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Der Chor der Maschinen-Männer

Briefmarkenopern, Hydraulikkunst und der Zufall als Komponist: Ein Festival in der Berner Dampfzentrale zeigt, was das zeitgenössische Musiktheater zu bieten hat. Ein Highlight: der «Pendulum Choir» mit singenden «Robotern».

Hybridwesen zwischen Mensch und Maschine: Der neunköpfige Männerchor in «Pendulum Choir» des Erfolgsduos Cod.Act.
Hybridwesen zwischen Mensch und Maschine: Der neunköpfige Männerchor in «Pendulum Choir» des Erfolgsduos Cod.Act.
zvg

Wie passend. Wo wenn nicht in die Berner Dampfzentrale gehören sie hin, diese Hybridwesen zwischen Mensch und Maschine, zwischen Retrocharme und futuristischer Strenge? Wie Stelzen wirken die Hydraulikpumpen, vermeintliche Relikte des ehemaligen Berner Kraftwerks. Darauf neun Männer in Schwarz, aufgepfropft, geheimen Kräften ausgesetzt, in ständiger Bewegung, ohne vorwärtszukommen. Nur der Gesang, der Atem, darf sich ungehindert ausbreiten. Dumpf, düster, diszipliniert klingen die Töne, als ob sich ein Männerchor für Carl Orffs «Carmina Burana» einsingen würde. Doch dann dreht die Archaik ins Grelle, Stimmen verselbstständigen sich, im Einklang mit den Bewegungen der Hydraulikpumpen, aus Geräuschen werden Wortfetzen, aus Fetzen lateinische Staccato-Sätze, die zu einer Unisono-Hymne zerfliessen. Wohlklang, so rätselhaft wie die Kakofonie zuvor.

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