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Einer isst Banane

In der frisch sanierten Mansarde des Stadttheaters spielt Nico Delpy das Solo «Das letzte Band» von Samuel Beckett. Ist er alt genug dafür?

Spielt einen Alten: Nico Delpy im Solostück «Das letzte Band».
Spielt einen Alten: Nico Delpy im Solostück «Das letzte Band».
Philipp Zinniker/zvg

Schwarz und grau und trotzdem frisch: Die renovierte Mansarde ist die gemütlich Ecke im Stadttheater. Auf der Ebene des dritten Ranges angesiedelt, dient sie als Pausenbar für die Opernfreunde auf den günstigen Plätzen. Oder als Kammerbühne für kompakt eingerichtete Theaterstücke.

Wie Samuel Becketts «Das letzte Band», das am Dienstagabend Premiere hat, während im grossen Saal «Don Giovanni» gegeben wird. Doch abgesehen davon, dass man vor dem Theaterbesuch Hunderte elegant gekleidete Operngänger über den Weg laufen, merkt man nichts von der Doppelnutzung des Stadttheaters an diesem Abend.

Nico Delpy spielt im Solostück den gealterten, versoffenen Krapp. Einen unglücklichen, verwirrten Mann, der sein Leben damit verbringt, Bananen zu essen und seine Erlebnisse minutiös auf Tonbändern aufzunehmen. Wir schauen Krapp zu, wie er den Karteikasten zur Hand nimmt, zufällig eine Karte zieht: «Schachtel drei, Spule fünf» steht darauf, und so hört sich der alte Mann das Band wieder an, das er mit 39 Jahren aufgenommen hat. Doch wir erfahren die Erinnerung an eine Erinnerung: Der 39-jährige Krapp erzählt davon, wie er eben ein altes Band gehört hat, auf dem er als junger Mann von der Liebe erzählt.

Nicht ganz einfache Anlage

Eine aus mehreren Gründen nicht ganz einfache Anlage für Nico Delpy. Da ist der Aufbau des Stücks. Zum einen tut Delpys Krapp zunächst nicht viel mehr, als Bananen zu essen und das alte Tonbandgerät zu bedienen, bevor er dann ein neues Band aufnimmt. Wie in Becketts «Warten auf Godot» ist die Verlorenheit in Raum und Zeit das Schicksal des Protagonisten. Es passiert wenig, doch das, was nicht passiert, ist existenziell.

Neben der Leere ist die grösste Herausforderung für den gut 40-jährigen Delpy, alt und kaputt zu sein. Zumal er in seinem quirligen Spiel oft eher jünger wirkt. Er schmiert sich Kreide ins Gesicht, um es fahl zu machen, und verleiht Krapp eine bisweilen clowneske Fahrigkeit (Regie Johannes Lepper). Das Ganze wirkt so überzeichnet, dass die Verlorenheit zwar sichtbar, aber wenig eindrücklich gelingt.

Aber Beckett bleibt Beckett. Die Leere gilt es auszuhalten, und wie sie dann doch gefüllt wird mit der doppelten Zeitreise in andere Zustände der Leere, ist durchaus reizvoll. Der Applaus in der halb leeren Mansarde fällt gnädig aus. Was den Rahmen betrifft: Gerne wieder Kammertheater in der Mansarde! Sie passt für Geschichten wie jener von Beckett. Mit einem Protagonisten, der sich in seiner Kammer eine Stunde lang im Kreis dreht wie eine Tonbandspule.

Nächste Vorstellung: Donnerstag, 19.30 Uhr. Bis 3. Januar. www.konzerttheaterbern.ch

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