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Marc Amacher noch einmal auf der kleinen Bühne

Bald kommt Marc Amachers neues Album «Roadhouse» heraus. Bevor es im Mai dann auf Tournee geht, war er im Könizer Kulturhof zu erleben. Gemeinsam mit Philipp Gerber, einem Solothurner Blues-Urgestein. Ungestüm war es.

«Amacher meets Gerber» heisst das Format, in dem Marc Amacher (r.) und Philipp Gerber sich einfach auf die Bühne setzen und dem Blues frönen.
«Amacher meets Gerber» heisst das Format, in dem Marc Amacher (r.) und Philipp Gerber sich einfach auf die Bühne setzen und dem Blues frönen.
Martin Burkhalter

Das kratzende, laute Lachen ist schon unten beim Kreisel zu hören. Dort, wo der 10er-Bus an der Station Köniz Schloss hält und der schmale Weg hinauf zum Kulturhof führt. Oben vor dem Konzertlokal steht Marc Amacher, mit Hut und rot-schwarz kariertem Hemd, scharrt im Kies, raucht Zigarette um Zigarette, klopft Sprüche und lacht eben sein kehliges Lachen.

Auch Philipp Gerber, ein Hüne mit bauchnabellangem Bart zum offenen Hemd, wirkt amüsiert, ist aber deutlich aufgeräumter und ruhiger. Das wird sich durchziehen. Hier der ungestüme Amacher, dort der Fels in der Brandung – Gerber.

«Amacher meets Gerber» nennt sich denn auch dieser Konzertabend. Auf dem Flyer gehen die beiden mit Gitarren aufeinander los. Eine Setlist gibt es offenbar nicht. Die zwei bärtigen Vollblut-Blueser setzen sich einfach hin und spielen drauflos.Vielversprechend das Ganze.

Philipp Gerber, ein Solothurner Blues-Urgestein, und Amacher kennen sich eigentlich schon lange vom Sehen, hatten sich in der Szene ständig gekreuzt, aber nie miteinander gesprochen, bis sie es dann eben doch taten. Inzwischen spielt Gerber in Amachers Band mit. Es ist eine gute Gelegenheit, die beiden noch im familiären Rahmen zu treffen. Weil, nachher geht es auf Tournee.

Am 18.4 erscheint Amachers neue Platte. Sie heisst «Roadhouse» und wurde innert zwei Tagen in einer quasi Live-Session in einem ehemaligen Brienzer Gasthof aufgenommen. 13 Songs sind drauf. Die Hälfte war schon auf dem letzten, «ersten richtigen» Album «8 Days» zu hören. Der Grund ist der: Damals, nach dem Hype um seine «Voice of Germany»-Finalteilnahme, musste plötzlich alles massentauglicher daherkommen, die Songs fürs Radio passen. Das gefiel dem eigensinnigen Oberländer gar nicht, und er überwarf sich mit dem Manager.

Video mit dem Song «Open Window» vom neuen Album Roadhouse. Video: Youtube/Marc Amacher official

So ist «Roadhouse» also nichts ganz Neues. Und auch nicht alle Lieder sind jetzt qualitativ besser. Bei manchen ist Amachers Stimme zu tief in der Musik eingebettet. Dafür sind die Songs ausschweifender, roher und nicht so hochglanzpoliert.

Das passt deutlich besser zum 35-Jährigen mit dem Herz auf der Zunge. Und wohl nur so konnten die zwei Höhepunkte der Platte, «Smokestack Lightning» und «Grandma», überhaupt erst gedeihen. Zwei Songs, zweimal Amacher pur.

Übrigens ist er schon jetzt wieder ein gefragter Mann. Wie zu erfahren ist, prasseln die Anfragen nur so rein. Aus Deutschland vor allem, Frankreich und Italien. Deshalb wird Marc Amacher im Bernbiet vorläufig nicht anzutreffen sein. Erst im September in der Mühle Hunziken wieder.

Zum Glück also, jetzt, ein intimes Konzert im Dachstock des Kulturhofs in Köniz, 80 Leute, Kaffee aus einer Juramaschine, Bärner-Müntschi-Bier, Zweifelchips und Kägi-Fret. Da die Abende ja per Definition keinen festen Ablauf haben sollten, wird auf der Bühne erst einmal ein bisschen geplaudert, bis man «ignuschet» ist. Amacher hat einen ganzen Schrank voll Gitarren mitgebracht. Vom Schiff aus sind sieben verschiedene zu sehen. Auch Gerber hat fünf in Griffweite.

Es geht gleich richtig gut los. Ein deftiger, rumpelnder Blues, dann schon ein Höhepunkt. «It Hurts Me Too». Richtig schön kehlig gesungen von Philipp Gerber, kommt der Blues-Klassiker richtig sehnsüchtig daher. Sowieso sind Gerbers Songs an diesem Abend ein Vergnügen, tief, sehr geduldig, mit viel Raum, den richtigen Pausen und Zeit für Seufzer.

Und Amacher ist, wie er ist. Diese träfen Sprüche, das ungestüme, manchmal unreife Gebaren zwischen den Songs, und dann diese Verwandlung, wenn er die Gitarre zur Hand nimmt. Was ist das nur, das da aus ihm heraussingt? Als wohnte eine alte Blues-Seele in dem jungen Mann.

An diesem Abend aber ist er zu oft vorauseilend und ungeduldig. Er probiert viel aus, improvisiert wild und gerät dabei immer mal wieder aus dem Rhythmus. Gerber hat Mühe, ihm zu folgen. Das geht manchmal schief, manchmal macht es Spass.

Etwa bei den Rock’n’Roll-Stücken wie «Tutti Frutti» von Little Richard und nach anfänglichen Schwierigkeiten auch «Johnny B. Goode» von Chuck Berry. Richtig gut ist das Konzert, wenn es nicht zu virtuos ist, wenn Gerber die Zügel in den Händen behält – wenn der Blues seinen Raum bekommt.

Und dann schiesst Amacher doch noch den Vogel ab. Die letzte Zugabe ist ein Mundart-Stück aus seiner Feder: «Amsel, Fink, Spatz und Star» heisst es und ist grossartig. Poetisch, amüsant, zart, ein richtiges Troubadour-Stück. Läck Bobby!

Marc Amacher - das neue Album «Roadhouse» erscheint am 18.04.19 (Vertrieb Sound Service)

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