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Wie man die Jugend im Popmarkt einsackt

Mit Mühe versucht Britney Spears derzeit ihr Image als Popprinzessin wiederherzustellen. Solche konventionellen Figuren stellt die provokative Pink seit Jahren in Frage und hat sich damit ein alternatives Marktsegment erschlossen.

Vor acht Jahren war die Popwelt noch in Ordnung. Britney Spears sorgte für Unterhaltung statt Skandale, trällerte «Oops! I Did it again». Doch dann das: Alecia Beth Moore alias Pink flimmerte erstmals über die Musikkanäle und sorgte für Verwirrung. Mit grellpink gefärbtem Haar, Lederklamotten und aggressivem Auftreten wollte sie so gar nicht ins Bild eines Popstars passen. Und doch war ihre Musik Pop. Hätte sie dafür nicht blond und blauäugig sein und über Liebe und Klamotten singen müssen?Wütend und unverstandenBei Pink ging es von Anfang an um andere Themen: Sie sang über Alltagsfrust, Schulprobleme und wie sie als Teenager niemand ernst nahm. Die Texte der damals 21-Jährigen waren wütend und zeigten eine junge Frau, die sich von der Welt unverstanden fühlte – ganz wie ein Teenager. Unzählige Jugendliche, die sich bisher als Randgruppe gefühlt hatten, identifizierten sich damit und machten Pink zu ihrer Gallionsfigur. Und die Musikindustrie entdeckte eine verlorene Generation wieder.Schon in den Anfängen des Rock’n’Roll hatte die Musikindustrie gemerkt, dass Teenager ein eigenes Marktsegment bilden. Zwar war die Kaufkraft der Jungen damals eher beschränkt. Aber sie waren leicht zu begeistern und behielten, nachdem sie aus dem Teenageralter heraus waren, ihre Kaufgewohnheiten bei. Damit spülten sie der Musikindustrie während der letzten fünfzig Jahre Milliarden in die Kassen. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Die Musikindustrie findet vor lauter Krisen keine Zeit mehr, sich ihre Kundschaft über Jahre aufzubauen. Das Geld muss sofort her (wobei die Teenager heute über ein beträchtlich höheres Budget verfügen als ihre Eltern damals). Digital und DauerstressDoch die «Generation D», wie sie von der Unterhaltungsindustrie genannt wird, hat nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Sorgen. Das D im Namen steht nicht nur für «digital» und «Download», sondern auch für «Dauerstress». Die Anforderungen in den Schulen steigen, Mobbing, Gewalt und Rassismus nehmen zu. Und der Arbeitsmarkt ist so schwierig geworden, dass viele Jugendliche auch nach dreissig Bewerbungen immer noch ohne Lehrstelle sind. Und all das in einer Lebensphase, in der man sich ohnehin unsicher, unverstanden und ungeliebt fühlt.Abkehr vom EntrücktenAls Pink erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, hatte die Celebrity-Kultur mit ihren realitätsentrückten Schönheits- und Verhaltensidealen ihren Zenit bereits überschritten. Die Vorbilder, die in den Klatschspalten abgefeiert wurden, wirkten immer verkorkster. Gleichzeitig wurde der Marktanteil der von der Industrie als «normal» bezeichneten Jugendlichen immer kleiner. Die Süssen und die anderenDie Teenager, die noch in dieses Marktsegment passten, blieben der Popprinzessin Britney Spears treu, die sich damals noch tadellos verhielt und mit leicht-süffiger Musik nicht nur für Unterhaltung sorgte, sondern für viele Junge Vorbildfunktion hatte. Die anderen jedoch, die es satthatten, immer zu jemandem aufzublicken, der all das repräsentierte, was sie nicht waren (glücklich, süss, unbeschwert), wurden noch den Randsparten-Genres wie Grunge oder Metal überlassen.Erst als Pink 2000 mit ihrem Debütalbum «Can’t Take me home» die Bildfläche betrat, änderte sich das. Mit ihrem frechen Auftreten konnten sich die Jungen identifizieren. Sie hatte dasselbe durchgemacht wie ihre Fans – nur eben nicht in der Schule, sondern im Musikbusiness. Ein neuer MarktDoch erst als sich ihre erste Platte weltweit fünf Millionen Mal verkaufte, merkte man auch bei den Majorlabels, dass es durchaus Bedarf an Alternativen zu konventionellen Popstars wie Britney Spears gab. Nicht dass man sich in der Musikindustrie wirklich für die Probleme von Teenagern interessiert hätte. Aber Pinks Erfolg zeigte, dass sich mit einem etwas realitätsnäheren Popact eine Menge Geld verdienen liess. Ohne es zu wollen, hatte die Sängerin mit ihrer authentischen und direkten Art innert kürzester Zeit einen Markt erschlossen, was vorher als hoffnungslos galt.>

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