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Pop-Briefing: Ein Electro-Musiker steht im Wald

Die Popmusik-Kolumne mit einem Electro-Produzenten, der Holzinstrumente entdeckt, und einer tierischen Schweizer Band.

Erfindet sich mit jedem Album neu: Hendrik Weber alias Pantha Du Prince.
Erfindet sich mit jedem Album neu: Hendrik Weber alias Pantha Du Prince.
zvg

Das muss man hören

Wäre elektronische Musik ein Zoo, Hendrik Weber wäre das Chamäleon. Der Hesse erfindet sich mit jeder Veröffentlichung unter seinem Künstlernamen Pantha Du Prince neu; zuletzt als Hippie – im besten Sinne natürlich.

«Conference of Trees» geht der Frage nach, wie es klingt, wenn Bäume miteinander kommunizieren. Zum Zwecke der Beantwortung hat Weber sich erstmals intensiv mit Holzinstrumenten beschäftigt und kollaboriert mit zwei Percussionisten und einem Schlagzeuger.

Eine ungewöhnlich organische Herangehensweise für jemanden, der es gewohnt ist, Tracks am Rechner zu basteln. Und aussergewöhnlich klingt auch das Resultat: Angenehm entschleunigt, nur hie und da tönt das für Pantha Du Prince typische Geschlacker durch. Etwas Wiedererkennungswert bleibt also auch für eingefleischte Fans.

Eine olle Kamelle verzückte unlängst tanzfreudiges Publikum in Sydney. Dort spielte der deutsche Produzent DJ Koze in der ikonischen Oper und brachte als Gast Róisín Murphy auf die Bühne – die frühere Sängerin des Electronica-Duos Moloko hatte auf seinem 2018er-Album «Knock Knock» zu zwei Stücken die Stimme beigetragen. Und wo sie schon mal da war, gaben die beiden «Sing it back» zum Besten, den grossen Hit ihrer alten Band. In einer betörend reduzierten Version.

Darüber wird gesprochen

Xavier Naidoo, deutscher Soulsänger auf Abwegen, machte vergangene Woche wieder von sich reden – und zwar so, wie er es meistens tat in den letzten Jahren: mit Verschwörungstheorien und kaum verschleiertem Rassismus, veröffentlicht in einem kurzen Video auf Social Media. Der offensichtlich in den braunen Sumpf gefallene Sohn Mannheims knödelte sich damit vielleicht endgültig ins Abseits: RTL warf ihn aus der Jury der Karriereverhinderungssendung «Deutschland sucht den Superstar». Naidoo, unbeirrt, doppelte diese Woche noch einmal nach. Mit einem wirren Video, in dem er gegen die Klimabewegung und gegen Wissenschaftler schiesst.

Das Schweizer Fenster

Dachs sind endlich mit ihrem neuen Album «Zu jeder Stund en Vogelgsang» aus dem Bau gekommen. Die Vorboten «Beat Breu» und «Si händ dä Schlagzüger us dä Band grüert» geben die Marschrichtung vor: feinfühliger Indie-Gitarrenpop mit Hang zum Ohrwurm und Mut zum Falsettgesang. Und mal ehrlich, wer kann sich dem Charme von Songtiteln wie «Du schicksch sibä Smileys» oder «Beziehige sind wie Dürüm» entziehen?

Was blüht

In Anbetracht der aktuellen Lage vielleicht Hausmusik? Wer selbst nicht musizieren kann, darf sich über die Segnungen des Internets freuen. Chris Martin, Frontmann der britischen Popband Coldplay, jammte am Montag eine halbe Stunde lang im Livestream.

Der Pianist Igor Levit streamte bereits am Sonntag eine knappe halbe Stunde via Twitter und will die Praxis fortführen.

Weitere ungewöhnliche Live-Formate gibt es mittlerweile zuhauf in Onlinevideoarchiven. Da wären die fast schon historischen Aufnahmen der Zürcher Reihe «Show to go», das elektronisch ausgerichtete «Cercle», das DJs an exotischen Destinationen auftreten lässt, die «Take Away Shows» der Blogotheque oder die «Tiny Desk Concert» des amerikanischen NPR.

Das Fundstück

Der Londoner Zag Erlat betreibt einen Youtube-Kanal, bei dem die Vinyl-Nerds auf ihre Kosten kommen – und alle, die sich gerne auf Unbekanntes einlassen. Erlat ist das, was Schallplatten-Afficionados einen Digger nennen, einen, der obskure Musik sucht und sammelt. Auf seinem Kanal spielt er diese Musik in Live-Sets thematisch sortiert. Da gibt es türkische Sängerinnen aus den Siebzigern, Jazz aus der Sowjetunion oder japanischen City Pop, Soul und Jazz. Fantastisch eklektisch.

Die Wochen-Tonspur

Das hat sich in den Gehörgängen festgesetzt in der vergangenen Woche: die widerspenstigen Protomartyr, der stets sphärische Yagya und Nightmares on Wax, der genauso klingt immer. Manches muss sich auch nicht ändern.

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