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Reggae 2.0

Reggae? Heisst für viele immer noch: Bob Marley, Jamaika, Marihuana. Der Zürcher Musiker Stereo Luchs macht sich auf, diese Klischees aufzubrechen. Sein neues Album «Lince» ist ein Hybrid aus Dancehall, Rap und Trap.

Schon mit der Veröffentlichung des Videoclips zum Song «Ufe» vor drei Wochen hat Stereo Luchs weit über die Reggae-Szene hinaus für Aufsehen gesorgt. Da ist kein Platz für entspannte Basslinien und andere alt­backene Stereotypen.

«Ufe» beeindruckt mit einem synthetischen, vielflächigen Beat und einem Feature von Pronto aus Solothurn, dem angesagtesten Schweizer Rapper der Stunde.

Das sind die Mittel, deren sich Silvio Brunner alias Stereo Luchs bedient. Auf die Frage, ob er mit diesem modernen Ansatz nicht die Puristen brüskiert, antwortet der 36-jährige Zürcher: «Zu meinem eigenen Erstaunen sind die ­Reaktionen aus der Szene bislang durchwegs positiv.»

Konzentration aufs Wesentliche

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Stereo Luchs zu den Topshots der Schweizer Reggae-Szene. Einer überschaubaren Bewegung, die sich bis anhin meist auf traditionellen Wegen und abseits des Mainstreams manifestiert hat. Jetzt veröffentlicht er sein zweites Album beim Riesen Universal; dieser hat für ihn sogar die Marke Island aktiviert.

Der neue Sound, ein Hybrid aus modernstem Dancehall, Rap und Trap in all seinen Spielarten, hängt aber nicht mit Wechsel zum Major-Label zusammen. «Ich möchte ganz grundsätzlich nicht schubladisiert werden,» meint der Künstler. «Die Major-Strukturen haben mir einfach erlaubt, mich ausschliesslich auf die Musik zu konzentrieren.»

Stilistisch wäre das Resultat seiner Aussage nach bei einem Indie-Release auf seinem eigenen Label Pegel Pegel identisch heraus gekommen. Und der Fokus auf die Kunst steht dem übermorgen Freitag erscheinenden Album gut. «Sie seit» etwa dürfte der stimmigste Lovesong sein, den ein urbaner Schweizer Künstler je aufgenommen hat.

Vergleich mit Überflieger

Dass musikalisch und karrieretechnisch Vergleiche mit dem deutschen Überflieger Trettmann auftauchen, kommt nicht von ungefähr. Dieser ist ein langjähriger Wegbegleiter von Stereo Luchs und hat auch auf ­«Lince» Gastauftritte. Auf der Produzentenseite zeigen sich bei den Künstlern ebenfalls Parallelen. Beide greifen auf das Berliner Kollektiv Kitschkrieg zurück.

«Das sind aber nicht etwa eingekaufte Star-Features. Wir machen alle schon länger zusammen Musik, ich habe den Jungs meine Ideen gezeigt, und sie haben sie in ihrem Stil ausgearbeitet», sagt Stereo Luchs.

Phenomden hingegen, Luchs engster Wegbegleiter und die zweite Speerspitze im hiesigen Reggae, ist auf «Lince» nicht zu hören. Der Sänger erklärt die prominente Abwesenheit: «Phenomden wohnt schon länger in Jamaika und hat sich für dieses Projekt nicht aufgedrängt. Im Geiste und mit Tipps und Tricks war er aber immer mit dabei. Er ist quasi das ­stille Feature.»

Stereo Luchs: «Lince», Island/Universal. Erscheint am Freitag digital, als CD, auf Vinyl und als Kassette.

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