Sabaton blasen zum Grossen Krieg

Schon seit 20 Jahren besingt die schwedische Power-Metal-Band Sabaton epische Militärgeschichten. Ihr neues Album «The Great War» ist eine Geschichtsstunde der anderen Art.

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Martin Bürki@tinubuerki27

«1914. Wie sonderbar, dass eine einzige Kugel eine Kette von Ereignissen auslösen kann, welche die Welt für immer verändern werden. Nationen werden auseinandergerissen, Imperien werden fallen, und ein ganzer Kontinent wird in Flammen aufgehen als Folge dieses Vorfalles.»

Im Stile einer Geschichtslehrerin führt einem das Intro zu «The Future of Warfare» in die Thematik ein; gemeint ist das Attentat von Sarajevo, als Erzherzog Franz Ferdinand getötet wurde. Daraufhin erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg – der Auslöser des Ersten Weltkrieges. «The Future of Warfare» heisst das erste Stück auf dem neuen Sabaton-Album «The Great War» – der Grosse Krieg, wie der weltweite Konflikt zwischen 1914 und 1918 auch genannt wird.

«Es ist tatsächlich so etwas wie ein Konzeptalbum», sagt Joakim Brodén, der Sänger der schwedischen Power-Metal-Band. Ob der Rote Baron, Lawrence von Arabien oder Sergeant Alvin York, der wohl berühmteste Soldat der 82. Division der US-Armee – die elf Songs haben allesamt eine Kriegsgeschichte aus jener Epoche zum Inhalt. In «The Future of Warfare» etwa geht es um die Geburtsstunde des Panzers, der, «geboren in Fabriken und entbunden von Ingenieuren, immun ist gegen die Kugeln des gewöhnlichen Soldaten» und damit eben die Zukunft der Kriegsführung darstellt.

«Der Tod wartet in jeder Ecke / Als sie im Dreck sterben / Füllen sich die Gräben mit Blut»Aus «Fields of Verdun»

Auch der Schlacht um die französische Stadt Verdun, die als eine der grausamsten des Ersten Weltkrieges gilt, haben Sabaton ein Lied gewidmet. 303 Tage dauerte die Schlacht an der Westfront zwischen Deutschland und Frankreich an – ohne dass sich eine Kriegspartei durchsetzen konnte. «Versunken in Dunkelheit, 303 Tage unter der Sonne», heisst es im Lied. Gemäss Schätzungen verloren zwischen Februar und Dezember 1916 auf beiden Seiten über 150'000 Soldaten ihr Leben.

Sabaton - Fields of Verdun (Quelle: Youtube/Sabaton)

Weiter singen Sabaton über den Kriegseintritt der «Teufelshunde», wie die Deutschen die US-Marines nannten, oder Scharfschützen, die sich alleine mit Gewehr und Zielfernrohr wie Geister zwischen den Schützengräben hin- und herbewegen.

Damit ihre Liedtexte möglichst historisch korrekt daherkommen, arbeiten die Schweden eng mit Historikern zusammen. Auf ihrem Youtube-Channel «Sabaton History» veröffentlichen sie regelmässig Videos, in denen die Hintergründe zu den Songtexten erklärt werden. «Manchmal ist es echt schwierig, verlässliche Quellen zu finden», erzählt Joakim Brodén. «Manchmal widersprechen sie sich sogar. In solchen Fällen stützen wir uns auf die verlässlichere. Und wenn keine verlässlicher erscheint als die andere, dann nehmen wir eben die, die besser zur Song-Idee passt. Aber wir erfinden nie etwas, nur um etwas zu erfinden.»

Sabaton waren Headliner am diesjährigen Greenfield Festival in Interlaken. Sänger Joakim Brodén erklärt, wie die Band zu ihren Militärgeschichten kommt. (Interview: Nathalie Günter, Kamera: Martin Bürki)

Trotz des Anspruchs auf historische Korrektheit sehen sich die fünf Schweden nicht als Lehrer, sondern bleiben in erster Linie Musiker. «Unser Album ‹The Great War› dauert etwa 40 Minuten», so Brodén, «da können wir keine 4 Jahre Krieg abdecken.» Ein drei- bis vierminütiger Song könne kein finales Dokument sein. «Aber es ist natürlich schön, wenn wir die Leute dazu bewegen können, sich ausführlicher mit einer Geschichte auseinanderzusetzen.»

Statt auf trockene Vorträge setzen Sabaton also lieber auf kreischende Gitarren. Und davon gibts auf dem neuen Album reichlich: Im Vergleich zum Vorgänger «The Last Stand» (2016) kommt «The Great War» gitarrenlastiger, heavier daher: Bombastische, mächtige Stücke, angereichert mit Joakim Brodéns charakteristisch gerolltem «R», die ihre volle Kraft nur bei voller Lautstärke entfalten. Aber grundsätzlich überrascht das bei Sabaton nicht. Schon bei ihrer ersten Studioproduktion vor 15 Jahren, «Primo Victoria», setzten sie auf Epik.

Sabaton - Primo Victoria (Quelle: Youtube/Sabaton)

«Primo Victoria» verhalf Sabaton, eigentlich schon 1999 gegründet, damals zum Durchbruch. Bei dem Song entstand übrigens auch das Militärthema: «Wir hatten die Musik, aber der Text fehlte noch», erinnert sich Brodén. «Der Sound war mächtig, also wollten wir nicht übers Biertrinken oder übers Drachentöten singen.» Stattdessen thematisierten sie den D-Day – die Landung der Alliierten in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs. Es sollte, um es nach Sabaton-Art auszudrücken, einschlagen wie eine Fliegerbombe. Und tut es auch heute noch.


«The Great War», das neuste Album von Sabaton, ist ab 19. Juli im Handel erhältlich.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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