Zum Hauptinhalt springen

Nobelpreis: Bob Dylan ist offiziell noch ahnungslos

Alle habens mitbekommen, nur einer nicht: Bob Dylan. Die Nobelpreis-Jury hat bisher vergebens versucht, den Musiker zu erreichen und ihn über die Ehrung zu informieren.

foa
Hat er ausgerechnet seine Nobel-Rede abgeschrieben? Bob Dylan. (6. Februar 2015)
Hat er ausgerechnet seine Nobel-Rede abgeschrieben? Bob Dylan. (6. Februar 2015)
Vince Bucci, Keystone
Bob Dylan und Patti Smith 1975.
Bob Dylan und Patti Smith 1975.
Instagram
Zuerst meldete er sich nicht, jetzt kann er nicht nach Stockholm kommen: Bob Dylan bei einem Auftritt in Los Angeles. (12. Januar 2012)
Zuerst meldete er sich nicht, jetzt kann er nicht nach Stockholm kommen: Bob Dylan bei einem Auftritt in Los Angeles. (12. Januar 2012)
Chris Pizzello/AP, Keystone
Von seinen Fans schon lange als Dichter verehrt: Bob Dylan, hier am Benicassim International Music Festival in Spanien. (13. Juli 2012)
Von seinen Fans schon lange als Dichter verehrt: Bob Dylan, hier am Benicassim International Music Festival in Spanien. (13. Juli 2012)
Domenech Castello, Keystone
Grosse Ehre für den 75-jährigen amerikanischen Songwriter: Akademie-Sekretärin Sara Danius kündigt den (überraschenden) Gewinner des Literaturnobelpreises in Stockholm an. (13. Oktober 2016)
Grosse Ehre für den 75-jährigen amerikanischen Songwriter: Akademie-Sekretärin Sara Danius kündigt den (überraschenden) Gewinner des Literaturnobelpreises in Stockholm an. (13. Oktober 2016)
Jonas Ekströmer, Keystone
Grosses Medienecho in Schwedens Metropole: Die Ankündigung des Nobelpreises der Literatur zieht viele Journalisten an.
Grosses Medienecho in Schwedens Metropole: Die Ankündigung des Nobelpreises der Literatur zieht viele Journalisten an.
Jonas Ekströmer, Keystone
Der berühmte Folk-Rock-Sänger hat auch die Schweiz besucht: Ein Bild aus dem Basler St.-Jakob-Park vor 32 Jahren. (1. Juni 1984)
Der berühmte Folk-Rock-Sänger hat auch die Schweiz besucht: Ein Bild aus dem Basler St.-Jakob-Park vor 32 Jahren. (1. Juni 1984)
Keystone
Eine illustre Runde: Dylan mit Schauspieler Dennis Hopper, Arlo Guthrie, Regisseur Melvin Van Peebles, Melanie und Dave Van Ronk bei einem Benefizkonzert für den chilenischen Politiker Salvador Allende in New York. (1974)
Eine illustre Runde: Dylan mit Schauspieler Dennis Hopper, Arlo Guthrie, Regisseur Melvin Van Peebles, Melanie und Dave Van Ronk bei einem Benefizkonzert für den chilenischen Politiker Salvador Allende in New York. (1974)
Ray Stubblebine (AP), Keystone
Dylan, der Prostestlieder gegen den Vietnam-Krieg sang, hat weltweit Konzerte gegeben. Im Jahr 2011 besucht er die vietnamesische Stadt Ho Chi Minh City. (10. April 2011)
Dylan, der Prostestlieder gegen den Vietnam-Krieg sang, hat weltweit Konzerte gegeben. Im Jahr 2011 besucht er die vietnamesische Stadt Ho Chi Minh City. (10. April 2011)
Keystone
Auch in Bern zu Hause: Dylan tritt 1993 am Gurtenfestival auf.  (17. Juli 1993)
Auch in Bern zu Hause: Dylan tritt 1993 am Gurtenfestival auf. (17. Juli 1993)
Keystone
Viele Gesichter, viele musikalische Stilrichtungen, aber auch viel Poesie: Nicht nur für seine Fans ist der amerikanische Rock-Poet ein Genie. (1995)
Viele Gesichter, viele musikalische Stilrichtungen, aber auch viel Poesie: Nicht nur für seine Fans ist der amerikanische Rock-Poet ein Genie. (1995)
Amy Sancetta, Keystone
Dylan in jungen Jahren in London – seinen Kurswechsel von Folk zu Rock haben ihm allerdings viele Anhänger und Kritiker übel genommen. Wie auch immer: Er gilt als einflussreichster Musiker des 20. Jahrhunderts. (27. April 1965)
Dylan in jungen Jahren in London – seinen Kurswechsel von Folk zu Rock haben ihm allerdings viele Anhänger und Kritiker übel genommen. Wie auch immer: Er gilt als einflussreichster Musiker des 20. Jahrhunderts. (27. April 1965)
Archiv AP, Keystone
Auszeichnung für einen Rock- und Popkünstler: Barack Obama hängt Dylan die Präsidenten-Medaille für den «Kampf für Freiheit und Frieden» um. (29. Mai 2012)
Auszeichnung für einen Rock- und Popkünstler: Barack Obama hängt Dylan die Präsidenten-Medaille für den «Kampf für Freiheit und Frieden» um. (29. Mai 2012)
Mandel Ngan, AFP
1 / 15

Sind Liedtexte Dichtkunst, sind Songschreiber auch Literaten? Die überraschende Auszeichnung der US-Rocklegende Bob Dylan mit dem Literaturnobelpreis hat Fans und Musiker jubeln lassen und Kritiker in Diskussionen gestürzt. Dylan selbst blieb vorerst unerreichbar.

Dylan selbst war in den USA zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Jury konnte den als Robert Allen Zimmerman im US-Staat Minnesota geborenen Musiker nicht von ihrer Wahl in Kenntnis setzen.

Spricht Bekanntgabe auch während Konzert nicht an

Dass er wenige Stunden zuvor den Literaturnobelpreis zugesprochen bekommen hat, hat Bob Dylan bei einem Konzert in Las Vegas völlig unkommentiert gelassen. Während des 90-minütigen Auftritts in der Kasino-Hochburg von Nevada fokussierte sich der US-Musiker am Donnerstagabend (Ortszeit) darauf, einige seiner bekanntesten Lieder zu spielen, darunter die 60er-Jahre-Hymne «Blowin' in the Wind». Dass am selben Tag in Stockholm bekannt gegeben worden war, dass er im Dezember die renommierte Nobelmedaille erhält, erwähnte er nicht an einer Stelle.

Obwohl Dylan selten Interviews gibt, war vermutet worden, dass er zumindest auf der Bühne ein Wort über den Nobelpreis verlieren würde. Er ist der erste Musiker in der Geschichte der seit 1901 vergebenen Auszeichnung, dem die Ehre zuteil geworden ist.

Man gehe aber davon aus, dass der Preisträger durch die Medien inzwischen von seinem Glück wisse, sagte Nobeljuror Per Wästberg der Nachrichtenagentur DPA. Am Donnerstagabend (Ortszeit) sollte Dylan als Teil seiner Tournee in Las Vegas (Nevada) auftreten.

«Vater meines Landes»

Da mit dem 75-Jährigen erstmals ein Songschreiber mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt geehrt wird, entbrannte nach der Ankündigung aus Stockholm vom Donnerstag eine Debatte über den Preis selbst.

«Bob Dylan ist der Vater meines Landes», zitierte Rockmusiker Bruce Springsteen aus seiner neu erschienenen Biografie «Born to Run» und gratulierte Dylan zur Auszeichnung. Dylan habe sich getraut, die Fragen zu stellen, die niemand anders stellen wollte. Jarvis Cocker von der Band Pulp sprach dem britischen «Guardian» zufolge von einer «grossartigen Wahl des Nobel-Komitees».

US-Schriftstellerin Joyce Carol Oates bezeichnete die Preisvergabe als «inspirierend und echt». «Seine eindringliche Musik und Lyrik schienen im tiefsten Sinn immer «literarisch«», schrieb die Autorin («Schwarzes Wasser», «Blond») bei Twitter.

«Songwriting ist Schreiben, und Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Schreiber der vergangenen 100 Jahre», schrieb Science-Fiction-Autor John Scalzi. Der indisch-britische Autor Salman Rushdie bezeichnete Dylan als «brillanten Erben der bardischen Tradition» und lobte die Wahl.

Mitleid für «wahre Schriftsteller»

Andere Literaten äusserten sich kritischer. «Niemand bestreitet, dass er ein genialer Musiker und ein grosser Dichter ist», schrieb der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu auf Facebook. «Aber es tut mir so leid um die wahren Schriftsteller, Adonis, Ngugi, DeLillo und weitere 2-3, die den Preis beinahe in der Tasche hatten.»

Der britische Schriftsteller Irvine Welsh schrieb auf Twitter: «Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis.»

«Poesie fürs Ohr»

Mit Dylan wurde erstmals seit der Autorin Toni Morrison 1993 wieder ein US-Amerikaner mit der Auszeichnung geehrt. In seiner über ein halbes Jahrhundert langen Karriere wurde Dylan unter anderem mit einem Oscar, Pulitzer-Preis, Polar-Music-Preis und Golden Globe ausgezeichnet.

Zu seinen berühmtesten Liedern zählen «Mr. Tambourine Man», «Like a Rolling Stone» und «The Times They Are a-Changin'». Dylan schreibe «Poesie fürs Ohr», lobte Nobeljurorin Danius.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (fast 900'000 Franken) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember – dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833–1896) – gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch