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Ballenberg-Theater: «Wir erfüllen mit Leben, was schon da ist»

Im Freilichtmuseum Ballenberg (FLM) erleben Besuchende über 20 Jahren ein Zusammenwirken von Landschaft, Architektur und einer von Profis unterstützten rund 30-köpfigen Laientruppe.

Eine Szene aus Via Mala.
Eine Szene aus Via Mala.
Markus Hubacher

Im Freilichtmuseum Ballenberg (FLM) erleben Besucherinnen und Besucher seit 1991 ein Zusammenwirken von Landschaft, Architektur und einer von Profis unterstützten rund 30-köpfigen Laientruppe.

Einer von ihnen ist der 67-jährige Paul Eggenschwiler, der bei 15 von bisher 19 Aufführungen des Landschaftstheaters selbst auf der Bühne stand. Seit 2008 trägt er zudem die künstlerische Verantwortung für den Theaterbetrieb.

Eggenschwiler ist überzeugt, dass das FLM über einen grossen Trumpf verfügt, den es möglichst gekonnt spielen muss: «Wir haben alles und müssen nur an den richtigen Ort hingehen. Dann können wir packendes Theater machen.» Unter Einbezug ländlicher Bauten aus unterschiedlichen Epochen sollen historische und aktuelle Stoffe wirkungsvoll inszeniert werden.

Selber hat Paul Eggenschwiler über 300 Mal an einem der Schauplätze mitgewirkt, als Dorftyrann, Polizist, Wirt, Kommissar, als schüchterner Peterli an der Seite des rabiaten Dürluft-Eisi in der «Vehfreude» oder letztes Jahr im «Vehsturz» als Brienzer Dichter Albert Streich.

Dabei erlebte er, dass das Zusammenwirken von Profis und Laien für beide Seiten ein Gewinn ist.

Die Proben beginnen im März, die letzte Aufführung ist gegen Ende August. Dieses grosse Engagement wird mit einem Tausender plus Spesenanteil abgegolten. Nebst Talent brauche es viel Begeisterung für die Sache, ist Eggenschwiler überzeugt. Dazu kommt die gute Zusammenarbeit mit dem FLM, die gemäss Eggenschwiler nie in Frage stand.

Schlange im Mist

Fast ein Vierteljahrhundert Landschaftstheater auf dem Ballenberg - da gab es doch gewiss auch Zwischenfälle, die für Aufsehen sorgten, will die sda wissen.

Lebensgefährlich war es, als bei den Proben zum «Fähnlein der sieben Aufrechten» ein Blitz den Mann einer Schauspielerin durchfuhr. Der Schirm war ihm zum Verhängnis geworden. Der Mann kam ohne bleibende Schäden davon.

Für «Dürluft-Eisi» und seine seltsamen Experimente brauchte es im Jahr 2000 eine Ladung Mist. Beim Abladen kam darin eine Viper zum Vorschein, die sich eilig aus dem Staub machte. Nach gründlicher Untersuchung des Haufens wurde beschlossen, dem Eisi, gespielt von Lilo Faveri, nichts zu sagen.

Oder die nicht nur im Stück, sondern auch in der Realität trinkfreudigen Bauern Manz und Marti im allerersten Stück «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von 1991: Als einmal ein offensichtlich betrunkener Laie von einer Aufführung ausgeschlossen wurde, setzten sich Hannes Schmidhauser und Franz Matter, die die verfeindeten Bauern spielten, für den Mann ein: Bei ihnen sei das immer mal wieder vorgekommen, sagten sie.

Es muss passen

Paul Eggenschwiler verhehlt nicht, dass das Landschaftstheater grosse Herausforderungen zu meistern hat. Seit 1991 habe die Konkurrenz enorm zugenommen, so dass eine Zahl von über 20«000 Zuschauern pro Saison wie damals nicht mehr erreichbar sei.

Doch hoffe man für dieses Jahr mit «Via Mala» und dem dämonischen Andrea Zogg in der Hauptrolle auf 16«000 oder etwas mehr. «Via Mala» wird auf dem Ballenberg vom 9. Juli bis 23. August gespielt.

Was auf dem Ballenberg wirklich nicht geht, das seien Experimente, ist Eggenschwiler überzeugt. Man habe es bei Stücken wie «Schluck und Jau oder «Der Drache schmerzlich erlebt. Auf den Ballenberg passten Stücke mit klarem Bezug zur Schweiz und zum Landleben. Und so kommt 2015 und 2016 wieder Gotthelf auf die Bühne - mit «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter».

SDA/cla

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