Moulin Orange

Die Luegarena im Kaltacker bei Burgdorf ist von den Franzosen besetzt. Für die Musicalgala «Mühli Lueg» im Emmental entern wahre Weltmeister die Bühne.

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Leise prasselt der Regen ans Zelt der Erlebnisbühne. «Liebe, um zu leben», sagt die Stimme aus dem Off. Die Protagonisten bringen sich in mittelalterlichen Kostümen in Stellung, und die ersten Takte einer Ouvertüre wummern durch die gut besuchte Stätte, die Platz für rund 700 Leute bietet.

Ein Blick ins Programmheft bringt Aufklärung: Es ertönt das Intro aus «Notre Dame de Paris». Bereits der erste Song «Le temps des cathédrales» sorgt für Gänsehaut, und die passt gut zur frischen Höhenluft. Das 13-köpfige Ensemble aus Paris, darunter 6 Solisten und 7 Tänzer­innen und Tänzer, heizen dem Publikum ein.

Bereits im ersten Querschnitt des französischen Glöckner-Erfolgs wird klar: In dieser «Moulin Rouge»-Adaption sind Profis mit Leidenschaft am Werk. Auf eine sehnsüchtig intonierte Melodie folgt eine Balletteinlage, und die wird kurz darauf von einer jazzigen Ballade ergänzt.

Die Musicaldarsteller liefern eine emotionale und erotische Show und versprühen ihren Charme à la françai­se. Die meisten Kompositionen dürften nur eingefleischten Fans bekannt sein, aber die Melancholie, die sie transportieren, lässt einen schmachten.

Vokales Wetterleuchten

Regiemeister Johan Nus gestaltet einen lockeren und lebendigen Erzählfluss. Requisiten kommen spärlich zum Einsatz, mal sind es verschieden grosse Quader, auf denen das spiellustige Ensemble in bester Manier herumturnt, mal durchgehbare Spiegelrahmen oder Chaiselongues, die für sexy Posen in Strapsen und Leder genutzt werden.

Die aufwendigen Kostümkreationen von Denis Evrard scheinen direkt aus dem Fundus des legendären Moulin Rouge entnommen. Die Pariser Truppe wechselt sie in Windeseile und manchmal kokett auf der Bühne. Wie es sich für eine Va­riététheater-Show gehört, fehlt auch nackte Haut nicht.

Mit «Mühli Lueg» präsentiert das Kreativteam um Thuner­seespiele-Mitbegründer Markus Müller nach «Die Andrew-Lloyd-Webber-Gala» die zweite grosse Musicalkiste. Im Gegensatz zur Vorläuferproduktion von 2017 verzichtet man auf die Gastauftritte prominenter Schweizer Künstler. Zum eigens produzierten Sound ab Band, der die Zeltplanen zum Vibrieren bringt, bringen drei Livemusiker am Piano, an der Violine und am Cello die nötigen Feinheiten ins Spiel.

Die Präsentation der einzelnen Musicals und Nummern daraus ist klug aufgeteilt. Im ersten der zwei Akte dominieren französische Hits wie das futuristische «Starmania» sowie das Drama «Roméo et Juliette» und das Epos «Les Misérables». Nach der ­Pause gehts lasziv weiter im schummrigen Boudoir mit Versionen der Hitparadenstürmer «Lady Marmelade» und «Roxanne», die 2001 für den Film «Moulin Rouge» mit Nicole Kidman neu arrangiert wurden.

«Mühli Lueg»: Luegarena, Kaltacker, bis Freitag, 31. August. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 09:01 Uhr

Haut, Lack und Leder: Szene aus «Mühli Lueg». (Bild: PD)

Mühli statt Moulin

Drei Wochen vor der Premiere mussten die Musicalmacher ihre Gala von «Moulin Rouge» in «Mühli Lueg» umbenennen. Ein Schreiben vom Variété in Paris, unterzeichnet von diversen Anwälten, sah eine Verletzung des Markenschutzrechtes. Der Kontakt war dezidiert, aber freundlich. Gut möglich, dass dahinter Rechteinhaber aus Hollywood stecken: 2001 wurde eine teure Lizenz für den Film «Moulin Rouge» in die Traumfabrik verkauft.

Immerhin: Die Lueg konnte bestehende Plakate mit dem ­alten Titel stehen lassen. Aus dem «roten» Moulin wurde eine «orange» Mühli. pw

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