«Sidi», «Senne» und eine Volksabstimmung

Vereint gegen das UMA-Referendum: Alizarin, eine Band von Betroffenen, singen Klartext.

Die Band Alizarin ist ein Projekt unter der Leitung des Berner Produzenten und Musikers Higi Heilinger (ganz links).

Die Band Alizarin ist ein Projekt unter der Leitung des Berner Produzenten und Musikers Higi Heilinger (ganz links).

(Bild: PD)

«Wir sind ein Beispiel für gelungene Integration», sagt der Berner Produzent und Musiker Higi Heilinger. Er meint die Band Alizarin, deren musikalischer Leiter er ist. Sie besteht aus Musikerinnen und Musikern aus Afghanistan, Eritrea, Sierra Leone und der Schweiz – alle aus dem Kreis der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA).

Der Gymnasiallehrer Heilinger unterrichtet diese UMA seit 2016 in verschiedenen Fächern. Als er feststellte, wie gross ihr Interesse am schweizerischen Volksliedgut ist, lancierten er und weitere Betreuungspersonen zusammen mit den Asylsuchenden Alizarin. Zum Repertoire gehören die Favoriten der UMA: Mani Matters «Sidi Abdel Assar», Peter Rebers «Swiss Lady» oder Polo Hofers «Wägem Gäld». Natürlich bringen die Jugendlichen ihre eigene Musik mit: afrikanische Rhythmen, arabische Melodien und Bollywood-Schmalz. «Dass das alles zusammengeht, ist nicht selbstverständlich», gibt Heilinger zu bedenken.

Politisches Engagement

Nun engagieren sich Alizarin auch politisch. In Song und Video «Mir maches eifach» thematisiert die Band die schwierige Situation der UMA und die bürokratischen Hindernisse, die ihrer Integration im Weg stehen. Konkret spielen Alizarin auf die Volksabstimmung vom 25. November zum «Kredit für die Unterbringung und Betreuung» der UMA an, gegen den die SVP das Referendum ergriffen hat.

«Wir sind direkt betroffen», sagt Heilinger. Bereits heute sei das Betreuungs- und Bildungsangebot markant zurückgegangen. «Dabei zeigt meine Erfahrung, dass diese Jugendlichen hier etwas Sinnvolles machen möchten.» Den Text zum Song hat der Bieler Rapper Emmanuel Machado alias Mane geschrieben, der bis vor kurzem im Wohnheim Rain in Täuffelen als gelernter «Kochagoge» mitgeholfen hat, traumatisierte Jugendliche in den Alltag zurückzuholen.

Heilinger sieht Alizarin mit ihrem Politengagement im Einklang mit der «Rock gegen rechts»-Bewegung in Deutschland – und in der Tradition seines eigenen Wirkens. 1989 veröffentlichte sein Label «Black Cat» das Züri-West-Album «Bümpliz–Casablanca», wo Kuno Lauener im Song «Senne» die damals in der Schweiz grassierende Fremdenfeindlichkeit enttarnte. Bei Alizarin tönt das etwas weniger drastisch. «In der Band können wir alle voneinander lernen», meint ein versöhnlicher Heilinger. «Daran kann uns auch die Politik nicht hindern.»

Konzert: Donnerstag, 8.11., 19 Uhr, Zentralplatz, Biel.

Berner Zeitung

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