Zum Hauptinhalt springen

Kühne Klänge aus der Abgeschiedenheit

«Favorite Storm», das zweite Album des Duos From Kid, entstand in einem winzigen Dorf in den Bündner Bergen. Umso grösser sind die Glücksmomente, welche die vielschichtigen Songs den Zuhörern bescheren.

Lohn, ein Dörfchen auf einer Terrasse am Osthang des Piz Beverin in Graubünden. 1585 Meter über Meer, gut 40 Einwohner, eine Kirche mit zwei Türmen als Kuriosum. So unspektakulär können Orte sein, aus denen kleine Wunderdinge kommen. Andere Musiker reisen um die Welt, lassen sich von vibrierenden Metropolen inspirieren – Andrin Berchtold und Gian Reto Camenisch alias From Kid zogen sich in die Abgeschiedenheit zurück.

In diesem Rahmen entstanden wichtige Teile des neuen Albums des Duos, fernab vom Trubel, den es um das 2015 veröffentlichte Debüt durchaus gab. «You Can Have All the Wonders» landete in den Top Ten der Schweizer Hitparade, From Kid waren als «Best Breaking Act» für den Swiss Music Award nominiert, gelten seither als eine der helvetischen Pophoffnungen.

Roboter oder Affen?

Anstelle des roten Teppichs gabs nun also ein Holzhäuschen im Grünen, ein munteres Feuer im Cheminée, den Klang von Kuhglocken als Natursoundtrack. Andrin Berchtold sagt: «Wir haben uns versteckt, um intensiv an neuen Songs zu arbeiten.» In diesen spielt die Natur zwar immer wieder eine tragende Rolle – «New Gods» etwa ist aus der Sicht des geschundenen Planeten Erde geschrieben.

Doch Berchtold und Camenisch sind keine weltabgewandten Lagerfeuerschrummler. Lieber verbinden sie wie auf dem Erstling analoge Instrumentierung mit elektronischen Elementen – oder anders ausgedrückt: Natur mit Technik. «Are we monkeys, are we robots?», fragen From Kid in «Electrical Hopes». Ihre eigene Antwort lautet: Wohl irgendwas dazwischen.

Die beiden Bündner zeichnen mit ihrem zweistimmigen, melancholisch-harmonischen Gesang und den unaufdringlich-verspielten Liedern mal tröstliche, mal düstere Nachtstimmungen, die sofort in den Bann ziehen. «Talk to Trees» ist still und feingliedrig, «Walk in Company» fügt quirlige perkussive Elemente bei, in «Monster» springen bald Piepstöne wie Pingpongbälle herum, bald bleiben nur die beiden Stimmen, bald wird der Sound heftiger, intensiver. Und kühner als auf dem Debüt.

Leidenschaft und Lohn

Dieser «Favorite Storm» ist kein Orkan, dafür sind die Lieder zu subtil, zu filigran. Aber er ist in seiner berührenden Erhabenheit und mit seinen mitunter markanten elektronischen Akzenten auch kein laues Lüftchen. So mancher Sturm hinterlässt weitherum Zerstörung. Dieser hier bringt pures Glück. Es ist der Lohn der leidenschaftlichen Arbeit in Lohn.

From Kid: «Favorite Storm», Sonic Service / Sony.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch