Medizinischer Notfall bei Skunk Anansie Konzert im Bierhübeli

Zornig, mit Haltung: Die britische Band Skunk Anansie sorgte im ausverkauften Bierhübeli für Glückseligkeit. Trotz eines medizinischen Notfalls.

Skunk Anansie feiert am Mittwoch im Bierhübeli das 25-Jahr-Jubiläum.

Skunk Anansie feiert am Mittwoch im Bierhübeli das 25-Jahr-Jubiläum.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Sie waren gekommen, um 25 Jahre Bandgeschichte zu feiern – aber am Ende feierten sie noch viel mehr als das. Doch beginnen wir von vorn. Die englische Rockband Skunk Anansie ist am Mittwochabend ins Bierhübeli geladen. Es ist drückend heiss, man trinkt Bier, schwitzt, trinkt mehr Bier.

Und wartet auf sie, die «schwarze, glatzköpfige, bisexuelle Amazone», wie sie sich selbst bezeichnet. Deborah Anne Dyer alias Skin kommt schliesslich auf die Bühne, begleitet von ihren männlichen Kollegen, kühlem Licht- und wildem Soundgewitter. Sie trägt eine goldene Maske und eine futuristische Metallicjacke. Die 52-Jährige legt los, zornig, laut, unnahbar.

Die Haltung

Die ersten Songs spult sie ab, ohne wirklich mit dem Publikum zu interagieren, zwischen den Liedern sagt sie nichts. Dann, plötzlich, scheint sie angekommen, legt Maske und Jacke ab und sagt: «Es ist fucking heiss hier drin, oder liegt es an mir?» Sie lacht. Und wirkt jetzt gar nicht mehr unnahbar. Skin begrüsst ihre Berner Fans, von denen die meisten auch nicht mehr ganz jung sind. Es sind Fans, die den Aufstieg der Band miterlebt haben, damals in den Neunzigern, als Britpop der letzte Schrei war und Skunk Anansie so gar nicht dazu passen wollten.

Die Band ging von Anfang an eigene Wege, mit harten Beats, hymnischen Melodien und Texten, die sich gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit wenden, die oft politisch sind. Vorgetragen von einer glatzköpfigen Frontfrau, die Haltung zeigt und diese auch von ihren Fans fordert. So auch an diesem Mittwochabend in Bern. «Leute, wenn euch Sexismus oder Rassismus begegnen: Handelt!», ruft sie in die feuchtheisse Luft.

In rund einer Stunde spielen Skunk Anansie, die Anfang des Jahres ihr erstes Livealbum überhaupt veröffentlicht haben, ein paar neue und viele ihrer alten Hits, darunter «Because of You», «Brazen» und «Yes it's fucking political». Skin sorgt dabei für Abwechslung, tigert über die Bühne, greift mal zur Gitarre oder zum Theremin: ein in den 1920er-Jahren erfundenes elektronisches Instrument, das ohne Berührungen gespielt wird. Doch im Zentrum bleibt stets ihre Stimme, so warm und wütend, so dunkel und auch kreischend hell.

Die Hitze

Das Publikum schwelgt, schwitzt, singt und klatscht, und die Band, die selbst ein bisschen zu schwelgen scheint, hätte wohl noch ein paar Songs mehr gespielt, wäre Schlagzeuger Mark Richardson nicht plötzlich zusammengebrochen. Mehrere Crewmitglieder mussten ihn von der Bühne tragen. Nach bangen Minuten die Erleichterung: Die Hitze sei es gewesen, so Bassist Richard Keith Lewis alias Cass. Es gehe Mark Richardson wieder besser, und er werde nochmals auf die Bühne kommen, um einen letzten Song (es wurden dann sogar zwei) zu spielen.

Video: Leserreporter

So findet sich am Ende des Konzertes die ganze Band vorne am Bühnenrand ein. Richardson wird ein Stuhl gebracht und ein nasses Tuch, das er sich auf den Nacken legt. Kollege Cass weicht ihm nicht mehr von der Seite. Begleitet nur von Gitarre und Rassel, singen alle zusammen den Song, der in diesem Best-of-Konzert nicht fehlen darf: «Hedonism» von 1996. Den Text soll Skin um 4 Uhr morgens geschrieben haben, einige Stunden, nachdem sie mit jemandem Schluss gemacht hatte.

Das Stück ist wütend, traurig, voller Bitterkeit. Doch in diesem besonderen Moment, an diesem schwülheissen Abend im Bierhübeli, schwingt in der notgeborenen Akustikversion auch ein bisschen Versöhnung mit. «I hope you're feeling happy now», singt die «schwarze Amazone». Und, oh ja: Wir sind glücklich.

Berner Zeitung

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