Zurück zu den Wurzeln (und zum Schwarzfahren)

Soundcheck

Das Duo Bluesalot spielt den Blues ohne Schnickschnack, dafür mit Hingabe. Gute Voraussetzungen für eine Art Heimspiel in Stef’s Kultur-Bistro in Ostermundigen.

Bluesalot live: Stefan Crollet (links) und Lukáš Machata.

Bluesalot live: Stefan Crollet (links) und Lukáš Machata.

(Bild: Samuel Mumenthaler)

Ostermundigen, Samstagabend. Die Autos, die auf der Bernstrasse kreuzen, sind unbeeindruckt, und auch eine Familie beim Abendspaziergang, die den Sohnemann in einem riesigen Spielzeug-Offroader nachzieht, bleibt mit sich selber beschäftigt.

Doch in Stef’s zentral gelegenem Kultur-Bistro beim Tell-Saal, wo einst der heutige Hallenstadion-Act Joe Bonamassa spielte, ist die Stimmung angeregt. Spontan hat Bistro-Betreiberin Stefanie Affolter das Konzert des Basler Duos Bluesalot ins Gärtli verlegt. Sie engagiert nur, was ihr persönlich gefällt, und die Musiker spielen für «Hutgeld», Speis und Trank.

Bluesalot: I'm Shaking Quelle: loukash.com

Das Ambiente an diesem Sommerabend ist denn auch intim: Vor allem Familienangehörige und alte Musikerkumpel sind erschienen und geniessen das leise Auffrischen nach einem weiteren heissen Tag. Dabei sind Bluesalot, die den Abend ohne Schnickschnack, aber mit Hingabe bestreiten, ein lebendiges Stück Berner Musikgeschichte.

Auch mit «Sleepy Dan» Boemle hat «Lou Kash» Machata einst im Duo gespielt.

Gitarrist Lukáš Machata war Mitgründer der legendären Ugly Bluz Connection, die ab Mitte der 1980er elektrisierenden Blues auf die Berner Strassen brachte und später zum Treffpunkt talentierter Musiker wurde: Drummer Andi Hug und Keyboarder Christian Brantschen sind heute bei Patent Ochsner, Bassist Joel Kaiser spielt bei Chica Torpedo.

Unbestrittener Mittelpunkt der Ugly Bluzer war aber ihr Sänger Dänu «Sleepy Dan» Boemle, ein Freigeist und Freibeuter, der später als Radiomann und Künstler von sich reden machte und eine Integrationsfigur der Berner Szene war. Dem 2007 verstorbenen Weggefährten zollen Bluesalot Tribut: Sie spielen ein paar Nummern aus dem Ugly-Repertoire, etwa den hypnotischen Song «Ball Game», wo ein Schwarzfahrer sich bei einer Billettkontrolle im Tram eine Kugel in den Kopf schiesst. Der Song könnte aus dem Leben gegriffen sein: Boemle war als Schwarzfahrer erfahren.

Seit längerem hat Lukáš Machata, alias Lou Kash, seine Zelte in Basel aufgeschlagen und kehrt mit dem Duo Bluesalot zurück zu seinen Wurzeln – auch mit Dänu Boemle war er einst zu zweit aufgetreten. Sein jetziger musikalischer Sparringpartner ist der Belgier Stefan Crollet alias Bald Headed Eagle: Ein versierter Sänger und Harmonikaspieler, der vor allem bei Klassikern wie Ray Charles’ «Hallelujah I Love Her So» und Joe Turners «TV Mama» zu Hochform aufläuft.

Derweil fährt Lou Kash mit seinem Slide-Röhrchen über den Gitarrenhals, klopft auf einem eigens dafür eingerichteten Holzbrett (samt Tonabnehmer) den Takt und steuert einige berndeutsche Songs bei – «eine Art Blues», wie er selber meint. Die Reduktion auf die Essenz steht dem Blues gut – auch wenn eine kurze Gasteinlage des Bassisten Claudio Gehrig für Abwechslung sorgt.

Sie eignet sich für Konzerte im kleinen Rahmen und fördert die Mobilität: Schliesslich waren die frühen Blues-Stars oft zu Fuss oder als Schwarzfahrer in Güterwaggons unterwegs. Das haben auch andere gecheckt: Am nächsten Samstag spielt das Duo Blues For Your Pocket (Tinu Diem / Könu Rohrer) im Carpe Diem im Breitenrain und streckt den guten alten Blues mit etwas Reggae.

Nächstes Konzert in Stef’s Kultur-Bistro: Sa, 31.8., Marco Habegger.

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