Rammstein empört mit KZ-Anspielungen

In einem neuen Videoclip der deutschen Band inszenieren sich die Musiker als todgeweihte KZ-Häftlinge. Das löst Proteste aus.

Ein Screenshot aus dem neuen Rammstein-Video. (Quelle: Youtube)

Ein Screenshot aus dem neuen Rammstein-Video. (Quelle: Youtube)

Häftlinge am Galgen, gelbe Sterne und ein bedrohlicher Sound: Ein Video der deutschen Band Rammstein mit Anspielungen auf deutsche Konzentrationslager hat scharfe Kritik und Fragen zum Umgang mit Holocaust-Bildern ausgelöst.

Der 35 Sekunden lange Trailer zur neuen Rammstein-Single zeigt vier Band-Mitglieder, deren Kleidung an die von KZ-Gefangenen erinnert. Am Ende des Trailers, den Rammstein auf ihrer Webseite veröffentlichten, ist das Wort «Deutschland» in frakturähnlicher Schrift zu sehen. In lateinischen Buchstaben steht darunter das Datum 28.3.2019.

Das neue Album soll am 17. Mai erscheinen, wie die Band auf ihrer Webseite mitteilte. Das komplette Video wollten Rammstein noch am Donnerstag ins Netz stellen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte, es gebe zahlreiche Künstler, die sich in ihren Kunstwerken auf eine würdevolle Art mit der Schoa auseinandersetzten. «Wer den Holocaust jedoch zu Marketingzwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch», sagte Schuster.

Ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums nannte den Rammstein-Clip mit Anspielung auf den Holocaust «beschämend». «Wir schliessen uns jenen an, die eine sofortige Löschung fordern», schrieb er auf Twitter.

Keine Stellungnahme der Band

Rammstein wollen im Mai erstmals auf Stadion-Tournee durch Europa gehen. Dazu hatte die Band im vergangenen September ihr siebtes Studioalbum angekündigt - zehn Jahre nach «Liebe ist für alle da».

Im neuen Trailer treten die Musiker mit jeweils einem Strang um den Hals auf. Zu sehen sind auf einigen gestreiften Jacken gelbe Sterne, ähnlich jenen Kennzeichen, die das NS-Regime nach den Nürnberger Rassegesetzen 1935 den Juden aufgezwungen hatte.

Sollten Rammstein mit dem neuen Musikvideo aus dem Holocaust Profit schlagen wollen, wäre das geschmacklos und würde Millionen Menschen verhöhnen, die während der Schoa unsäglich gelitten hätten und auf grausamste Weise ermordet worden seien, sagte Schuster.

Die Sprecherin der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rief zu einem verantwortlichen Umgang mit der Erinnerung an die ermordeten Juden auf. Yad Vashem kritisiere «nicht generell künstlerische Arbeiten, die an Holocaust-Bilder erinnern», sagte sie der Zeitung. Respektvolle künstlerische Darstellungen könnten legitim sein. Sie dürften die Erinnerung an den Holocaust jedoch keinesfalls beleidigen, herabsetzen oder schänden - und nicht nur als «blosses Werkzeug» dienen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warf den Musikern eine «Instrumentalisierung und Verharmlosung des Holocaust» vor. Die Band habe eine Grenze überschritten, sagte sie der «Bild», die zuerst über das Video berichtete. «Wie Rammstein hier das Leid und die Ermordung von Millionen zu Entertainment-Zwecken missbraucht, ist frivol und abstossend.»

Von der Band war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

«Wir hassen Nazis!»

Die Berliner Band hat mit brachialem Rock und martialischen Klängen immer wieder mit Nazi-Ästhetik gespielt. Für das Video zum Song «Stripped» waren Ausschnitte aus Leni Riefenstahls NS-Propagandafilm über die Olympischen Sommerspiele von 1936 zu sehen. Frontman Till Lindemann wies damals Nazi-Vorwürfe zurück. «Wir kommen aus dem Osten und sind als Sozialisten aufgewachsen. Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis – wir hassen Nazis!», sagte er dem Magazin «Rolling Stone».

Zur letzten Echo-Verleihung vor einem Jahr hatten die Rapper Kollegah und Farid Bang mit Zeilen wie «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen» eine Diskussion über Antisemitismus in der Popmusik ausgelöst. Nach dem Skandal wurde der Preis abgeschafft.

sda/sz

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