21 Uhr, Dampfzentrale, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 09:27 Uhr

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