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«Zum Glück gibts die Musik»

Singer-Songwriter-Weltstar James Blunt (43), der in Verbier ein Chalet und das Pistenrestaurant La Vache ­besitzt, über sein fünftes Studioalbum «The Afterlove», negative Tweets und lebenserschütternde Momente.

James Blunt: «Ich will kein zweites ‹You’re Beautiful› schreiben.»
James Blunt: «Ich will kein zweites ‹You’re Beautiful› schreiben.»
zvg

James Blunt, Ihre ersten vier ­Alben eroberten alle die Spitze der Charts. Sind Sie vor der ­Veröffentlichung der neuen CD nervös?James Blunt: Was die Qualität angeht, bin ich selbstbewusst. Und meine Freunde behaupten, sie müssten endlich nicht mehr lügen, wenn sie sagen, dass sie meine Songs mögen! (lacht) Unsicher bin ich, was den Erfolg angeht. Da die Songs anders klingen, lässt sich schwer abschätzen, wie die Leute reagieren werden.

Was hat sich verändert? Normalerweise schreibe ich für ein Album 25 Songs und wähle dann die besten 10 aus. Diesmal waren es 100. Ich arbeitete in Los Angeles mit The Weeknd, Stefan Moccio und Mozella. Und ich flog von Venedig rasch nach Rotterdam, um mit Ryan Tedder von One Republic drei Stunden vor seinem Auftritt beim MTV European Music Award «Lose My Number» zu schreiben.

Wie war die Zusammenarbeit mit Tedder? Als wir meinen letzten Nummer-eins-Hit «Bonfire Heart» schrieben, begleitete ich ihn wie ein Groupie und war auch im One-Republic-Tourbus. Er versteht, wenn ich sage, dass ich kein zweites «Bonfire Heart» oder «You’re Beautiful» schreiben will, obwohl die Plattenfirma das gerne hätte. Es reicht, wenn du im Leben einen solchen Song geschrieben hast.

Hits zu landen, scheint Ihnen aber immer noch wichtig zu sein. Bei der aktuellen Single «Love Me Better» setzen Sie auf den momentan angesagten elektronischen Sound. Das war kein bewusster Entscheid. Wenn man den Song ­herunterbricht, besteht er aus meinem Gesang, einer Gitarre und einem Rhythmus. Aber es stimmt: Wir haben die Keyboards mehr aufgedreht. Es gab sie schon früher, nur mehr im Hintergrund.

Sie singen in diesem Liebeslied auch darüber, dass Sie in den Social Media beschimpft werden. Ich finde es seltsam, dass wir uns immer auf das Negative fokus­sieren. Wenn ich ein Konzert im Zürcher Hallenstadion gebe, werde ich im nächsten Interview nicht auf die 10 000 begeisterten Reaktionen angesprochen, sondern auf einen einzigen negativen Tweet. Aber ich habe mir da eine dicke Haut zugelegt. Und ich lache über mich selbst, wenn ich mich trotzdem mit diesen Auswüchsen beschäftige.

Hitverdächtig klingt auch die Pianoballade «Don’t Give Me Those Eyes». Ist der mehrstimmige Refrain eine Hommage an Ihre Idole? Ja, das ist der Musikstil, mit dem unsere Generation aufgewachsen ist. Es ist einer meiner Lieblingssongs. Er musste opulent sein, weil er ein starkes Gefühl auszudrücken versucht: Den Schmerz, wenn du merkst, dass du eine ­Beziehung beenden musst, weil sie nicht richtig ist. Sich dies ­einzugestehen, ist ein lebens­erschütternder Moment.

Haben Sie das selbst erlebt? Der Song basiert auf geborgten wie auf eigenen Erfahrungen.Was hat Sie bewogen, ein politisches Lied wie «Someone Sing Along» zu schreiben?

Es wäre erstaunlich, wenn ich nicht an der Politik interessiert wäre – heute, wo sie Unterhaltung geworden ist! (lacht) Es brauchte auch gar keine Fantasie. Der Song erzählt einfach, was vor unseren Augen gerade stattfindet. Und er prangert an, dass wir vor allem nach den Unterschieden in Rasse, Religion oder Hautfarbe suchen, um uns von unseren Mitmenschen abzugrenzen, statt nach Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Zum Glück gibt es die Musik. Sie schafft es, die Menschen zusammenzubringen.

Apropos: Stimmt es, dass der Schnee von Verbier Sie mit Ed Sheeran zusammengebracht hat? Ja, er wollte Ski fahren lernen. So bin ich am Nachmittag mit ihm auf die Piste, und abends hat er mit mir Songs geschrieben. Das war ein fairer Deal.

Was haben Sie voneinander ­gelernt? Sie müssen Ed fragen, wie ich als Skilehrer bin, aber wir hatten viel Spass, denn er ist ein mutiger und enthusiastischer Schüler. Ed, der für seine Offenherzigkeit bekannt ist, hat beim Texten an Stellen mehr aus mir herausgekitzelt, wo ich früher auf halber Strecke Angst vor der eigenen Courage bekam, weil ich nicht zu viel von mir preisgeben wollte.

Ihr Hauptwohnsitz ist Ibiza. Wie oft sind Sie im Wallis? So viel ich kann! Verbier ist einer der schönsten Orte der Welt. Mir gefällt es, dass das Dorf so klein ist, dass jeder jeden kennt. Ich bin vor allem im Winter dort, aber es ist auch im Sommer wunderschön, wenn es grün und viel leerer ist.

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