Queen mit Sorgen

Die Rap-Königin Nicki Minaj klammert sich an ihren bedrohten Thron – mit einer Show im Hallenstadion, die nur 6000 Fans sehen wollen.

Sexposen, Parolen der Selbstbehauptung und Diss-Zeilen gegen all ihre Konkurrenten und Konkurrentinnen: Nicki Minaj, hier bei ihrem Auftritt an den MTV European Music Awards 2018.

Sexposen, Parolen der Selbstbehauptung und Diss-Zeilen gegen all ihre Konkurrenten und Konkurrentinnen: Nicki Minaj, hier bei ihrem Auftritt an den MTV European Music Awards 2018.

(Bild: Keystone)

Sie ist die Queen des Rap, jene Frau, die die Männerdomäne Hip-Hop vor zehn Jahren aufgemischt und bis heute 99 Millionen Alben verkauft hat. Als solche duldet Nicki Minaj – immerhin die erfolgreichste Rapperin der Popgeschichte – niemanden neben sich, nicht die Typen und auch nicht die Frauen; sie schreibt ihnen allerhöchstens die Position der Untertanen zu.

Bloss: Dieses Reich der Nicki Minaj, die vor 36 Jahren als Onika Maraj auf Trinidad und Tobago geboren wurde, ist in Gefahr. Ihr aktuelles, arg desorientiertes Album «Queen» enttäuschte die kommerziellen Erwartungen. Und ihre aktuelle Europatour, die heute Abend in Genf ein Ende findet, machte vorab durch dubiose Konzertabsagen wegen angeblicher Energieversorgungsprobleme Schlagzeilen.

Dass Nicki Minaj bereits bessere Zeiten erlebt hat, sieht man am Mittwochabend im Zürcher Hallenstadion auch am Publikumsaufkommen: Nur 6000 Besucherinnen und Besucher wollen die Show sehen, die in den überdrehtesten Momenten auch cartoonhafte Züge annimmt. Aber natürlich: Kampflos gibt eine wie sie ihren Thron nicht her – schon gar nicht an ihre Nemesis, die Rapperin Cardi B, die im Sommer am Openair Frauenfeld vor ungleich grösseren Publikumsmassen auftreten wird.

So erscheint sie auf einem glitzernden Einhorn mit Flügeln, sie trägt da noch ein goldig glitzerndes Kleidchen mitsamt Krone. Die Tonspur berichtet von der «Majesty», von der niemand genug kriegen kann, und die Königin wird von Tänzerinnen und Tänzern in Fantasy-Kriegs-Uniformen umgeben. Nicki Minaj zeigt in diesem ersten Teil, mit was für Waffen sie diesen Thron behalten will: mit den bekannten Sexposen, Parolen der Selbstbehauptung und der Selbstermächtigung, mit Diss-Zeilen gegen all ihre Konkurrenten und Konkurrentinnen. Sie unterstreicht das mit Hits wie «Anaconda», der auf ihren berühmten Arsch zielt, wenn die Zeile erklingt: «Oh my gosh, look at her butt». Und sie zeigt ihre Monsterhaftigkeit, die so viele Männer auffressen kann, wenn sie für einmal ohne Playbackverstärkung zu ihrer furiosen Strophe aus Kanye Wests «Monster» anhebt.

«Oh my gosh»: Nicki Minajs Anaconda.

Aber bevor es mit dieser Energie weitergeht, verschwindet sie lieber in der Garderobe, kehrt als schwarze Spacelady zurück und zieht dann in die pumpende Grossraumdisco, dank der sie vor einigen Jahren ihr Reich in Richtung Pop ausgeweitet hat. So gehts dann weiter in dieser Hitrevue – mit Balladen, die sie mit einem keusch wirkenden Brautschleier singt, oder mit ungleich unkeuscheren Schlafzimmerhits wie «Bed», bei dem Ariana Grande wie einige andere Popsuperstars an diesem Abend via Videoleinwand und Playbackspur vorbeischaut.

Gemeinsam mit Ariana Grande: «Bed».

«Chase your dreams», ruft Nicki Minaj ganz am Schluss ihren so treuen Fans zu – zu der auch ein 14-jähriger Bub aus Schänis SG zählt, den sie im Laufe der Show nach einem Tänzchen in einer Raumkapsel zum Verschwinden brachte – ehe sie auf ihr geflügeltes Einhorn steigt.

Und es bleibt zu hoffen, dass dieses Kitschtier Nicki Minaj in eine Welt bringt, in der sie auch ohne Kraftanstrengungen die Queen sein darf.

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