Preisträger, verzweifelt gesucht

Das Duo Cod.Act erhält dieses Jahr den Grand Prix Musique, 100'000 Franken. Auch 14 weitere Musikerinnen und Musiker haben abgeräumt. Darunter der in Bern lebende Bassist und Komponist Björn Meyer.

Seit zwanzig Jahren sind die Brüder André und Michel Décosterd als Cod.Act unterwegs.

Seit zwanzig Jahren sind die Brüder André und Michel Décosterd als Cod.Act unterwegs.

(Bild: PD)

Wer sind Cod.Act? Die Musik­redaktorin weiss es nicht, und sie ist nicht allein damit. Nach acht Telefongesprächen mit Musikschaffenden unterschiedlicher Couleur lautet die Bilanz: siebenmal Ratlosigkeit, einmal «doch, schon gehört, die machen doch irgendwas mit Medienkunst».

Das Erste, was ein grosser Teil der Allgemeinheit von Cod.Act mitbekommt, ist also dies: Das Duo erhält den vom Bundesamt für Kultur (BAK) gestifteten, mit 100'000 Franken dotierten Grand Prix Musique 2019.

Daran muss nichts falsch sein. Der Preis ist ja ausgerichtet auf das Experimentelle, fürs ­Populäre ist der Swiss Music Award zuständig. Und experimentell sind sie tatsächlich, die Klanginstallationen der Brüder André und Michel Décosterd aus Le Locle, die seit ­exakt zwanzig Jahren unter dem Namen Cod.Act unterwegs sind: Da wälzt sich ein riesiger Spiralschlauch fiepend und brummend durch den Raum.

Oder ein Gitarrenverstärker hängt an Spring­federn von der Decke, baumelt wild oder sanft und gibt entsprechende Versionen von PJ Harveys «The Wind» von sich. Technisch ausgefeilt ist das, in der Wirkung mal bedrohlich, mal komisch. Und, schaut man die Liste der bisherigen Präsentationen an, durchaus gefragt in den einschlägigen Nischen der elektronischen Kunst.

Was soll der Preis?

Aber reicht das für den Grand Prix Musique? Diese Frage lässt sich wohl erst beantworten, wenn die grundsätzliche geklärt ist: Was will er eigentlich, dieser Grand Prix Musique?

Seit 2014 wird er verliehen, das BAK gibt viel Geld aus dafür: 100'000 Franken für den Hauptpreisträger, je 25'000 Franken für die 14 weiteren Preisträger, dazu kommen beträchtliche Nebenkosten für Werbung und Festivitäten. Aber nach wie vor ist nicht klar, was die Kriterien und Ziele sind. Zählt das Erreichte oder das Potenzial?

Will man fördern oder würdigen? Wie kraus die Strategie ist, hat sich letztes Jahr gezeigt: Da wurde die Jazz­pianistin Irène Schweizer zum zweiten Mal nominiert, damit sie doch noch den Hauptpreis erhalten konnte, den sie beim ersten Mal verpasst hatte.

Auch dieses Jahr präsentiert sich die Gruppe der Preisträger als kuriose Mischung aus Jungtalenten und Altgedienten, Berühmten und Unbekannten, Musikern und Produzentinnen, die verschiedene Stile, Generationen und Landesteile vertreten. Der Schlagzeuger Pierre Favre ist dabei, das Kammerorchester Basel, die Volksmusiker von Ils ­Fränzlis da Tschlin, die Rapperin und Tänzerin KT Gorique, et cetera.

Man meint, das kollektive Auf­atmen der Jury zu hören, als die Liste voll war – und sich darauf auch noch Hauptpreisträger ausmachen liessen, die aus einer ganz anderen Ecke kommen als die bisherigen. Das einzig Konkrete, das man über diesen Preisregen sagen kann, ist damit wohl dies: Irgendwann kommt jede(r) zum Zug. (suk)

In der Installation «Pi-Ton» von Cod.Act begegnet man einer sehr speziellen Schlange.

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