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PJ Harvey am Paléo – Traurige Heiterkeit

Seit dem Erscheinen ihres Albums «Let England Shake» tourt die britische Sängerin PJ Harvey mit ihrer dreiköpfigen Band durch Europa. Mit einem introvertierten Konzert hat sie am Paléo Festival in Nyon Halt gemacht.

Im schwarzen Dandy-Anzug betrat PJ Harvey die Bühne in Nyon (21. Juli 2011).
Im schwarzen Dandy-Anzug betrat PJ Harvey die Bühne in Nyon (21. Juli 2011).
Keystone
Ihr Hackbrett hatte sie dabei, einen kuriosen Kopfschmuck aus Federn ebenso.
Ihr Hackbrett hatte sie dabei, einen kuriosen Kopfschmuck aus Federn ebenso.
Keystone
...Montreux Jazz Festival auf einen ultrakurzen Mini (6. Juli 2004).
...Montreux Jazz Festival auf einen ultrakurzen Mini (6. Juli 2004).
Keystone
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Im schwarzen Dandy-Anzug und mit kunstvollem Federschmuck auf dem Kopf betritt Polly Jean Harvey pünktlich um neun Uhr die grosse Bühne des Paléo Festivals. Es hat etwas Feierliches, wie sie wortlos ihr jüngstes Album «Let England Shake» mit dem Titelsong einführt.

Schwermütig, wütend, verspielt

Harvey, die musikalisch mit jedem Album eine neue Richtung einschlägt, widmet sich mit «Let England Shake» der dunklen Vergangenheit ihres Heimatlandes zu Zeiten des Ersten Weltkrieges. Wie schon auf dem schwermütigen Vorgänger «White Chalk» greift sie auf eine sehr reduzierte Instrumentierung zurück und singt häufig mit graziler Kopfstimme.

Auch die Songs auf «Let England Shake» weisen im Vergleich zu Harveys früherem Schaffen wesentlich differenziertere Strukturen auf. Während die 41-Jährige in den Neunzigerjahren lautere, teilweise wütende Töne anschlug, legt sie nun ein beinahe verspieltes Album vor, das sich vieler Folk-Elemente bedient.

Ihr eindrückliches Stimmvolumen hat die 1,63 Meter grosse Harvey zu Beginn ihrer Karriere besonders charakteristisch eingesetzt. In ihren häufig abgründigen Liedern heulte, schrie und klagte sie mit einer unverwechselbaren Eindringlichkeit.

Zu laute Bassfrequenzen

Heute aber singt die Engländerin mit sanfter Zurückhaltung und rückt damit bei ihrem Auftritt am Paléo Festival auch ihre dreiköpfige Band mit in den Vordergrund. Mit den einzelnen Mitgliedern verbindet Harvey bereits eine langjährige symbiotische Zusammenarbeit.

«Let England Shake» lebt von einer feinfühligen Traurigkeit in den beinahe heiteren Melodien, mit denen PJ Harvey und ihre Band die schmerzliche Geschichte Englands aufleben lassen. Daran erinnern beispielsweise die hellen Fanfaren im Lied «The Glorious Land», das trotz anklagendem Text leichtfüssig und unbeschwert daherkommt.

In Nyon, wo Harvey ihr erstes Schweizer Konzert seit dem neuen Album gab, gingen dabei viele Nuancen der ausgeklügelten Songs durch eine zu laute Abmischung der Bassfrequenzen unter.

Gereift

Zwischen ihre neuen Songs schiebt Harvey einzelne Titel aus früheren Werken. Gerade ähnlich introvertierten Liedern, wie denjenigen des Vorgängers «White Chalk», entlockt sie durch das folkige Arrangement neue Facetten.

Nicht ganz einfügen hingegen lässt sich das schleppend- schwerfällige «Down By The Water» oder das im Refrain ausbrechende «The Sky Lit Up». Den Charakteristika dieser beiden älteren Songs konnte die ansonsten tadellos harmonierende Bandformation leider nicht ganz gerecht werden.

Stücke aus früheren Zeiten lassen sich offenbar nur schwerlich mit der musikalisch kontinuierlich reifenden Harvey vereinen. Ihre starke Persönlichkeit nimmt die wortkarge Sängerin heute auch auf der Bühne bewusst zurück. So setzt sie in Nyon die verzaubernde Kraft von «Let England Shake» frei.

sda/Lena Rittmeyer/dj

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