Musikalische «Teatime»

Zum ­Saisonbeschluss entführte die Freitagsakademie ihr Publikum in einen englischen ­Salon. Die Sängerin Nuria Rial war ihr prominenter Gast.

Nuria Rial entfaltete die ganze ­Palette ihrer stimmlichen Farben.

Nuria Rial entfaltete die ganze ­Palette ihrer stimmlichen Farben.

(Bild: Markus Hubacher)

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war London ein Schmelztiegel verschiedener Musikkulturen: Englische Semi-Opera, italienische Opera seria, Oratorium und Instrumentalmusik buhlten um Geld und Gunst des sich formierenden Bürgertums. Dieser Vielstimmigkeit spürte die Berner Freitagsakademie bei ihrem letzten Saisonkonzert nach und stellte mit Georg Friedrich Händel die prägende Gestalt des Londoner Musik­lebens jener Zeit ins Zentrum.

Dabei bewies das Ensemble, wie Händel selber, neben musikalischem Geschick auch einen tüchtigen Geschäftssinn. Denn dank der Verpflichtung der Sopra­nistin Nuria Rial füllte sich der Grosse Saal des Berner Konservatoriums zur angekündigten «Tea­time» in konzertwürdiger Anzahl.

Solistische Zwiegespräche

Das stimmig arrangierte Programm verschaffte jedoch nicht nur der gefeierten Sängerin, sondern auch den Ensemblemitgliedern Gelegenheit, solistisch hervorzutreten. Balázs Máté stieg in Geminianis Cellosonate in markige Tiefen hinab, derweil Jonathan Rubin mit fast stoischer Ruhe auf seiner Laute präludierte. Als regelrechtes Paradestück erwiesen sich Händels «Grobschmied»-Variationen, wo Vital Julian Frey mit seinem furiosen Cembalospiel das Publikum beinahe von den Stühlen riss.

Als in weiteren Kammermusikstücken Händels auch noch Violine (Anais Chen) und Barockoboe (Katharina Suske) zum solistischen Zwiegespräch zusammentrafen, ergab sich tatsächlich der Eindruck einer gesprächigen Teegesellschaft. Schade nur, dass insbesondere in den langsamen Sätzen das Zusammenspiel nicht immer so gelassen wirkte, wie es eine gesellige Runde versprechen würde.

Glänzende Stimme

Die Glanzlichter setzte Nuria Rial mit ihrer feinen, tief in den Körper eingesenkten Stimme, deren Timbre sich variantenreich den Nuancen des Ausdrucks anschmiegte. Beim immer wieder neu angesetzten «Never» in Purcells Arie «O Let Me Weep» folgten einander Hoffnung, Verzweiflung und Trotz in einem Wechselbad der Gefühle.

Derweil hatte die spanische Kantate «No se enmendará jamás» die Intimität eines unvergänglichen Volksliedes. Die volle Palette ihrer stimmlichen Farben entfaltete Rial in Händels Deutschen Arien auf Gedichte von Barthold Heinrich Brockes; zwischen andächtigem Staunen und lobsingendem Frohlocken liess sie das «Irdische Vergnügen in Gott» fühlbar ­werden.

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