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Was Chrissie Hynde mit Züri West zu tun hat

Der frühere Züri-West-Schlagzeuger Samuel Mumenthaler über die Anfänge der Band – und darüber, wie Chrissie Hynde es ihnen damals angetan hat.

Am Freitag spielt Chrissie Hynde mit ihrem Jazzorchester in Zürich.
Am Freitag spielt Chrissie Hynde mit ihrem Jazzorchester in Zürich.
PD

Chrissie Hynde singt jetzt Jazz. Eine Bieridee? Schliesslich war die Frau mit den Mascara-Augen und dem Ponyschnitt mal unsere Rockgöttin – eine Art weibliches Pendant zu Keith Richards. Im Mai 1984 war das: The Pretenders, Chrissies Rockband, spielten im Volkshaus Zürich.

Zuvor waren zwei der Gründungsmitglieder den Drogentod gestorben, doch Chrissie liess nicht locker, engagierte neue Musiker und sang mit ihrem unverkennbaren Tremolo. Wir waren von Bern nach Zürich gepilgert, um ihre Segnungen entgegenzunehmen.

Wir, das waren die frisch gegründeten Züri West. Wir wollten jetzt auch punkig rocken, und in unserem noch sehr übersichtlichen Repertoire befand sich ein Instrumental, das einfach «Pretenders» hiess. Neben Chrissie tat es uns besonders der hart arbeitende Drummer Martin Chambers mit der Teddy-Tolle an.

Er liess mit seinen Schlägen auf das Standtom wahre Fontänen explodieren, da er zuvor Wasser aufs Trommelfell gegossen hatte. Klar, dass wir das an unseren Konzerten nachstellten. Allerdings gab es eine Sauerei: Wir verwendeten Bier statt Wasser.

Sowohl The Pretenders wie Züri West gibt es immer noch, aber natürlich sind weder diese Bands noch die Welt, in der sie spielen, dieselben. Rock ist am Sterben, vermerkt Chrissie Hynde in den Liner Notes zu ihrem jazzigen Big-Band-Album «Valve Bone Woe» ganz ohne Emotionen.

Die frühere Musikjournalistin erinnert daran, dass Rock einst den Jazz zum Verstummen brachte und dass Jazz heute zu Recht wieder mehr Gehör findet. «Auf diesen Zug springe ich gern auf», sagt die Wagemutige. Aber funktioniert es auch, wenn eine Rockerin Jazz singt?

Zumindest zum Teil. Hynde scheut vor Experimenten nicht zurück, kombiniert Standards von Frank Sinatra und Charles Mingus mit Pop-Perlen aus der Feder von Brian Wilson oder Nick Drake. Sie kennt ihre Grenzen und weiss, dass sie keine Billie Holiday ist.

So überlässt sie der Big Band viel Platz für Experimente mit Dub und orchestralen Dissonanzen. Es ist die Attitüde, die hier zählt – und sie stimmt immer noch. Am Freitag spielt Chrissie Hynde mit ihrem Jazzorchester in Zürich. Nicht verpassen.

Chrissie Hynde & the Valve Bone Woe Ensemble, 22.11., Volkshaus Zürich. Album: Chrissie Hynde: «Valve Bone Woe». Unser Autor Samuel Mumenthaler war der erste Schlagzeuger von Züri West.

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