Offene Bühne für das Örgeli

Zollbrück

Der Berner Örgeler Thomas Aeschbacher lädt am Sonntag zum schweizweiten Langnauerörgeli-Treffen. Er hat damit eine Tradition seines Vaters Werner wieder aufgenommen.

Thomas Aeschbacher (rechts) bei einem Auftritt mit Kollege Adrian Gehri und seinem Lieblingsinstrument, dem Langnauerli.

Thomas Aeschbacher (rechts) bei einem Auftritt mit Kollege Adrian Gehri und seinem Lieblingsinstrument, dem Langnauerli.

(Bild: Janosch Hugi)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Thomas Aeschbacher, was verbindet Sie persönlich mit dem Langnauerörgeli?

Es ist Teil meiner Familiengeschichte. Ich spielte schon als Jugendlicher auf einem zweireihigen Langnauerli, aber ich wusste damals nicht, dass es das Instrument meines Urgrossonkels war. Das merkte ich erst zwanzig Jahre später, als ich ihn mit einem einreihigen Langnauerli auf einem Foto sah. Von dem Moment an hatte das Instrument für mich eine andere Dimension und Bedeutung. Es gehörte viel länger zu meiner Familie, als ich bis dahin angenommen hatte.

Was ist denn das Spezielle am Langnauerli?

Es ist klein und handlich. Und es sieht schön aus. Die alten Langnauerli stammen aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert, es sind Schmuckstücke. Und sie haben einen umwerfenden Klang. Man spielt wie beim Akkordeon links den Bass und rechts die Melodie, in der Regel nur in einer Reihe. Da ist man natürlich limitiert von den Möglichkeiten her. Es ist aber das ideale Instrument zum Einsteigen.

Sie kamen durch Ihren Vater Werner aufs Örgeli...

Ich sah und hörte ihn viel spielen, er hat viel geforscht auf dem Instrument und es am Leben erhalten. Er hat zahlreiche Leute damit angesprochen auf der Bühne. Und er veranstaltete die Langnauerörgeli-Treffen im Emmental zwanzig Jahre lang bis 2003.

Bevor Sie letztes Jahr zusammen mit Adrian Gehri diese Tradition wieder aufgriffen. Warum?

Ich habe in den letzten Jahren vermehrt wieder angefangen, das Langnauerli zu spielen und es gern zu haben, es hat auch einen regelmässigen Platz in meiner Formation Pflanzplätz. Ich habe das Instrument in Kursen vorgestellt – und es stiess auf Resonanz. Darum fanden wir, mehr Leute müssten es kennen lernen.

Und, kamen viele Neugierige?

Es kamen erstauntlich viele Leute, manche reisten sogar aus dem Zürcher Oberland an. Der Saal im Sternen Zollbrück war voll. Es kamen viele, die ihr Instrument von Vorfahren geerbt haben und nun mal hören wollten, wie das Instrument des Grossvaters eigentlich tönt. Andere kamen, stellten ihr Örgeli mit einem Preisschild daneben auf den Tisch. Und zwischen vierzig und fünfzig Leute traten mit dem Langnauerörgeli auf.

Wie funktioniert das Treffen denn?

Der Anlass ist wie eine offene Bühne. Jeder, der will, kann zwei, drei Stücke vortragen. Bedingung ist nur, dass mindestens ein Langnauerli auf der Bühne gespielt wird, begleitet werden kann es auch von anderen Instrumenten.

Hat das Treffen dem Langnauerli zu einer Renaissance verholfen?

Manche sagten mir, sie hätten jetzt ein neues Instrument gekauft, sie hätten geübt, etwas Neues entwickelt. Für viele Leute ist das Auftreten an sich schon eine Motivation. Der Anlass ist Treffen, Börse und Austausch in einem. Und es wurde letztes Jahr zeitweise sehr emotional. Es sind sogar Tränen geflossen.

Echt?

Ja, ein älterer Mann aus Langnau bat mich, noch einmal für ihn auf seinem Instrument in einem kleineren Säli zu spielen. Ich machte es, und er musste vor Rührung weinen. Der Klang des Örgeli löste etwas aus, vielleicht Erinnerungen. Das war ein sehr bewegender Moment.

Langnauerörgeli-Treffen: Sonntag, 12.1., ab 10.30 Uhr, Restaurant Sternen Neumühle, Zollbrück. Der Anlass ist offen für alle. Infos: www.langnaueroergeli.ch

Berner Zeitung

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