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Mit Strassenkunst quer durch Europa

Sie kommen aus ganz Europa und verwandeln ab heute Berns Gassen in Bühnen: Vier erfahrene Buskers erzählen, wie es ist, ständig unterwegs zu sein, und warum es in St.Petersburg oder Biel auch mal gefährlich werden kann.

Christoph Hess und Monsignore Dies sind zwei Tausendsassas aus der lokalen Kunst- und Musikszene. Wenn sie unterwegs sind, schieben sie einen Kinderwagen vor sich her. Christoph Hess: «Wir haben alles in unseren Kinderwagen installiert. Plattenspieler, Kassettengerät, Kabel. Das ergibt ein lustiges Bild, wenn zwei bärtige Herren je einen Kinderwagen durch die Strassen steuern. Erst lächeln die Passanten, doch wenn sie sehen, was drin ist, hört das Lächeln auf. Mit den Kinderwagen sind wir schnell und flexibel, wir können überall hin und gleich zu spielen beginnen.»Monsignore Dies: «Letztes Jahr sind wir in Biel an der ‹Fête de la musique› aufgetreten. Das hat offenbar einem Herrn nicht gepasst, der lieber Cuba libre trinken wollte. Er hat uns attackiert. Wir hätten fast eins auf die Nase gekriegt. Dabei waren wir offiziell gebucht. In Biel ist die Situation bezüglich Strassenmusik sowieso nicht berauschend. Seit der Expo sind Strassenmusiker nicht mehr richtig geduldet, man muss jetzt erst bei der Polizei vorspielen gehen, bevor man sich offiziell hinstellen darf. Das war vor über 20 Jahren, als ich mit Strassenmusik angefangen habe, noch anders: Damals sind auch richtig gute Bands aufgetreten, und man konnte sich so seinen Lebensunterhalt verdienen. Das ist heute schwieriger.»
Christoph Hess und Monsignore Dies sind zwei Tausendsassas aus der lokalen Kunst- und Musikszene. Wenn sie unterwegs sind, schieben sie einen Kinderwagen vor sich her. Christoph Hess: «Wir haben alles in unseren Kinderwagen installiert. Plattenspieler, Kassettengerät, Kabel. Das ergibt ein lustiges Bild, wenn zwei bärtige Herren je einen Kinderwagen durch die Strassen steuern. Erst lächeln die Passanten, doch wenn sie sehen, was drin ist, hört das Lächeln auf. Mit den Kinderwagen sind wir schnell und flexibel, wir können überall hin und gleich zu spielen beginnen.»Monsignore Dies: «Letztes Jahr sind wir in Biel an der ‹Fête de la musique› aufgetreten. Das hat offenbar einem Herrn nicht gepasst, der lieber Cuba libre trinken wollte. Er hat uns attackiert. Wir hätten fast eins auf die Nase gekriegt. Dabei waren wir offiziell gebucht. In Biel ist die Situation bezüglich Strassenmusik sowieso nicht berauschend. Seit der Expo sind Strassenmusiker nicht mehr richtig geduldet, man muss jetzt erst bei der Polizei vorspielen gehen, bevor man sich offiziell hinstellen darf. Das war vor über 20 Jahren, als ich mit Strassenmusik angefangen habe, noch anders: Damals sind auch richtig gute Bands aufgetreten, und man konnte sich so seinen Lebensunterhalt verdienen. Das ist heute schwieriger.»
zvg
Früher spielten die 3 Daft Monkeys auf der Strasse. Jetzt ist die Gipsy-Folk-Band bekannt und etabliert. Bandmitglied Tim Ashton trauert dem alten Leben aber nach. Tim Ashton: «Früher lebten wir in einem alten Bus, fuhren von Spanien bis Ostdeutschland, spielten  auf der Strasse oder an kleinen Festivals. Dort blieben wir manchmal für eine Woche, hörten anderen Bands zu, lernten Leute kennen, wurden zu ihnen nach Hause eingeladen, das war inspirierend.  Wir wollten einfach so viel wie möglich sehen und erleben. Und das hat dann auch unsere Musik beeinflusst.Jetzt sind wir bekannter geworden. Wir werden für gut bezahlte Konzerte gebucht, letztes Jahr haben wir an 48 Festivals gespielt. Natürlich, das ist toll, aber wir haben weniger Zeit für diese kleinen Abenteuer unterwegs. Einen Bus haben wir noch, wenn auch einen kleineren als früher. Natürlich fahren wir im Bus nach Bern. Er ist voller Stofftiere. Plüschaffen, die wir von Fans geschenkt kriegen – wegen unseres Bandnamens. Die Affen sind immer dabei, sie haben alle einen Namen und repräsentieren ein Bandmitglied oder jemanden von unseren Freunden.Unterwegs vermisse ich meine Mutter. Wirklich! Sie wird jetzt langsam alt, und man weiss nicht, wie viel Zeit einem noch zusammen bleibt. Und meine Freunde vermisse ich natürlich auch. Aber das lässt sich ja alles nachholen: Im Winter läuft sehr wenig. Dann sitzen wir zu Hause in Cornwall am Feuer, trinken Wein und plaudern.»
Früher spielten die 3 Daft Monkeys auf der Strasse. Jetzt ist die Gipsy-Folk-Band bekannt und etabliert. Bandmitglied Tim Ashton trauert dem alten Leben aber nach. Tim Ashton: «Früher lebten wir in einem alten Bus, fuhren von Spanien bis Ostdeutschland, spielten auf der Strasse oder an kleinen Festivals. Dort blieben wir manchmal für eine Woche, hörten anderen Bands zu, lernten Leute kennen, wurden zu ihnen nach Hause eingeladen, das war inspirierend. Wir wollten einfach so viel wie möglich sehen und erleben. Und das hat dann auch unsere Musik beeinflusst.Jetzt sind wir bekannter geworden. Wir werden für gut bezahlte Konzerte gebucht, letztes Jahr haben wir an 48 Festivals gespielt. Natürlich, das ist toll, aber wir haben weniger Zeit für diese kleinen Abenteuer unterwegs. Einen Bus haben wir noch, wenn auch einen kleineren als früher. Natürlich fahren wir im Bus nach Bern. Er ist voller Stofftiere. Plüschaffen, die wir von Fans geschenkt kriegen – wegen unseres Bandnamens. Die Affen sind immer dabei, sie haben alle einen Namen und repräsentieren ein Bandmitglied oder jemanden von unseren Freunden.Unterwegs vermisse ich meine Mutter. Wirklich! Sie wird jetzt langsam alt, und man weiss nicht, wie viel Zeit einem noch zusammen bleibt. Und meine Freunde vermisse ich natürlich auch. Aber das lässt sich ja alles nachholen: Im Winter läuft sehr wenig. Dann sitzen wir zu Hause in Cornwall am Feuer, trinken Wein und plaudern.»
zvg
Seit drei Jahren ziehen Oren Schreiber und Loïse Haenni  jeden Sommer mit ihrem Artistiktheater durch Europa. Ein Zuhause gebe es nicht mehr, sagt Loïse Haenni.Loïse Haenni: «Natürlich, als Fantasie ist das wunderbar. Sich vorzustellen, fix an einem Ort zu wohnen, ein stabiles Leben zu führen. Aber das geht nicht. Sowieso, wenn wir länger als drei Monate  am Stück in einer Stadt sind, halten wir es nicht mehr aus. Dann haben wir das Gefühl, dass wir dringend einen Wechsel brauchen. Darum passt dieses Leben als Buskers auch so gut zu uns.Wir sind jetzt das dritte Jahr unterwegs. Wir fahren quer durch Europa und treten an Festivals auf.  Wir machen alles selbst: Wir organisieren unsere Tour, warten das Material, stellen vor Ort auf, zeigen unsere Show, räumen zusammen, fahren den Tourbus. Unser Bus ist sehr gross, wir können auch darin  schlafen. Das ist ganz praktisch, so können wir auch mal an einer Autobahnraststätte haltmachen. Normalerweise touren  wir für vier Monate. Da verdienen wir all das Geld, von dem wir das restliche Jahr leben. Den Winter verbringen wir in der Nähe von Turin, wo wir in einem Zirkuszentrum wohnen und Artistikkurse besuchen. Ja, am ehesten ist dort so etwas wie unser Zuhause. Ein Ort, wo wir Freunde haben und uns eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Mehr brauchen wir nicht. Oder höchstens noch das Internet – um auch mit der Familie in Kontakt zu bleiben.»
Seit drei Jahren ziehen Oren Schreiber und Loïse Haenni jeden Sommer mit ihrem Artistiktheater durch Europa. Ein Zuhause gebe es nicht mehr, sagt Loïse Haenni.Loïse Haenni: «Natürlich, als Fantasie ist das wunderbar. Sich vorzustellen, fix an einem Ort zu wohnen, ein stabiles Leben zu führen. Aber das geht nicht. Sowieso, wenn wir länger als drei Monate am Stück in einer Stadt sind, halten wir es nicht mehr aus. Dann haben wir das Gefühl, dass wir dringend einen Wechsel brauchen. Darum passt dieses Leben als Buskers auch so gut zu uns.Wir sind jetzt das dritte Jahr unterwegs. Wir fahren quer durch Europa und treten an Festivals auf. Wir machen alles selbst: Wir organisieren unsere Tour, warten das Material, stellen vor Ort auf, zeigen unsere Show, räumen zusammen, fahren den Tourbus. Unser Bus ist sehr gross, wir können auch darin schlafen. Das ist ganz praktisch, so können wir auch mal an einer Autobahnraststätte haltmachen. Normalerweise touren wir für vier Monate. Da verdienen wir all das Geld, von dem wir das restliche Jahr leben. Den Winter verbringen wir in der Nähe von Turin, wo wir in einem Zirkuszentrum wohnen und Artistikkurse besuchen. Ja, am ehesten ist dort so etwas wie unser Zuhause. Ein Ort, wo wir Freunde haben und uns eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Mehr brauchen wir nicht. Oder höchstens noch das Internet – um auch mit der Familie in Kontakt zu bleiben.»
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