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«Und ausserdem schreiben wir besser als Wikipedia»

1973 erschien das erste deutschsprachige «Rock­-Lexikon». Jetzt erlebt es seine vierte Neuausgabe. Interview mit dem Mitautor Siegfried Schmidt-Joos.

Das erste «Rock-Le­xikon » erschien vor 35 Jahren. Wie kam es damals dazu? Zwei Jahre nach Woodstock und ein Jahr, nachdem ich im «Spiegel» eine Titelgeschichte über die neue Pop­musik geschrieben hatte, gab es international immer noch kein brauchbares Nachschlagewerk. Das Thema lag in der Luft, und der Rowohlt­Verlag bat mich, das «Rock-Lexikon» zu schreiben. Da ich als Redaktor beim «Spie­gel » gut zu tun hatte, holte ich mir Barry Graves als Partner, der für die «Welt» schrieb.

Wie recherchieren Sie die Beiträge im «Rock-Lexikon»? Indem wir Woche für Woche die gros­sen deutschen, englischen und amerikani­schen Tages- und Wochenzeitungen, Mu­sikzeitschriften und Nachrichtenmagazine auswerten. Dazu kommen Hunderte von Musikerbiografien und das Internet.

Braucht es das «Rock-Lexikon» heute noch? Das Internet liefert alle Informatio­nen gratis. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia ist als Faktensammlung konkurrenz-, aber nicht fehlerlos. Was wir von dort überneh­men, überprüfen wir an anderen Quellen. Im Unterschied zum Internet offerieren wir keinen Datensalat, sondern durchdrin­gen den Stoff, gewichten, pointieren durch knackige Zitate und bieten dem Leser eine Orientierungshilfe an. Ausserdem schrei­ben wir besser.

Erkennen Sie in der Rockmusik von heute noch neue Ideen? Durchaus, und nicht nur technologi­sche. Jedes Mal, wenn in der Rock-Ent­wicklung ein Endpunkt erreicht schien, haben die Musiker einen Haken geschla­gen und den Kritikern eine Nase gedreht. Denken Sie an Punk, Grunge, Hiphop und so weiter. In unserem globalen Zeitalter sind die Möglichkeiten der Begegnung mit der Weltmusik noch keineswegs ausge­schöpft. Und für neue Stile ist allemal Platz.

Das «Rock-Lexikon» wird immer dicker. Haben Sie auch Beiträge gestrichen? Wir haben nie Rockmusiker rausge­schmissen. Judee Sill beispielsweise war trotz zwei erstklassigen LPs nach ihrem Drogentod vergessen worden. Bei zwei Neuauflagen fragte der Lektor: Brauchen wir die noch? Jetzt wird sie wiederent­deckt und hochgepriesen. Soll heissen: Auf das «Rock-Lexikon» ist Verlass.

Wie viele CDs braucht man eigentlich, um sich in der Rockmusik auszukennen? Wer neu beginnt, braucht schon etwa 1000 Platten, um sich Massstäbe zu er­schaffen. Wer von der Klassik oder vom Jazz her kommt und schon einen Zugang zur Musik hat, kommt auch mit weniger aus. Wenn es die 100 richtigen sind.

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