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Gegacker rund um Odoaker

Das Theater an der Effingerstrasse bringt Friedrich Dürrenmatts ungeschichtliche historische Komödie «Romulus der Grosse» in poppiger Ausstattung auf die Bühne. Kostüme, Sound und Bühnenbild: ein Vergnügen.

«Romulus der Grosse» von Friedrich Dürrenmatt wird derzeit im Theater an der Effingerstrasse aufgeführt.
«Romulus der Grosse» von Friedrich Dürrenmatt wird derzeit im Theater an der Effingerstrasse aufgeführt.
Severin Nowacki

Dieses Bad hat schon bessere Tage gesehen: Die blauen Kacheln sind schon leicht angeschimmelt. So das Bühnenbild (Peter Aeschbacher) im Theater an der Effingerstrasse, wo zurzeit Friedrich Dürrenmatts «Romulus der Grosse» gespielt wird. Das 1949 uraufgeführte Stück bleibt brandaktuell. Dürrenmatt beschrieb seine eigene Version des Untergangs des Römischen Reichs und schuf eine zeitlose Parabel über Weltreiche.

Regisseur Alexander Kratzer gelingt eine Inszenierung voller Witz, ohne dass dabei der Tiefgang verloren geht. Das Weltreich wird von Romulus Augustus (Christoph Kail) im Bademantel regiert. Die Leidenschaft des Herrschers sind die Hühnerzucht, der Spargelwein und sein Frühstück. Der Staatsbankrott, der Ausverkauf der Kultur und der Einmarsch der Germanen erwartet er mit scheinbarer Gleichmut.

Ehrgeiz und Eigennutz

Tatsächlich freut sich Romulus auf das Ende des eigenen Imperiums, verachtet er doch dessen Grausamkeit. Ein subversiver Pazifist, der zu seiner übereifrig ­patriotischen Tochter sagt: «Man soll vor allem gegen sein Vaterland misstrauisch sein. Es wird niemand leichter ein Mörder als ein Vaterland.»

Für das Programmheft zur Uraufführung in Basel schrieb Dürrenmatt zehn Paragrafen. «Der Verfasser ist kein Kommunist, sondern Berner», postulierte er mit seinem für ihn typischem Humor.

Die Effinger-Inszenierung kommt in heutigem Kleid daher. Der Sklave Pyramus (Köstlich: Josef Mohamed) erinnert an den Diener im Film «Ein Käfig voller Narren» (1978). Er hört gerne lautstark Popmusik.

So muss ihn der Bote ganz schön anschreien, bis er dessen Nachricht hört: «Die Germanen kommen!» – «Meldungen stürzen die Welt nie um. Sie regen die Welt nur auf», kommentiert Romulus die Nachricht lakonisch. Pyramus soll lieber ­berichten, ob die Hühner gelegt haben. Wer nichts legt, riskiert, im Kochtopf zu landen.

Bling bling

Kaiserin Julia (Nicola Trub), im mondänen Strandlook gekleidet, ärgert sich über den passiven Ehemann. Sie verteidigt Rom aus Ehrgeiz und Eigennutz. Die Tochter Rea (Anna Rebecca Sehls) vertreibt sich derweil die Zeit mit Theaterspielen als Antigone. «Komödie steht uns viel besser», kommentiert Romulus ihr Tun.

Musik und Kostüme (Sybille Welti) tragen in Kratzers Inszenierung viel zur Komik bei. Der um Asyl bittende Kaiser Zeno (Hannes Perkmann) tritt im ­goldenen Bling-bling-Ghetto-Schick-Look auf.

Odoaker, vom gleichen Schauspieler dargestellt, «erobert» Rom im Adidas-Trainer zur Musik von Rammstein. Lieder von Jovanotti und Hühnergegacker im richtigen Moment – die Tiere selbst sieht man nie – sorgen für zusätzliche Ironie. Gegacker garantiert!

Nächste Vorstellung: 25.9., 26.9., 20 Uhr im Theater an der Effingerstrasse, Bern.

Weitere Informationen: www.dastheater-effingerstr.ch

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