Pop-Briefing: Die Grösste ist Missy Elliott

Heute in der Popkolumne: Der MTV-Lebenswerkpreis für Missy Elliott, Barack Obamas Playlist und ein potenzielles Album des Jahres.

Schaut sie an: Missy Elliott. Foto: PD

Schaut sie an: Missy Elliott. Foto: PD

Das muss man hören


Missy Elliott hat wieder einmal eine EP veröffentlicht. «Iconology» heisst sie, und die Rapperin und Sängerin ruft in diesen fünf Tracks in Erinnerung, welch zentrale popkulturelle Figur sie immer noch ist. Sie macht in «Throw It Back» ja auch rasch klar, wer sie ist: «What you doin' now, I did for a while», sagt Missy Elliott an die Adresse der jüngeren Musikerinnen. Und es hat dann auch genügend Selbstreferenzen drin, die an ihre revolutionären Produktionen und Hits «Get Ur Freak On», «Work It» oder «Sock It 2 Me» erinnern und damit an eine Zeit, als man Musikvideos noch auf MTV angesehen hat und danach in den CD-Laden des Vertrauens gepilgert ist.

Genau jener Kanal hat Missy Elliott – «the innovator of all innovators», wie es zu Beginn des Clips zu «Throw It Back» heisst – nun geehrt. In der Nacht auf heute Dienstag wurde ihr der «Michael Jackson Video Vanguard Award», der selbst in Zeiten der Cancel Culture noch immer so heisst, verliehen. Sie feierte das mit einer fantastischen siebenminütigen Show und einer Rede, in der sich Missy zunächst bei Gott und schliesslich vielen anderen bedankt hat (unter ihnen Cardi B, die die Laudatio hielt, oder Janet Jackson).

Der Award ist ein Lebenswerkpreis für eine, die kein Gestern kennt und nach ihrer Team-Single «Tempo» mit Lizzo (die ohne Missy Elliott natürlich gar nie möglich gewesen wäre) wieder Lust an neuen Veröffentlichungen hat. Willkommen zurück!

Darüber wird gesprochen


Wie klingt Amerika? Derzeit vor allem nach Taylor Swift, klar, aber auch nach Barack Obamas Sommer-Playlist. Die hat der ehemalige US-Präsident nun veröffentlicht, und man findet hier neben Lizzo und Klassikern auch «Old Town Road» von Lil Nas X, jene Single, die in diesem Jahr alle Regeln des Pop ausgehebelt hat. Überraschend ist das natürlich nicht, fast allzu geschmackvoll ist die Liste zusammengestellt. Aber sie gibt schon einen geschmeidigen Überblick darüber, wie die USA selbst in Zeiten von Trump klingen.

Das Schweizer Fenster


Die Gletscher schmelzen und die Band One Sentence. Supervisor lässt die Drohne über die Eisflächen fliegen, die sich nicht nur im Video zu Brachland verwandeln. Dazu spielen die Badener einen Song, der nirgends stecken bleibt, sondern den Horizont auf die katastrophale Lage des Planeten weitet. Eine Schönheit.

Was blüht


Das neue Album von Lana Del Rey. Dieses heisst «Norman Fucking Rockwell» und erscheint am Freitag. Und alle bisher veröffentlichten Songs, die sehr weitschweifig und auch recht klassisch klingen, deuten auf ein potenzielles «Album des Jahres» hin. The Greatest? Könnte Lana Del Rey werden.

Das Fundstück


Wann haben Sie zuletzt in einer Plattenkiste gewühlt? Nun, der New Yorker Antifolker Jeffrey Lewis macht dies immer wieder, und er machte das noch lieber, als Vinyl noch nicht zu einem Einrichtungsstatussymbol verkommen war. In seinem neuen Song «LPs» besingt er diese «disease», nicht nostalgisch, sondern rasend schnell.

Die Wochen-Tonspur


Diese Woche starten wir sehr sanft, mit einem alten Werk der Komponistin Joanna Brouk, das eben wiederveröffentlicht wurde. Aber es wird dann rasch harscher, mit Kim Gordon und Zonal. Reinen Pop gibts natürlich auch.

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