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Unterhaltsam den Bombast durchpflügt

Als Unterhalter macht er seine Sache wirklich gut. Auch mit 70 Jahren singt Neil Diamond kräftig und überzeugend, zeigt Charme und Humor

Hat viele gute Songs geschrieben, aber kaum grosse: Neil Diamond.
Hat viele gute Songs geschrieben, aber kaum grosse: Neil Diamond.
Keystone

Neil Diamond weiss das Konzertpublikum auch in den entlegenen Sitzkategorien ins Geschehen einzubinden und beweist sogar Biss, wenn er den Brüller, der seine Moderationen mehrmals unterbricht, mit einem kurzen «Klappe!» zum Schweigen bringt. Problematisch am gut besuchten Konzert vom Mittwoch – Diamonds erstes Zürcher Gastspiel in 22 Jahren – ist darum nicht der Musiker, sondern die Musik. Denn er hat viele gute Songs geschrieben, aber kaum grosse.

Songs wie verlängerte Refrains

Zwar stellt die 14-köpfige Begleitband den farbenprächtigen Sound der Originalaufnahmen mit ihren dunklen Bässen, bebenden Frauenchören und steifen Rhythmen gekonnt nach, doch täuscht diese meisterliche Rekonstruktionsarbeit nicht darüber hinweg, dass sich die Songs des US-Amerikaners wie verlängerte Refrains ohne viel Vers drum rum anhören. Und da das Repertoire kaum erzählerische Substanz enthält, münden viele Arrangements nicht in die angepeilte Dramatik, sondern in einen ratlosen Bombast.

Elan statt musikalische Qualität

Die grosse Ausnahme ist das an sich hochsentimentale Duett «You Don’t Bring Me Flowers», das mit seiner eleganten Melodie und dem evokativen Text überraschend berührend wird. Andere Hits wie «Forever In Blue Jeans», «Red Red Wine» oder «Sweet Caroline» wirken hingegen wie aufgebauschte Werbejingles, die ebenso eingängig wie vergänglich sind. Den grossen Applaus, den das Publikum ihm nach zwei Stunden beschert, hat sich Neil Diamond trotzdem verdient. Weniger mit der aufgeführten Musik als mit seinem unterhalterischen Elan.

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