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Soundmischung à la McCalla

Mit einem Mix aus kreolischer, französischer und amerikanischer Musik besuchte Leyla McCalla die Progr-Turnhalle in Bern. Die Cellistin und Sängerin stellt traditionsreiche Musik in einen aktuellen Kontext.

Leyla McCalla ist das Gegenteil von Mainstream. Sie spielt eine Musik, die verwurzelt ist in der Tradition und doch jung, aktuell und eigen tönt. Mit 31 Jahren hat es die in New York geborene Musikerin, die einer haitianischen Einwandererfamilie entstammt, zu beachtlicher Reife gebracht.

Bei ihren Konzerten in der gut besuchten Progr-Turnhalle (neben dem regulären Auftritt spielte sie am Nachmittag auch ein Familienkonzert) ist kein Ton, keine Geste, kein Wort zu viel. McCalla konzentriert sich auf ihre Songs, aber auch auf deren Wirkung auf das Publikum, das sie stets im Fokus behält und zum Mitmachen auffordert. Unaufdringlich, aber bestimmt.

Stolz und innig

Dass sie seit längerem in New Orleans wohnt, hört man Leyla McCallas Musik an. Sie mischt die Musik der Kreolen mit Gypsy-Jazz, singt Französisch, Englisch und im kreolischen Dialekt Haitis. Die klassisch ausgebildete Cellistin spielt einen eigenständigen Stil, rhythmisch verzwickt und ohne Pathos.

Oft vernetzt sie sich mit der Bratsche ihrer Begleiterin La Bria Bonet zu einem Sound, wie er schon vor hundert Jahren in den Lokalen von New Orleans gespielt wurde. Dann greift sich McCalla ihr Banjo und interpretiert stolz und innig einen Song von Bessie Smith namens «Muddy Water», in dem es um die Anziehungskraft des mächtigen Mississippis geht.

Als dritter Musiker im Bund fungiert ein unauffälliger, bärtiger Mann namens Daniel Tremblay, der ­Gitarre, Banjo und Triangel beisteuert und den McCalla gegen Schluss des Auftritts als ihren Ehemann vorstellt.

Der Bogen zur Gegenwart

McCalla war einst Mitglied der gefeierten Folkjazzband Carolina Chocolate Drops, die neben ihr mit Rhiannon Giddens eine weitere Hoffnungsträgerin des modernen Folk hervorgebracht hat. McCallas Lieder sind teilweise alt, doch die Sängerin hat sich intensiv mit der kreolischen Musik beschäftigt und stellt sie in einen aktuellen Kontext.

Ob sie nun von schlechten Ernten oder von der Dreistigkeit der reichen Leute singt: Stets spannt sie einen Bogen zur Gegenwart, von der Umweltpolitik bis zu Donald Trump. Es war kein lautes Sonntagskonzert, aber ein eindrückliches.

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