Bonnie und Clyde im Stall

Die Ganoven scheitern. Dem Hof-Theater aber gelingt mit «Zwei wie Bonnie und Clyde» eine witzige Komödie. Die Bühne gastiert bei Bauern, am Samstag in Zwieselberg bei Amsoldingen.

Lassen kein Klischee aus: Hans Peter Incondi, Barblin Leggio.

Lassen kein Klischee aus: Hans Peter Incondi, Barblin Leggio.

(Bild: zvg)

Peter Steiger

Bonnie and Clyde waren ein smartes Gaunerpärchen. Im Kultfilm von 1967 fuhren sie mit schönen Autos zu schöner Musik durch das Amerika der Dreissigerjahre und endeten im Kugelhagel der allerbrutalsten Art.

Und all das nun bei Schweizer Bauern? Ja, das geht. Zum einen, weil das Hof-Theater eine lustige Adaption des Stoffs benützt. Das Autorenpaar Tom Müller und ­Sabine Misiorny hat eine Bühnenversion geschrieben, die mit wenig Aufwand überall gespielt werden kann.

Und zum andern nutzt die professionelle Bühne die Situation vor Ort. Auf ihrer Tournee gastiert sie auf 33 Bauernhöfen. Jedes Mal verwendet sie, was der Ort hergibt: die Strohballen, die Scheune, die leer geräumte Maschinenhalle.

Der Macker und das Tussi

Manni (Hans Peter Incondi) und Chantal (Barblin Leggio) wollen Bonnie und Clyde nacheifern. Richtig ausgebuffte Bankräuber möchten sie sein. Regisseur Daniel Rothenbühler hat «Zwei wie Bonnie und Clyde» als muntere Mundartkomödie inszeniert.

Sie lebt von Wortwitz und überraschenden Einfällen und ist lustig, weil ein hypernervöser Macker und ein hypernaives Dummerchen zusammentreffen. Manni und Chantal scheitern immer wieder, mal durch Zufall, mal durch miese Planung. Das wird ­irgendwann vorhersehbar. Ein paar Streichungen hätten dem 90-minütigen Stück noch mehr Schwung verschafft.

Hans Peter Incondi ist seit anderthalb Jahren Geschäftsführer des 2005 gegründeten Hof-Theaters. Er hat bereits bei früheren Produktionen mitgewirkt. Als Manni gibt er den Macho und Möchtegernganoven und trampelt gekonnt auf der Psyche von Chantal herum. Barblin Leggio überzeugt mit komödiantischem Talent. Der Macker und das ahnungslose Tussi lassen bei ihrer Beziehungskiste kein Klischee aus. Sollen sie auch nicht. Das Zweipersonenstück ist kein Beitrag zur Gleichstellungsdebatte, sondern amüsante Unterhaltung.

Kulinarisches frisch vom Hof

Chantal und Manni gelingt rein gar nichts. Die gastgebenden Bauern sind da weit erfolgreicher. Indem sie ihren Hof als Spielort zur Verfügung stellen, verschaffen sie dem Publikum ein besonderes Erlebnis. Die Besucher sitzen auf Strohballen, mitunter hören sie die Kühe muhen oder einen zeitlich verirrten Güggel krähen. Vor und nach der Vorstellung geniessen sie, was die Landwirte als Temporärgastronomen zu bieten haben.

Im Stück lachen die Zuschauer, weil das Ganovenpärchen zwar kein Geld, aber zwei Fertigmahlzeiten erbeutet. Im kulinarischen Beiprogramm der Theatertournee gibts keine Instantgerichte, sondern regionale Küche frisch ab Hof: mal Hamme, mal Spargeln, mal Würste.

Berner Zeitung

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