Abchärnig mit Sauce und Träuffelig

Ein Wiedersehen mit Timmermahns Abstrusitätenkabinett: Auch «Blöffers Hochzyt» ist herrlich komisch, aber lehnt sich gar nah an das Original an.

Mahlzeit! Blöffer (links) und Entourage bei der Abchärnig.

Mahlzeit! Blöffer (links) und Entourage bei der Abchärnig.

(Bild: foto-graf.ch)

Michael Feller@mikefelloni

Pastetli mit Brätchügeli: Bevor es losgeht, wird an den langen Tischen im Säli währschaftes Essen serviert. Herrlich speist man da. Was würde besser passen als Ein­stimmung auf Timmermahns Schwank, der in einem grobschlächtigen, ländlichen Fantasieberndeutsch spielt.

Die Erwartungen sind hoch in der Heitere Fahne in Wabern. «Der Blöffer» war vor zwei Jahren eine Offenbarung in Sachen Unsinn und Pointendichte, ein Zwerchfelltöter erster Güte. Können der Autor und das Schauspielensemble die nächste Absurditätsstufe zünden?

Pulvers Sprachübungen

Zunächst sieht es ganz danach aus: Nicht etwa der Blöffer (Dominique Jann), dieser für nichts zu gebrauchende Angeber, betritt als Erster die Bühne, sondern Lisotter Pulver (Giulin Stäubli), ein Schauspieler, der in der Küche der verdutzten Lisabeth (Sonja Riesen) «miner Sprachübungen» macht und auf der Bühne herumkaspert. Das ist lustig, sehr lustig. Aber tut eigentlich nichts zur Sache. Lisotter Pulver wird keine Rolle mehr spielen. Das ist die Timmermahn-Unlogik, die die Fans so lieben. Wer eine sinnvolle Handlung erwartet, ist am falschen Ort.

Am Ende findet «Blöffers Hochzyt» statt, so viel verrät der Name des Stücks, bis dahin ist ­alles möglich: Der Blöffer wird nach einem Angelunfall unter der Anleitung von Vati Summerhalder (Jonathan Loosli) verarztet. Die «ambulante Uströchnig» des in der Nase steckenden Angelhakens führt die zwei Familien Summerhalder und Blöffer auf einen Elefantenritt in die imaginäre Wüste. Blöffers Frau Müriel (Marie Omlin) ist mit einer Hausgeburt beschäftigt. Walterli (Ursula Stäubli) liest einen Aufsatz vor.

Herr Lädermaa mit dem Ostschweizer Dialekt (wieder Giulin Stäubli) wird zum heimlichen Star des Abends. Und es wird auch auf der Bühne gegessen: «E schöni Abchärnig mit Sauce und Träuffelig» kommt auf den Tisch. Was das ist? Keine Ahnung. Nur wissen wir nach dem Theater, dass es zur Vorbereitung einer «Vor­brätt­riegelig», eines «Rundlochkärcher» und eines «Chärnspauter» bedarf. Im Wesent­lichen werden zwei Brote aus­gehöhlt. Ja, das ist ganz schön ­absurd.

Déjà-vus

Das Wiedersehen mit den Figuren aus Teil eins ist wie heimkommen. Schade nur, dass die gute Stube jener aus dem Original letztlich zu sehr ähnelt. Bei vielen Sprüchen und Handlungsfetzen beschleicht einen ein Déjà-vu. Dennoch: Langweilig wird es nie in den zweieinhalb Stunden mit Pause (Regie: Dominique Saner). Irgendwas passiert immer, was auch immer.

Weitere Vorstellungen: bis 18. 6., Heitere Fahne, Wabern. www.dieheiterefahne.ch

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