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Die Fieberkurve steigt im Vogellisi-Ensemble

Nächsten Freitag geht im Schnittweier in Steffisburg die Premiere des Freilichttheaters «Vogellisi» über die Bühne. Wir haben das Ensemble der Oberländer Märlibühni bei einer Probe besucht.

Noch ohne Kostüme, aber bereits mit viel Leidenschaft am Werk: Vogellisi (rechts, Désirée Naef) und ihre Mutter (Jacqueline Simon)  in einer Probe für das aktuelle Freilichttheater der Oberländer Märlibühni.
Noch ohne Kostüme, aber bereits mit viel Leidenschaft am Werk: Vogellisi (rechts, Désirée Naef) und ihre Mutter (Jacqueline Simon) in einer Probe für das aktuelle Freilichttheater der Oberländer Märlibühni.
Gabriel Berger
Die Kulisse im Schnittweier steht: Links das Hüttchen von Kräuterfrau Guandalenda und ihrem Bruder Tuck, rechts das Grandhotel.
Die Kulisse im Schnittweier steht: Links das Hüttchen von Kräuterfrau Guandalenda und ihrem Bruder Tuck, rechts das Grandhotel.
Gabriel Berger
Vorbesprechung kurz vor Probenbeginn: Regisseurin Annemarie Stähli (mit schwarzer Mappe) gibt den Darstellern Anweisungen.
Vorbesprechung kurz vor Probenbeginn: Regisseurin Annemarie Stähli (mit schwarzer Mappe) gibt den Darstellern Anweisungen.
Gabriel Berger
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Es ist windig und verhältnismässig kühl an diesem wolkenverhangenen Sommerabend im Schnittweier in Steffisburg. Aber immerhin regnet es nicht. «Diese Szene verlief letztes Mal noch gar nicht, wie sie sollte», sagt Annemarie Stähli. «Was sicher auch am Regen lag», entgegnet eine Schauspielerin. «Das stimmt. Aber wenn es dann ernst gilt, werden wir dem Regen auch nicht immer die Schuld geben können», meint Stähli.

Die Regisseurin des Freilichttheaters «Vogellisi» steckt mit den Darstellerinnen und Darstellern der Oberländer Märlibühni mitten in der Vorbesprechung der heutigen Probe. Seit Januar trifft sich das 35-köpfige Ensemble mehrmals pro Woche, um das Naturmärchen rund um das geheimnisvolle Mädchen aus Adelboden, das mit allen Vögeln sprechen kann, einzustudieren.

«Diese Szene verlief letztes Mal noch gar nicht, wie sie sollte.»

Annemarie Stähli, Regisseurin

Was zunächst drinnen begann, üben die Schauspieler seit April draussen vor Ort im Schnittweier und seit ein paar Wochen zusammen mit den Sängerinnen und Sängern des Ensembles.

Die Herausforderungen gehen Stähli, Co-Leiterin Renate Rubin und ihrem Team wenige Tage vor der Premiere vom 14. Juli nicht aus. An diesem Abend wird die erste Hälfte des Stücks Szene für Szene durchgegangen.

Zunächst geht es aber einmal darum, einen Ersatz für Ronnie Grossenbacher zu finden. Der Darsteller der männlichen Hauptfigur Karl-Joseph ist bei der Anreise versehentlich in den falschen Zug gestiegen und hat deshalb Verspätung. Da das Programm der dreistündigen Probe eng befrachtet ist, wird ohne ihn begonnen. Kurzerhand springt eine Kollegin ein und liest Grossenbachers Textpassagen vom Skript ab.

Wer gerade nicht auf der Bühne steht, sieht zu und versucht sich warm zu halten. Derweil verkabeln zwei Männer ein Alphorn, das später zum Einsatz kommen wird. Apropos Alphorn: Schadet es eigentlich nicht, wenn ein solches Instrument bei einem Freilichttheater ständig Kälte und Nässe ausgesetzt ist? «Nein, für das Horn ist das kein Problem – eher für den Spieler», sagt Werner Jost, einer von vier Alphornbläsern beim «Vogellisi», und schmunzelt verschmitzt.

Die Geschichte rund um das geheimnisvolle Mädchen ist für den aussenstehenden Beobachter bereits greifbar – und dies, obschon die Darsteller heute in ihren Alltags- und nicht den Bühnenkleidern proben. Die Kulisse mit Grandhotel auf der einen und dem Hüttchen der Kräuterfrau Guandalenda auf der anderen Seite lassen erahnen, dass im Naturmärchen zwei Welten aufeinanderprallen werden.

Je länger die Probe dauert, desto klarer wird zudem: Da ist ein eingespieltes Team am Werk. Die Darsteller sind textsicher, die Abläufe sitzen. Gefeilt wird vor allem noch an Details mit Licht und Ton, Auf- und Abgängen. Und einmal erinnert Annemarie Stähli ihre Schäfchen in einer Szene daran, dass sie nicht «theäterle», sondern mehr Ausdruck in ihr Spiel legen sollen.

«Die Fieberkurve steigt schon – aber eigentlich vor allem vor den Proben», sagt Désirée Naef, die im Freilichttheater das Vogellisi verkörpert, am Ende des Abends. Für die gebürtige Sankt-Gallerin, die seit rund zwanzig Jahren in der Region Thun lebt, ist es die erste Hauptrolle. Bei «Anastasia, die letzte Zarentochter» vor zwei Jahren hatte sie indes bereits eine Sprechrolle in einem Stück der Oberländer Märlibühni.

«Das Vogellisi ist selbstbewusster, als ich es bin.»

Désirée Naef spielt das Vogellisi

Das Gleiche gilt für Hauptdarsteller Ronnie Grossenbacher. Er macht zum dritten Mal in einem Ensemble von Annemarie Stähli und Renate Rubin mit. «Es geht bei uns stets sehr familiär zu und her. Das gefällt mir», meint Naef, und Kollege Grossenbacher nickt. Wie sehr fühlen sich die zwei jungen Protagonisten schon mit ihren Figuren verwachsen? «Ich habe mich intensiv mit der Biografie des Vogellisi auseinandergesetzt und fühle mich gut vorbereitet», sagt Désirée Naef. «Das Vogellisi ist selbstbewusster, als ich es bin.»

Auch Ronnie Grossenbacher kann sich längst mit der Rolle des verwöhnten, aus gutem Hause stammenden Karl-Joseph identifizieren: «Es gefällt mir, dass sich Karl-Joseph im Laufe der Geschichte ent­wickelt.» Was dies im Detail bedeutet, bleibt bis zur Premiere – selbstredend – noch streng geheim.

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