Lieder kennen keine Grenzen

Schlagerette

Dagobert ist der Schlagersänger der Hipster – aber ist er auch der Popsänger der Schlagerfreunde?

«Schlager mit Anspruch»: Dagobert über seine Musik.

«Schlager mit Anspruch»: Dagobert über seine Musik.

(Bild: zvg)

Ist das denn die Möglichkeit? Sprengen wir in unserer neunten Schlagerette-Folge bereits die Grenzen eines Universums, von dem wir dachten, es sei ein endloses? Zur Erinnerung: Vor ein paar Wochen ernüchterte uns Calimeros-Frontmann Roland Eberhart mit der Aussage, es kämen ihm spontan zwei Berner Schlagersängerinnen in den Sinn, die das Zeug zum Star hätten und nicht Francine Jordi heissen würden. Zwo. Seither bin ich an unzähligen Schlagerfestplakaten vorbeigegangen. Immer waren neben Jordi die gleichen zwei bis drei Köpfe drauf: Hansi Hinterseer, Beatrice Egli und vielleicht noch Linda Fäh.

Gerade als ich dachte, wir würden uns mit dieser Kolumne immerdar im Kreis drehen, las ich die News von Dagobert. Dem in Berlin lebenden Aargauer, dem selbsternannten «Schnulzensänger aus den Bergen», der am Freitag sein drittes Album «Welt ohne Zeit» veröffentlicht. Das sind zehn Songs über zehn selbst erlebte Beziehungen, wie im Pressetext zu lesen ist.

Ein Thema, jubelte ich. Inzwischen bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob für hier. Denn natürlich singt Dagobert über die Liebe, in schönen Worten und einfachen Sätzen, wie es im Schlager Usus ist. Auch ist der Synthesizer bei Titeln wie «In all unseren Leben» oder «Welt ohne Geist» ganz klar auf den Schunkelklang dieses Genres eingestellt. Doch etwas ist verkehrt.

Bei Dagobert ist es nicht so wie bei Helene Fischer und Co., dass wie verrückt Pop unter den Schlager gemischt wird. Vielmehr mischt der 37-Jährige den Pop mit Schlager auf – «Schlager mit Anspruch» nennt er seinen Stil. So wird er dann auch am Schweizer Popmusikfestival M4Music gebucht und nicht etwa für die Stadlnacht in Freiburg. Dagobert ist der Schlagersänger der Hipster – aber ist er auch der Popsänger der Schlagerfreunde? «In diese Szene passe ich ungefähr so gut rein wie ein Polarbär in die Wüste», sagt er. Es sei aber sonnenklar, dass er an jeder Art von Schlagerfestival spielen würde. «Denn die Liebe, über die ich singe, brauchen alle.»


Dagoberts Album «Welt ohne Zeit» erscheint diesen Freitag. Auftritte u. a. 16.3., M4Music, Zürich.

Berner Zeitung

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