Musik-Tausendsassa und Komödiant Ingo Insterburg ist tot

Er erreichte bereits Kultstatus, als es den Begriff Stand-up-Comedy auf Deutsch noch nicht gab. Am vergangenen Samstag erlag «Guitar Ingo» einem Krebsleiden.

Ingo Insterburg (im Bild in seiner Stube in Berlin, 2010) war sein Künstlername, der von seiner Geburtsstadt hergeleitet war. Eigentlich hiess er Ingo Wetzker.

Ingo Insterburg (im Bild in seiner Stube in Berlin, 2010) war sein Künstlername, der von seiner Geburtsstadt hergeleitet war. Eigentlich hiess er Ingo Wetzker.

(Bild: Keystone DPA/Jens Kalaene)

Der Liedermacher und Sänger Ingo Insterburg («Ich liebte ein Mädchen») ist tot. Er starb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren, wie sein langjähriger Musik-Manager Frank Nietsch am Montag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Nietsch hat den Musiker nach eigenen Angaben bis zu dessen Tod am vergangenen Samstag in einem Berliner Hospiz begleitet. Er habe Insterburg im Sommer 1990 kennengelernt und sei seitdem an seiner Seite gewesen.

Der Liedermacher hatte Ende der 1960er gemeinsam mit Comedian Karl Dall, dem Schauspieler Jürgen Barz und dem Autor Peter Ehlebracht die Band Insterburg & Co gegründet. Zu einem Zeitpunkt, zu dem es den Begriff Stand-up-Comedy in Deutschland noch nicht gab, erlangte die Band Kultstatus mit einem neuen Typ von Unterhaltung: Blödel-Musik und Parodien für den einfachen Humor. Damit war sie Vorbild für Künstler wie Otto und Mike Krüger.

«Ich liebte ein Mädchen...»: Insterburgs Lied singt über seine Liebesversuche in verschiedenen Stadtteilen Berlins, in deutschen Städten, dann in den Staaten und Ländern der Erde, bis diese ihn letztlich ins All und auf den Mars führen. Video:Youtube

Bekanntestes Lied der Band war das von Insterburg vorgetragene «Ich liebte ein Mädchen aus...». Noch heute parodieren unzählige Fans den Endlosreim in Youtube-Videos. Oft werde der Name Insterburg auch mit dem Hit «Kreuzberger Nächte» in Verbindung gebracht, so Nietsch. «Das ist aber ein grosser Irrtum.» Der Ohrwurm stammt vielmehr von den Gebrüdern Blattschuss.

«Blödelbarde» oder «Musik-Komödiant»?

Gelegentlich wurden Insterburg & Co als «Blödelbarden» bezeichnet. Ingo habe damit nicht so viel anfangen können. Er habe sich eher als «Musik-Komödiant» gesehen und von «Blödeleien mit Musik» gesprochen, berichtete sein langjähriger Manager.

Mehr als 55 Jahre stand Insterburg auf der Bühne. In seiner WG in der Uhlandstrasse im alten Berliner Westen lebte er Zimmer an Zimmer mit dem inzwischen gestorbenen Schauspieler Klaus Kinski. Dessen Brechtballaden begleitete er musikalisch als «Guitar-Ingo», wie Kinski ihn auf der Bühne ankündigte.

Guitar Ingo und Klaus Kinski. Bild: http://www.ingo-insterburg.com/kinski.html

Ein «Musik-Tausendsassa» sei Insterburg gewesen, so Nietsch voller Bewunderung. Unter anderen habe er Gitarre, Geige, Querflöte und Saxofon beherrscht - manche gleichzeitig. Zudem baute er skurrile Instrumente: Eine Flöte aus einer Bürste, ein Saxofon aus einem Abwasser-Schlauch und ein Banjo aus einem Eimer.

«Alles, was man zum Klingen bringen kann, das mach ich», habe er gesagt. Das habe ihm viel Bewunderung in seiner Branche eingebracht, so sein Manager. Vor allem sei Insterburg aber eines gewesen: «Ein hart arbeitender Mensch mit einem unglaublichen Musikgespür.»

nag/sda

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