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So klingt der neue Schweizer Eurovision-Beitrag

Der Freiburger Gjon's Tears singt am ESC den französischen Titel «Répondez-moi». Eine erste Einschätzung.

Stolz auf seine Wurzeln: Gjon's Tears. Foto: «Le Matin Dimanche».
Stolz auf seine Wurzeln: Gjon's Tears. Foto: «Le Matin Dimanche».

Es ist wieder Eurovision-Zeit! Hilfe, denken nun die einen, andere freuen sich auf das alljährliche TV-Spektakel. Zwar ist es erst im Mai so weit, doch heute wurde der Schweizer Beitrag bekannt gegeben. Der Freiburger Sänger Gjon's Tears vertritt das Land in Rotterdam. «Répondez-moi» ist der Song, mit dem er an den letztjährigen Erfolg der Schweiz anknüpfen will. Damals hatte Luca Hänni den vierten Rang ersungen, mit «She Got Me», einer orientalisch angehauchten Disconummer, die verdientermassen zum Sommerhit wurde.

Die Messlatte liegt also hoch für Gjon Muharremaj, wie Gjon's Tears mit bürgerlichem Namen heisst. Zu seiner Nominierung lässt der Sänger mit albanischen und kosovarischen Wurzeln verlauten, dass es ihm das diesjährige ESC-Motto «Open Up» angetan habe: «Jeder fragt sich doch, woher wir kommen, wohin wir gehen. Besonders für Menschen mit Migrationshintergrund sind das essenzielle Fragen.»

Das ist bemerkenswert, aber die ESC-Mottos sind ungefähr gleich austauschbar wie die Mottos der Street Parade. Der Eurovision ist ein Wettbewerb, wo Kandidaten gnadenlos mit Punkten belohnt oder abgestraft werden. Und so stand auch der 21-jährige Gjon's Tears wie alle anderen Kandidaten vor der Entscheidung, auf sensiblen Singer-Songwriter zu machen oder mit einem Stimmungskracher oder einer Schmetterballade das ESC-Publikum zu überwältigen. Entschieden hat er sich für Letzteres; «Répondez-moi» ist ein gut geschmiertes ESC-Powerliedchen. Wahrscheinlich zu generisch für ein Spitzenresultat, aber für die Finalqualifikation könnte es reichen.

Ein Nachteil ist die Sprache. Seit 1988 die Kanadierin Céline Dion den Wettbewerb mit «Ne partez pas sans moi» für die Schweiz gewann, schaffte dies kein französisch gesungener Song mehr. Zu Gjons Gunsten dürfte wiederum seine Abstammung sprechen, die ihm Punkte aus Albanien zusichert, wo er bereits als 12-Jähriger bei «Albanians Got Talent» den dritten Platz belegte. Auch in Frankreich ist Gjon kein Unbekannter, in «The Voice: La Plus Belle Voix» schaffte er es ins Halbfinale. Und bei «Die grössten Schweizer Talente» erreichte er vor acht Jahren denselben Rang.

«Répondez-moi» hat Gjon’s Tears zusammen mit den Songwritern Xavier Michel, Alizé Oswald und Jeroen Swinnen im Schweizer Songwriter-Camp geschrieben. Eine Jury, bestehend aus 100 TV-Zuschauern und internationalen Experten, hat ihn aus 500 Beiträgen auserkoren. Doch ob er in Rotterdam wirklich antreten kann – lies: ob der Anlass überhaupt stattfinden wird –, darüber entscheidet wohl das Coronavirus.

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